SoundHound AI (NASDAQ: SOUN) hat seinen Abwärtstrend in dieser Woche fortgesetzt, den niedrigsten Stand seit November 2024 erreicht und damit den neunten wöchentlichen Rückgang in Folge verzeichnet. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens ist von mehr als 8,79 Mrd. US-Dollar im Dezember 2024 auf rund 2,42 Mrd. US-Dollar gesunken. Gleichzeitig ist die Leerverkaufsquote auf 40 % des Streubesitzes gestiegen. Damit zählt SoundHound zu den stärker leerverkauften Aktien am US-Markt.
Der Ausverkauf findet statt, während das Unternehmen sein Geschäft weiter ausbaut. SoundHound, an dem auch Nvidia beteiligt ist, hat in diesem Jahr LivePerson für 43 Mio. US-Dollar übernommen. Über seine OASYS-Plattform will das Unternehmen Sprach-KI, intelligente Agenten und digitale Messaging-Dienste zusammenführen. Im Mittelpunkt steht nun die Frage, ob die Übernahme effektiv integriert werden kann und ob SoundHound die Umsetzungskosten verkraftet, während weiterhin Verluste anfallen.
Leerverkaufsquote erreicht 40 % des Streubesitzes
Die verfügbaren Daten zeigen, dass Leerverkaufspositionen rund 40 % des Streubesitzes von SoundHound ausmachen. Ein derart hoher Anteil deutet darauf hin, dass ein großer Teil des Marktes auf weitere Kursverluste positioniert ist, und kann die Volatilität verstärken. Eine konzentrierte Eindeckung von Leerverkaufspositionen könnte zwar eine schnelle Erholung auslösen. Eine hohe Leerverkaufsquote allein gibt jedoch keine klare Richtung für die Aktie vor, solange sich bei den Fundamentaldaten oder den Kapitalströmen keine erkennbare Veränderung ergibt.
Die SoundHound-Aktie ist von ihrem Höchststand um knapp 80 % gefallen. Der Rückgang der Marktkapitalisierung spiegelt eine Neubewertung des Unternehmens, seiner Ertragsperspektiven und seiner Fähigkeit wider, das Wachstum aufrechtzuerhalten. Zunächst stand vor allem das Sprach-KI-Geschäft im Fokus der Anleger. Da die Anforderungen an die Umsatzqualität und die Geschwindigkeit der Kommerzialisierung bei KI-Unternehmen gestiegen sind, hängt die Kursentwicklung inzwischen weniger allein vom übergeordneten KI-Thema ab.
LivePerson-Übernahme erhöht Integrationsaufwand
Nach der Übernahme von LivePerson will SoundHound Sprachinteraktion und digitale Nachrichten zusammenführen und über OASYS einen umfassenderen KI-Dienst anbieten. Die Transaktion im Wert von 43 Mio. US-Dollar bedeutet allerdings nicht, dass Umsatz und Gewinn unmittelbar steigen werden.
Da SoundHound weiterhin Verluste schreibt, beobachten Anleger insbesondere die Migration der Kunden, die Integration der Produkte, mögliche Vertriebs-Synergien und die operativen Kosten nach der Übernahme. Sollte sich die Integration länger hinziehen als erwartet, könnten das bestehende Sprachgeschäft und die neu hinzugekommenen Messaging-Aktivitäten um Ressourcen konkurrieren. Die Bedenken rund um die Transaktion haben den Druck auf die Aktie zusätzlich erhöht.
Umsatz wächst, aber langsamer
Der Umsatz von SoundHound stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 45 %. Das ist weiterhin ein hohes Wachstumstempo, liegt jedoch unter den Raten mehrerer früherer Quartale. Bei einem hoch bewerteten KI-Unternehmen kann ein nachlassendes Umsatzwachstum die Einschätzung des Marktes zu künftigen Cashflows und zur Bewertung belasten. Das gilt besonders dann, wenn noch keine nachhaltige Profitabilität erreicht wurde.
Das Management erwartet für das Gesamtjahr einen Umsatz zwischen 230 Mio. und 260 Mio. US-Dollar. Durch die Einbeziehung des Geschäfts von LivePerson könnte der ausgewiesene Umsatz diese Spanne übertreffen. Ob zusätzliche Erlöse auch zu höheren Margen und einem stärkeren Cashflow führen, hängt vom Erfolg der Integration, der Kundennachfrage und der Kontrolle der operativen Ausgaben ab.
Aktie fällt unter Unterstützung bei 5,80 US-Dollar
Aus charttechnischer Sicht ist SOUN unter die wichtige Unterstützungszone um 5,80 US-Dollar gefallen. Dieses Niveau bildete die untere Begrenzung eines fallenden Dreiecks, das Händler häufig zur Einschätzung der Fortsetzung eines bestehenden Trends beobachten. Die Aktie notiert derzeit unter mehreren gleitenden Durchschnitten. Das weist sowohl im kurzfristigen als auch im mittelfristigen Kursverlauf auf Schwäche hin.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) fiel zuletzt auf etwa 30 und erreichte damit erstmals seit März 2026 dieses Niveau. Ein RSI um 30 signalisiert in der Regel starken Verkaufsdruck, bedeutet jedoch nicht, dass unmittelbar eine Erholung folgen muss. Anhaltende Verkäufe könnten die Aktie weiter belasten. Gleichzeitig lässt die Leerverkaufsquote von 40 % Raum für einen Short Squeeze, falls zahlreiche Positionen gleichzeitig geschlossen werden.
Kursziele der Analysten liegen weiter über dem Aktienkurs
Trotz des anhaltenden Rückgangs liegen die Kursziele mehrerer Analysten weiterhin über dem aktuellen Aktienkurs. DA Davidson nennt ein Kursziel von 10 US-Dollar, HC Wainwright setzt 20 US-Dollar an und Cantor Fitzgerald 15 US-Dollar. Diese Einschätzungen spiegeln die jeweiligen Erwartungen an SoundHounds Umsatzwachstum, die Integration der KI-Plattform und die künftige Kommerzialisierung wider. Sie bedeuten nicht, dass die Aktie diese Marken tatsächlich erreichen wird.
Am 10. Oktober wurde SoundHound bei rund 5,40 US-Dollar gehandelt und lag damit 2,17 % im Tagesminus. Nvidia notierte bei etwa 229,33 US-Dollar und gab 0,50 % nach. Anleger werden weiterhin auf die Umsatzentwicklung von SoundHound, die operativen Kennzahlen nach der LivePerson-Übernahme, Fortschritte beim Abbau der Verluste und die möglichen stärkeren Kursschwankungen infolge der hohen Leerverkaufsquote achten.