Strategy-Chairman Michael Saylor fordert, dass US-Banken Bitcoin für Kunden verwahren und Kredite gegen die Kryptowährung als Sicherheit vergeben dürfen. Voraussetzung seien klare regulatorische Vorgaben. Zugleich hält Saylor eine durch KI-Agenten getriebene Digitalwirtschaft für möglich, die den Markt für digitale Vermögenswerte langfristig auf 100 Billionen US-Dollar ausweiten könnte. Einen Zeitrahmen nannte er nicht. Wie stark Banken solche Dienstleistungen ausbauen können, hängt unter anderem davon ab, wie Aufseher Krypto-Assets einstufen und welche Eigenkapitalanforderungen sie festlegen.
Saylor verlangt klare Regeln für Verwahrung und Kredite
Saylor stellte seine politischen Vorschläge in dieser Woche nach seiner Teilnahme am Freedom Tech DC Summit vor, der vom Bitcoin Policy Institute veranstaltet wurde. Banken sollten Bitcoin im Auftrag ihrer Kunden verwahren und ihnen ermöglichen, ihre Bestände als Kreditsicherheit einzusetzen, sagte er.
Als ein Hindernis für solche Angebote verwies Saylor auf die internationalen Kapitalvorschriften. Das Basel-Regelwerk legt Standards für die Eigenkapitalunterlegung von Bankaktiva fest und sieht für die risikoreichste Kategorie von Krypto-Assets eine Risikogewichtung von 1.250 Prozent vor. Saylor forderte die Aufseher auf, zwischen drei Tätigkeiten zu unterscheiden: der Verwahrung von Bitcoin für Kunden, der Kreditvergabe gegen Bitcoin-Sicherheiten und der Anlage eigener Bankmittel in Bitcoin.
Diese Unterscheidung wirkt sich unmittelbar auf die Kapitalkosten und Risiken aus, denen Banken bei Krypto-Dienstleistungen ausgesetzt sind. Würde die Kundenverwahrung gleich oder ähnlich behandelt wie eine Anlage der Bank auf eigene Rechnung, müssten Institute möglicherweise mehr Kapital für Tätigkeiten vorhalten, deren Risikoprofile unterschiedlich sind. Saylor sprach sich deshalb für eindeutigere und praktisch umsetzbare Regeln aus. Der regulatorische Umgang mit diesen Geschäftsmodellen ist jedoch weiterhin nicht abschließend geklärt.
Bitcoin-Angebote der Banken entwickeln sich uneinheitlich
Saylor sieht die Beteiligung von Banken als mögliche zusätzliche Kapitalquelle für den Bitcoin-Markt. Seiner Einschätzung nach könnte der Wettbewerb um Bitcoin-Kunden Mittel in einen Vermögenswert lenken, dessen Angebot begrenzt ist.
Strategy hat den Bitcoin Banking Adoption Index gestartet, um die Verbreitung Bitcoin-bezogener Dienstleistungen bei großen Finanzinstituten zu messen. Im Juli lag die erfasste Akzeptanz bei großen Banken bei 32 Prozent. Der Wert beschreibt die Nutzung entsprechender Angebote und bedeutet nicht, dass jede Bank Bitcoin verwahrt oder Kredite gegen Bitcoin vergibt.
Auch die Aussagen führender Bankmanager zu Bitcoin fallen unterschiedlich aus. JPMorgan-CEO Jamie Dimon bezeichnete die Kryptowährung öffentlich als „pet rock“. Strategy-CEO Phong Le sagte dagegen, Dimon unterstütze Bitcoin privat. Die gegensätzlichen Positionen zeigen, wie weit öffentliche Aussagen und die tatsächliche Entwicklung entsprechender Bankdienstleistungen auseinanderliegen können.
Saylor erklärte außerdem, das Zeitalter digitaler Vermögenswerte und digitaler Intelligenz brauche eine „digitale Grundrechtecharta“ statt einer restriktiven Gesetzgebung. Im Mittelpunkt seines Vorschlags steht damit die Frage, welchen Rahmen die Regulierung für die Beteiligung von Banken an digitalen Finanzdienstleistungen setzen soll.
Die 100-Billionen-Prognose basiert auf KI-Agenten
Saylor verknüpfte seine Projektion eines 100 Billionen US-Dollar großen Marktes mit der Verbreitung sogenannter KI-Agenten. Dabei handelt es sich um Software, die Aufgaben im Auftrag von Nutzern ausführen kann. Nach seiner Vorstellung könnten solche Systeme Informationen sammeln, Verhandlungen führen und Einkäufe tätigen.
Eine Wirtschaft mit dieser Art von automatisierten Transaktionen benötige Geld, das rund um die Uhr verfügbar ist und sich mit der Geschwindigkeit von Software bewegen kann, argumentierte Saylor. Das bestehende Finanzsystem stützt sich dagegen weiterhin stark auf manuelle Identitätsprüfungen und traditionelle Geschäftszeiten. Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte könnten nach seiner Einschätzung zu diesem Transaktionsumfeld passen. Eine detaillierte Berechnung oder einen Zeitrahmen für die Schätzung von 100 Billionen US-Dollar legte er jedoch nicht vor.
Senatsabstimmung rückt Kapitalregeln in den Fokus
Die Vorschläge kommen nach einem politischen Rückschlag. Die Abstimmung im US-Senat endete am 15. September mit 49 zu 50 Stimmen. Seitdem richtet sich die Aufmerksamkeit bei Saylors Forderungen verstärkt auf die Bankenvorschriften, insbesondere auf die Behandlung von Krypto-Assets im Rahmen der Basler Eigenkapitalregeln.
Ob Banken ihre Angebote zur Bitcoin-Verwahrung und zur Kreditvergabe gegen Bitcoin-Sicherheiten ausweiten, wird vorerst von den regulatorischen Anforderungen und den Geschäftsentscheidungen der einzelnen Institute abhängen. Saylors Schätzung eines 100-Billionen-Dollar-Marktes ist eine langfristige Prognose ohne genannten Zeitplan. Die Adoption-Rate von 32 Prozent liefert davon getrennt eine Momentaufnahme der derzeitigen Beteiligung großer Banken.