Unichain, das von Uniswap Labs unterstützte Ethereum-Layer-2-Netzwerk, will den Betrieb seiner Produktivumgebung an Optimism übergeben. Dazu zählen Sequencing, öffentlicher Node-Zugang, Monitoring und die Reaktion auf Störungen. Der Wechsel des Testnets ist für den 13. Oktober geplant, das Mainnet soll am 29. Oktober folgen. Damit wird Optimism vom technischen Unterstützer zum Betreiber eines weiteren Live-Netzwerks. Zugleich wächst die Zahl der OP-Stack-Chains, die bei Wartung und Störungsbehebung auf dieselbe Organisation angewiesen sind.
Für Nutzer kann ein gemeinsamer Betreiber die technische Betreuung bündeln. Gleichzeitig entsteht eine gemeinsame organisatorische Abhängigkeit. Fällt ein Sequencer aus, hängt es weiterhin von den Smart-Contract-Regeln und Berechtigungen der jeweiligen Chain ab, ob Nutzer Transaktionen einreichen und später Guthaben abziehen können.
Unichain wechselt vom Support zum laufenden Betrieb
In einer am 31. Juli aktualisierten Übersicht zu OP Enterprise erklärte Optimism, dass Uniswap Labs Unichain bislang über das Mission-Critical-Zusatzpaket betrieben habe. Zusammen mit dem am 9. Oktober von Uniswap Labs angekündigten Migrationsplan bedeutet das: Optimism übernimmt künftig neben Support und Monitoring auch den Produktivbetrieb.
Laut Uniswap Labs ändern sich durch den Wechsel weder die Chain-ID noch Verträge, Guthaben, Anwendungen oder die Bereitstellungen von Uniswap v2, v3 und v4. Unichain bleibt ein Stage-1-Rollup mit seinem erlaubnisfreien Fault-Proof-Mechanismus und der bestehenden Governance für Vertrags-Upgrades. Geändert wird der Betreiber des laufenden Netzwerks, nicht die Chain selbst oder die Zuständigkeit für Upgrades.
Die Vereinbarung ähnelt jüngeren Kooperationen von Optimism mit anderen Partner-Chains. Soneium kündigte am 30. September an, die vollständig verwalteten Dienste von OP Enterprise zu nutzen. Optimism Foundation und OP Labs sollen unter anderem Deployment, Sequencer-Betrieb, Node-Infrastruktur, Upgrades, Monitoring und Störungsmanagement unterstützen. Soneium will weiterhin an der technischen Entwicklung und der Roadmap mitarbeiten, darunter an seinem tokenisierten Produkt für geistiges Eigentum. Ein konkreter Termin für den Wechsel wurde nicht genannt.
Ein früheres Beispiel ist Ink. In einem am 23. Juni angekündigten Plan erklärte Optimism-Mitgründerin Jing Wang, die Ink Foundation könne sich stärker auf den Ausbau des Ökosystems konzentrieren, während Optimism das Netzwerk betreibe und weiterentwickle. Der Plan umfasste Sequencer für Mainnet und Testnet, RPC, Block-Explorer, Monitoring und Störungsreaktion; der Wechsel war für August anvisiert. Ein am 7. September veröffentlichter Optimism-Leitfaden beschrieb die Infrastruktur von Ink als von der Foundation über OP Labs betrieben.
Welche Aufgaben Fully Managed umfasst
OP Enterprise stellt Infrastruktur und Support für Chains bereit. Im Tarif Self Managed betreibt der Kunde die Infrastruktur und kontrolliert Sequencer und Nodes; Optimism übernimmt Support und Monitoring. Bei Fully Managed betreibt OP Labs den Sequencer, Batcher, Proposer und die Chain-Infrastruktur und kümmert sich um Sicherheitsupdates.
Die Komponenten erfüllen unterschiedliche Funktionen: Der Sequencer ordnet Transaktionen, der Batcher übermittelt Transaktionsdaten an Ethereum und der Proposer reicht Behauptungen über den Zustand der Chain ein. Wenn der Protokollentwickler den laufenden Betrieb übernimmt, kann das den Koordinationsaufwand für Partner-Netzwerke verringern. Die Abwicklung auf Ethereum und die Verträge, die Proofs akzeptieren, bleiben jedoch eigenständige Mechanismen und sind nicht mit dem Betriebsservice gleichzusetzen.
Zu den veröffentlichten Leistungszusagen für Soneium gehören ein monatliches Verfügbarkeitsziel von 99,9 Prozent und eine rund um die Uhr erreichbare Störungsreaktion. Das Mission-Critical-Zusatzpaket nennt eine Service-Level-Vereinbarung von 99,95 Prozent, eine angestrebte erste Reaktion innerhalb von 15 Minuten bei schwerwiegenden Vorfällen sowie Statusmeldungen alle 30 Minuten. Die bisherige Vereinbarung für Unichain umfasste ausdrücklich dieses Zusatzpaket.
Diese Kennzahlen beschreiben Servicezusagen, keine gemessenen Verbesserungen der Verfügbarkeit. Das 15-Minuten-Ziel bezieht sich auf die erste Reaktion; bis zur vollständigen Behebung kann es länger dauern. Ein zentraler Betreiber kann technische Probleme direkter erkennen und Patches einspielen. Im Gegenzug können Chains mit unterschiedlichen Marken bei Sequencing, Wartung und Störungsreaktion von derselben Organisation abhängen.
Die vorliegenden Ankündigungen bestätigen einen gemeinsamen Betreiber, machen aber keine Angaben dazu, ob die Chains auch Cloud-Regionen, Signaturschlüssel oder weitere Teile der zugrunde liegenden Infrastruktur teilen. Ob mehrere Kunden von einem Fehler in einem gemeinsamen Prozess betroffen sein könnten, bleibt daher ein Beobachtungspunkt; einen solchen technischen Ausfall haben die Unternehmen bislang nicht gemeldet.
Ethereum ermöglicht erzwungene Transaktionen, aber keine sofortige Auszahlung
Die Bewertungen von Unichain, Soneium und Ink durch L2BEAT weisen jeweils einen Mechanismus aus, mit dem Transaktionen über Ethereum erzwungen werden können. Die maximale Wartezeit beträgt bis zu zwölf Stunden. Nach den Ableitungsregeln des OP Stack und den Vorgaben für erzwungene Transaktionen können Nutzer eine Einzahlungs-Transaktion an den Portalvertrag der Chain auf Ethereum senden. Läuft das Sequencing-Fenster ab, können Nodes daraus Blöcke mit diesen Transaktionen ableiten, ohne auf die regulären Sequencer-Batches angewiesen zu sein. Erzwungene Transaktionen lassen sich auch nutzen, um Auszahlungen anzustoßen.
Das schafft eine Ausweichmöglichkeit, wenn ein Sequencer nicht verfügbar ist oder Transaktionen zensiert. Es führt aber nicht zu einer sofortigen Rückzahlung auf Ethereum. Auszahlungen hängen weiterhin von den jeweiligen State-Proposals, Proofs und weiteren Bedingungen ab; für Zwischenschritte können Berechtigungsbeschränkungen gelten.
| Chain | Veröffentlichter Betriebsplan | Wenn der reguläre Proposer nicht verfügbar ist |
|---|---|---|
| Unichain | Plan am 9. Oktober angekündigt; Testnet-Wechsel für den 13. Oktober, Mainnet-Wechsel für den 29. Oktober vorgesehen | Erlaubnisfreie State-Root-Proposals bieten einen alternativen Weg |
| Ink | Im Juni angekündigter Plan sah den Wechsel im August vor; ein Service-Leitfaden vom September beschrieb den gehosteten Betrieb | Erlaubnisfreie State-Root-Proposals bieten einen alternativen Weg |
| Soneium | Fully-Managed-Dienst am 30. September angekündigt; kein verbindlicher Abschlusstermin genannt | Auszahlungen werden eingefroren, wenn keine zugelassenen Proposer verfügbar sind |
L2BEAT stuft Unichain und Ink als Stage 1 ein. Demnach können auch andere Teilnehmer mit ausreichenden Mitteln State Roots einreichen. Wird ein zulässiger State Root akzeptiert und sind Proof- und Auszahlungsvoraussetzungen erfüllt, kann bei diesen Chains auch ein anderer Teilnehmer Aufgaben übernehmen, die normalerweise beim Proposer liegen.
Bei Soneium ist die Lage anders. Laut L2BEAT verfügt das aktuelle, als „Super Permissioned“ bezeichnete Vertrauensmodell über keinen On-Chain-Streitbeilegungsmechanismus; State Roots dürfen nur zugelassene Proposer veröffentlichen. Können diese nicht handeln, sind Auszahlungen eingefroren. Eine erzwungene Transaktion kann zwar in die abgeleitete Chain aufgenommen werden, ersetzt aber nicht die fehlende Berechtigung, Auszahlungen vorzuschlagen.
Bei allen drei Chains sehen die Bewertungen für Auszahlungen eine siebentägige Reifezeit für Proofs vor. Für Unichain und Ink kommen Bedingungen im Zusammenhang mit der Abwicklung hinzu: Die Abwicklung eines State Roots dauert mindestens dreieinhalb Tage, anschließend folgen weitere dreieinhalb Tage. Ein Proof kann bereits vor der Abwicklung aufgenommen werden. Deshalb lassen sich die Zeiträume nicht einfach addieren und als einheitliche Auszahlungsdauer angeben. Soneium hat ebenfalls eine Auszahlungsverzögerung, sein Vertrauensmodell sieht jedoch keinen On-Chain-Anfechtungsprozess vor.
Übergabe des Betriebs ändert nichts an Upgrade-Rechten
Betrieb, Berechtigungen für Vertrags-Upgrades und Verwahrung von Vermögenswerten sind getrennte Fragen. Uniswap Labs zufolge bleiben die bestehenden Governance-Regeln von Unichain unverändert. Nach den aktuellen L2BEAT-Bewertungen müssen bei allen drei Chains sowohl die jeweilige Foundation als auch der Security Council Upgrades genehmigen. Für reguläre Upgrades gibt es keine Verzögerung; ein garantiertes Zeitfenster, in dem Nutzer vor einem sofortigen Upgrade aussteigen können, besteht nicht.
Eine Ausweichroute über Ethereum für Transaktionen während eines Sequencer-Ausfalls garantiert daher nicht, dass Nutzer vor dem Inkrafttreten einer unerwünschten Vertragsänderung aussteigen können. Stage-1-Mechanismen erhalten zwar einige Wege, die nicht vom Betreiber abhängen. Die On-Chain-Berechtigungen für Upgrades bleiben aber relevant.
Die von Unichain angekündigte native Interoperabilität ist noch eine künftige Funktion. Soneium erklärte ausdrücklich, dass Interoperabilität nicht Teil der Vereinbarung ist. In Inks Plan vom Juni war eine eintägige Auszahlung als Ziel im Zuge der Einführung des Proof-Systems genannt; die aktuelle Bewertung führt jedoch weiterhin eine siebentägige Reifezeit für Proofs auf. Auch Optimisms frühere technische Upgrades zur Vorbereitung der Interoperabilität im Superchain-Ökosystem sind von der Übergabe des laufenden Betriebs getrennt: Das eine betrifft die Vorbereitung auf die Vernetzung von Chains, das andere die Wartung und Störungsreaktion.
Als nächste Termine stehen der Wechsel des Unichain-Testnets am 13. Oktober und des Mainnets am 29. Oktober an. Wird der Plan umgesetzt, erweitert Optimism seinen Service von der Protokollunterstützung auf den Betrieb eines weiteren Live-Netzwerks. Wie zuverlässig der Dienst arbeitet, wird sich im laufenden Betrieb zeigen. Bei einer Störung hängen Transaktionseinreichung und Auszahlungen weiterhin von den jeweiligen Regeln für Proposals, Proofs und Upgrades ab.