Rockstar Games hat seine Belegschaft während der Entwicklung von Grand Theft Auto 6 (GTA 6) nahezu verdoppelt: Von 2.441 Mitarbeitern zum Start von Red Dead Redemption 2 im Jahr 2018 stieg die Zahl bis August auf 4.711 Beschäftigte in zwölf Studios. Die Aktie des Mutterkonzerns Take-Two Interactive steht in diesem Jahr dennoch deutlich unter Druck. Rund einen Monat vor dem geplanten Veröffentlichungstermin am 19. November wägen Anleger ab, ob der höhere Entwicklungsaufwand und ambitionierte Verkaufserwartungen sich in den Geschäftszahlen niederschlagen.
Mehr als acht Jahre Entwicklung für GTA 6
GTA 6 befindet sich seit mehr als acht Jahren in der Entwicklung. Der Veröffentlichungstermin wurde zweimal verschoben; nach der zweiten Verzögerung setzte Rockstar den Start auf den 19. November. Das Unternehmen erklärte, die in das Spiel investierte Arbeit könne die Entwicklungszyklen künftiger großer Titel verkürzen. Ob das größere Team nach GTA 6 für einen gleichmäßigeren Veröffentlichungsrhythmus sorgen wird, ist jedoch offen.
Rockstar hat zudem versucht, übermäßige Überstunden einzudämmen. Zusätzliche Arbeitsstunden wurden im Verlauf des Projekts allerdings nicht vollständig abgeschafft. Der Personalaufbau spiegelt damit sowohl den Umfang der Investitionen in GTA 6 als auch den fortgesetzten Fokus auf Arbeitsbedingungen und den Zeitplan wider.
Hohe Absatzerwartungen, schwache Take-Two-Aktie
Analysten rechnen damit, dass sich GTA 6 in den ersten vier Monaten rund 40 Millionen Mal verkauft und damit möglicherweise 3 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt. Die Take-Two-Aktie schloss am vergangenen Freitag bei 205,28 US-Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie 21,86 Prozent im Minus. Die Entwicklung zeigt, dass die hohen Erwartungen an das Spiel die Sorgen über die kurzfristigen Geschäftsergebnisse des Konzerns bislang nicht ausgeräumt haben.
Für das Geschäftsjahr 2027 stellt Take-Two Netto-Buchungen von 8 bis 8,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Diese Kennzahl umfasst digitale und physische Verkäufe. Im August bekräftigte das Unternehmen die Prognose und kalkulierte dabei mit dem GTA-6-Start am 19. November. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres, das im Juni endete, beliefen sich die Netto-Buchungen auf 1,39 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Trotz der großen Reichweite der GTA-Reihe macht sie üblicherweise weniger als 15 Prozent des Quartalsumsatzes von Take-Two aus. Für die Einschätzung des Beitrags von GTA 6 zum Gesamtergebnis sind daher nicht nur die erwarteten Verkaufszahlen relevant. Anleger müssen auch die übrigen Geschäftsbereiche und die Zusammensetzung der Quartalsumsätze berücksichtigen.
Höherer Preis erhöht die Erwartungen an den Verkaufsstart
Die Standardversion von GTA 6 kostet rund 80 US-Dollar. Das sind 20 US-Dollar mehr als der Preis der Standardversion von GTA 5 zum Marktstart 2013. Der höhere Preis könnte Kaufentscheidungen beeinflussen und zugleich die Aufmerksamkeit darauf lenken, ob Absatz und Umsatz den Markterwartungen entsprechen.
Mike Hickey, Analyst bei StoneX, bekräftigte seine Kaufempfehlung für Take-Two und sein Kursziel von 300 US-Dollar. Den Rückgang der Aktie führte er unter anderem auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Online-Modus zurück. Zu den kurzfristigen Messgrößen zählen nun, ob GTA 6 wie geplant am 19. November erscheint, wie sich die Verkäufe zu Beginn entwickeln und ob Take-Two seine Prognose für die Netto-Buchungen im Geschäftsjahr 2027 erreicht.