Die Netflix-Aktie ist am Mittwoch gefallen. Anleger mussten zugleich einen weltweiten Abbau von rund 1.000 Stellen und eine weiter steigende Kündigungsquote in den USA verarbeiten. Damit rücken neben dem Abonnentenwachstum auch Nutzerbindung, die Effizienz der Content-Ausgaben und die Nachhaltigkeit des Umsatzwachstums stärker in den Fokus.
Netflix teilte von seiner Zentrale im kalifornischen Los Gatos aus mit, rund 6 Prozent der weltweiten Belegschaft abzubauen. Betroffen sind etwa 1.000 Stellen. Es handelt sich um den größten Stellenabbau des Unternehmens seit Juni 2022. Am Markt war zuvor mit Kürzungen gerechnet worden, die etwa 5 Prozent der Beschäftigten betreffen würden.
Stellenabbau trifft vor allem Produkt- und Technologieteams
Die Umstrukturierung betrifft vor allem Bereiche wie Produktentwicklung, Technologie, Recht und Personalwesen. Netflix plant jedoch keinen flächendeckenden Personalabbau. Im Sportgeschäft sollen weiterhin zusätzliche Stellen entstehen. Ross Benes, Analyst bei Emarketer, erklärte, der Schritt zeige, dass selbst führende Streaminganbieter mit einem langsameren Wachstum und höherem finanziellen Druck konfrontiert seien.
Nach Einschätzung von Benes muss Netflix den Umsatz stärker in den Mittelpunkt stellen, statt allein auf steigende Abonnentenzahlen zu setzen. Vor diesem Hintergrund könnte das Unternehmen verstärkt auf kostengünstigere Inhalte setzen, um die operative Entwicklung zu verbessern. Der größer als erwartete Stellenabbau veranlasst Anleger außerdem, die Verteilung der Ressourcen auf Inhalte, Technologie und jüngere Geschäftsbereiche neu zu bewerten.
US-Kündigungsquote steigt seit sieben Quartalen
Auch die Kundendaten verstärken die Sorgen. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Apptopia lag die Kündigungsquote von Netflix in den USA im dritten Quartal 16,6 Prozent über dem Vorjahreswert. In den drei Quartalen davor hatte der Anstieg gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum jeweils bei rund 8 Prozent gelegen. Damit ist die US-Kündigungsquote laut Apptopia sieben Quartale in Folge gestiegen.
Auch die durchschnittliche Nutzungsdauer bei Netflix ging im dritten Quartal zurück. Mehr Kündigungen und eine geringere Sehdauer könnten die Kundenbindung belasten und den Druck auf Netflix erhöhen, mit neuen Inhalten, Sportangeboten oder Preisstrategien Abonnenten zu halten. Die vorliegenden Daten nennen allerdings keine konkreten Gründe für die Kündigungen. Sie zeigen daher nicht, welcher Anteil auf Preisänderungen, die Verfügbarkeit von Inhalten oder konkurrierende Plattformen entfällt.
Aktie vor Quartalszahlen weiter unter Druck
Die Netflix-Aktie lag am Mittwoch im Handelsverlauf mehr als 1 Prozent im Minus bei 69,58 US-Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten hat der Kurs rund 42 Prozent verloren. Mehrere Analysten haben ihre Kursziele zuletzt gesenkt. Vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen blieb die Marktstimmung daher vorsichtig.
Netflix wollte die Ergebnisse des dritten Quartals am späten Dienstag veröffentlichen. Der von FactSet erfasste Analystenkonsens sah einen Gewinn je Aktie von 82 Cent und einen Umsatz von 12,87 Milliarden US-Dollar vor. Das entspräche einem Wachstum von 39 beziehungsweise 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das vierte Quartal erwartete der Markt einen Gewinn je Aktie von 73 Cent, 30 Prozent mehr als im Vorjahr, sowie einen Umsatz von 13,52 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 12 Prozent.
Die Schätzungen deuten darauf hin, dass Netflix weiterhin ein vergleichsweise kräftiges Gewinn- und Umsatzwachstum liefern soll. Die Kursentwicklung zeigt jedoch, dass Anleger zunehmend auf die Qualität dieses Wachstums achten. Sollten Kündigungsquote und durchschnittliche Sehdauer weiter nachlassen, könnte Netflix höhere Ausgaben benötigen, um sein Content-Angebot zu stärken. Setzt der Konzern dagegen stärker auf Stellenabbau zur Kostensenkung, dürften die langfristigen Folgen für Produktentwicklung und Technologie genauer geprüft werden. Bei den Quartalszahlen werden deshalb insbesondere die Abonnentenzahlen, die Nutzungsdaten sowie die Aussagen des Managements zu Inhalten und Sportangeboten im Mittelpunkt stehen.