UBS rechnet damit, dass die Umsätze der großen Cloud-Anbieter im Septemberquartal im Jahresvergleich um durchschnittlich 58 Prozent steigen – nach 48 Prozent im Juniquartal. Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung und Infrastruktur dürfte zwar gestützt bleiben. Mit dem fünften Jahr des KI-Booms rückt für den Markt aber stärker die Frage in den Vordergrund, ob Umsätze und Gewinne mit den hohen Investitionen Schritt halten. ASML legt am Mittwoch Zahlen vor, die großen Cloud-Konzerne folgen später im Monat. Ihre Ergebnisse dürften wichtige Hinweise auf die Nachfrage liefern.
Meta Muse kommt im ersten Monat auf 6,6 Millionen Downloads
Der KI-Assistent Muse von Meta wurde in seinem ersten Monat mehr als 6,6 Millionen Mal heruntergeladen und verzeichnete 1,8 Millionen täglich aktive Nutzer. UBS beruft sich dabei auf Daten von Sensor Tower. Anders als herkömmliche Chatbots, die vor allem Fragen beantworten, können KI-Agenten Aufgaben im Auftrag ihrer Nutzer erledigen. Eine breitere Nutzung könnte damit zusätzliche Einsatzmöglichkeiten für KI schaffen.
Bei anderen neu gestarteten KI-Agenten lasse sich die Akzeptanz bislang noch nicht verlässlich beurteilen, warnte UBS. Als mögliche Einnahmequellen für Verbraucherangebote kommen Abonnements, Werbung und transaktionsbasierte Dienste infrage. Wächst die Nutzung, könnte dies zugleich den Bedarf an Cloud-Rechenleistung erhöhen. Damit würde sich der Zusammenhang zwischen den Infrastrukturinvestitionen der Hyperscaler und ihrem Umsatz deutlicher zeigen.
Halbleiter- und Serverzahlen signalisieren robuste Nachfrage
Auch jüngste Geschäftszahlen aus der Halbleiter- und Hardwarebranche deuten auf eine anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur hin. TSMC meldete einen Anstieg des Quartalsumsatzes um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Samsung erklärte vor der vollständigen Veröffentlichung seiner Zahlen, der operative Quartalsgewinn sei nahezu neunmal so hoch ausgefallen wie ein Jahr zuvor. Der Serverhersteller Hon Hai Precision Industry übertraf mit seinen Umsätzen die Markterwartungen, und der Chipentwickler Marvell hob seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2028 an.
Die Zahlen zum dritten Quartal dürften weitere Hinweise darauf geben, wie stark die Nachfrage nach KI-Rechenkapazität und Infrastruktur ist. Für Anleger bleibt die Auftragslage entlang der Lieferkette für Chips, Server und Rechenzentren ein wichtiger Indikator dafür, ob die großen Technologiekonzerne weiter investieren. Das Investitionsvolumen allein belegt allerdings noch nicht, dass daraus bereits entsprechende Umsätze entstehen.
Cloud-Umsätze werden zum Prüfstein für Investitionen
Für das Septemberquartal erwartet UBS bei den großen Hyperscalern ein durchschnittliches Umsatzwachstum im Cloud-Geschäft von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juniquartal hatte es noch 48 Prozent betragen. Die Kennzahl steht besonders im Fokus, weil die großen Cloud-Konzerne einerseits zu den wichtigsten Käufern von KI-Chips und Rechenzentrumstechnik zählen und andererseits Rechenleistung, Speicher und KI-Dienste an Unternehmen verkaufen.
Steigende Cloud-Umsätze würden auf eine stärkere Nutzung und Zahlungsbereitschaft der Kunden hindeuten. Bleiben sie hinter den Erwartungen zurück, könnten Anleger die möglichen Erträge aus dem Ausbau von Rechenzentren und dem Kauf von KI-Chips neu bewerten. Die Quartalsberichte der großen Cloud-Anbieter später in diesem Monat liefern dafür eine aktuelle Grundlage.
UBS sieht Risiken bei Wachstum, Finanzierung und Sicherheit
Sorgen über Wachstumsaussichten, Finanzierung und Sicherheit könnten bei KI-bezogenen Anlagen weiterhin für Phasen erhöhter Schwankungen sorgen, so UBS. In der anstehenden Berichtssaison dürften konkrete Geschäftszahlen stärker zählen als allgemeine Branchenerzählungen. Die Bank setzt auf eine breite Streuung über qualitativ hochwertige Halbleiter- und Hardwareunternehmen, große Technologieplattformen sowie Technologiefirmen mit vergleichsweise stabiler Profitabilität.
Kurzfristig legt ASML am Mittwoch seine Zahlen vor; die großen Cloud-Anbieter berichten später im Monat. Sollte das Cloud-Wachstum hinter der UBS-Prognose zurückbleiben, könnten hoch bewertete Technologiekonzerne stärker unter Druck geraten. Auch US-Inflationsdaten, die die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben treiben, könnten die Bewertung langfristig ausgerichteter Technologiewerte belasten.