Elon Musk wirft etablierten Telekominteressen in Indien vor, den Start von SpaceX’ Satelliteninternetdienst Starlink zu behindern. Das bezeichnete Vorgehen nannte er ein „Verbrechen an der indischen Bevölkerung“. Obwohl Starlink Absichtserklärungen mit Reliance Jio und Bharti Airtel unterzeichnet hat, ist der Dienst im Land noch nicht kommerziell verfügbar. Für den Markteintritt sind sowohl der Wettbewerb als auch die behördlichen Genehmigungen entscheidend.
Jio und Airtel vereinen mehr als 80 Prozent des Marktes
Der indische Telekom- und Internetmarkt wird von Jio, das dem Unternehmer Mukesh Ambani gehört, und Airtel unter der Führung von Sunil Mittal geprägt. Daten der indischen Telekomaufsicht zufolge kommen beide Anbieter zusammen auf mehr als 80 Prozent des Marktes. Jio, Indiens größter Mobilfunkanbieter, sorgte vor rund zehn Jahren mit seinem Markteintritt für Aufsehen: Das Unternehmen senkte die Preise für schnelles mobiles Internet deutlich.
Musk schrieb am Mittwoch auf X, „bestimmte Oligopolisten“ versuchten, ihre monopolartige Kontrolle über indische Verbraucher zu bewahren und Starlink deshalb auszubremsen. Unternehmen nannte er nicht, erklärte aber, die Menschen könnten sich denken, wen er meine. Später sagte er, Starlink werde schnelles und erschwingliches Internet für Verbraucher bringen, die sich einen solchen Zugang bislang nicht leisten könnten.
Vereinbarungen mit Jio und Airtel ohne konkreten Starttermin
SpaceX hatte im vergangenen Jahr Vereinbarungen mit Jio und Airtel geschlossen, dem zweitgrößten Telekommunikationsanbieter Indiens. Sie sollen den Weg für Starlink-Dienste im Land ebnen. Seit der Unterzeichnung wurden öffentlich nur wenige Fortschritte bekannt; ein kommerzieller Start steht weiterhin aus.
Jio baut zugleich ein eigenes Geschäft mit Satellitenkommunikation auf. Jio Platforms kündigte im Juni an, entsprechende Dienste über Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn in Indien starten zu wollen. Verwaltungsratschef Akash Ambani, der Sohn von Mukesh Ambani, sagte den Aktionären, das Unternehmen arbeite mit großen internationalen Satellitenkonstellationsbetreibern zusammen. Durch die Anmietung von Satellitenkapazitäten wolle Jio den Ausbau der Satellitenverbindungen beschleunigen.
SpaceX muss in Indien daher Lizenz- und Sicherheitsprüfungen bestehen und könnte zugleich mit großen heimischen Telekomunternehmen um Satellitenkommunikationskunden konkurrieren. Jio und Airtel sind für Starlink mögliche Partner, zugleich aber marktmächtige Anbieter mit umfangreicher Infrastruktur und großen Kundenstämmen.
SpaceX beziffert Starlink-Flotte auf rund 11.000 Satelliten
Lauren Dreyer, bei SpaceX für den Starlink-Betrieb zuständige Vizepräsidentin, sagte am Mittwoch auf dem India Mobile Congress, rund 11.000 Starlink-Satelliten seien im Orbit. Das Netzwerk versorge Nutzer in mehr als 170 Ländern und Gebieten.
Starlink arbeite mit Regierungen und privaten Unternehmen zusammen, um abgelegene Regionen anzubinden und die digitale Kluft zu verringern, sagte Dreyer. Das Unternehmen bereite den Start in Indien seit Jahren vor und verwies dabei auf die Absichtserklärungen mit Airtel und Reliance Jio.
Satelliteninternet kann eine Alternative zum Breitbandanschluss in Städten sein und zugleich abgelegene Gebiete, Nutzer auf See sowie Regionen mit geringer terrestrischer Netzabdeckung erreichen. Indien verfügt über eine große Zahl von Internetnutzern, doch Verfügbarkeit und Qualität der Netze unterscheiden sich regional. Der Zeitplan für Starlinks Start dürfte damit beeinflussen, wie schnell der Dienst lokale Kunden gewinnt und Investitionen im Markt vorantreibt.
Sicherheitsprüfung bleibt Teil des Genehmigungsverfahrens
Neben dem Wettbewerb steht Starlink in Indien unter regulatorischer Sicherheitsprüfung. Die Behörden hatten das Genehmigungsverfahren zuvor ausgesetzt, weil Terminals möglicherweise genutzt werden könnten, bevor der Dienst vollständig zugelassen ist. SpaceX hat die Sicherheitsbedenken zurückgewiesen.
Die indische Regierung hat bislang keinen verbindlichen Termin für den kommerziellen Start genannt. Musk macht etablierte Telekominteressen für die Verzögerung verantwortlich. Öffentlich verfügbare Informationen belegen jedoch nicht, ob der Wettbewerb, regulatorische Anforderungen oder andere Faktoren den langsamen Genehmigungsprozess hauptsächlich erklären. Auch mögliche Stellungnahmen von Jio, Airtel oder Reliance Industries könnten die Erwartungen an die nächsten Schritte der Vereinbarungen beeinflussen.