Während Ermittler Hinweise auf manipulierte Ledger-Hardware in Europa prüfen, haben Entwickler eine Schwachstelle im XRP-Ledger-Code offengelegt. Der Fehler hätte theoretisch die Erzeugung von mehr als 18 Billionen XRP ermöglicht. Die beiden Fälle betreffen unterschiedliche Ebenen der Infrastruktur für digitale Vermögenswerte – Lieferketten für Hardware und Blockchain-Software. Bisher gibt es keinen Nachweis, dass sich die Vorfälle weit ausgebreitet oder Angreifer sie ausgenutzt haben. Sie lenken den Blick jedoch erneut auf Verwahrungsprozesse und die Prüfung von Protokollcode.
Mutmaßlich manipuliertes Ledger-Gerät bei MediaMarkt
Der X-Nutzer Johannes erklärte, er habe vor zwei Wochen ein Ledger-Gerät beim europäischen Elektronikhändler MediaMarkt gekauft und darin ein Bauteil entdeckt, das offenbar nachträglich eingebaut worden war. Er veröffentlichte Fotos des Geräts. Das Modell wirkt älter und ähnelt einem Implantat, das zuvor in Geräten gefunden wurde, die über CryptoBilis in Asien vertrieben worden waren. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass das europäische Gerät zu einem Verlust von Geldern geführt hat.
Johannes zufolge könnte das Gerät schlicht „nicht funktionsfähig“ sein. Möglich sei aber auch, dass ein Angreifer abwarte, bis weitere manipulierte Geräte in Betrieb genommen werden. Mark Karpeles, der frühere CEO von Mt. Gox, war an der Untersuchung des früheren Vorfalls mit Ledger-Geräten in Asien beteiligt. Er erklärte, Markierungen auf der Antenne deuteten auf eine „eurasische Version“ hin. Das könnte darauf hindeuten, dass Angreifer unterschiedliche Implantate für Regionen mit verschiedenen Mobilfunkbändern vorbereitet haben. Ledger hat bislang nicht bestätigt, dass das europäische Gerät mit dem früheren Fall zusammenhängt.
Zuvor waren bereits Ledger-Geräte asiatischer Kunden manipuliert worden. Sie wurden von CryptoBilis vertrieben, einem autorisierten Ledger-Wiederverkäufer, der zuletzt den Eigentümer gewechselt hat. Die gemeldete Manipulation könnte einem Angreifer ermöglichen, die Wiederherstellungsphrase eines Wallets auszulesen und Guthaben zu übertragen, während das Gerät weiterhin Authentizitätsprüfungen besteht. Eine routinemäßige Überprüfung allein könnte die Veränderung daher möglicherweise nicht erkennen.
Ledger hat CryptoBilis angewiesen, Verkäufe und Lieferungen auszusetzen. Kunden, die in den vergangenen 90 Tagen Geräte bei dem Händler gekauft haben, empfahl das Unternehmen, eine Übertragung ihrer Vermögenswerte auf ein neues Ledger-Gerät zu erwägen. In seinem jüngsten Update erklärte Ledger, die Zahl der betroffenen Geräte sei begrenzt. Das Cybersicherheitsunternehmen Yfarmx schätzte den Vorfall auf 471 Adressen und Verluste von rund 93,4 Millionen US-Dollar. Ledger hat diese Zahl jedoch nicht bestätigt.
CryptoBilis war als autorisierter Ledger-Wiederverkäufer in Indonesien, Malaysia und den Philippinen gelistet. Sollte das europäische Gerät letztlich mit dem asiatischen Fall in Verbindung gebracht werden, könnte sich die Untersuchung von einem einzelnen regionalen Vertriebskanal auf Distribution, Weiterverkauf und Lieferkettenkontrollen für regional angepasste Geräteversionen ausweiten.
XRP-Ledger-Schwachstelle hätte Angebot stark aufblähen können
Das Sicherheitsunternehmen Veria Labs erhielt eine Bug-Prämie von 250.000 US-Dollar, nachdem es eine Schwachstelle durch einen arithmetischen Überlauf in XRP-bezogenem Code entdeckt hatte. Der Fehler war seit 2015 im XRP-Ledger-Code vorhanden und wurde inzwischen behoben. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er ausgenutzt wurde.
Cayden Liao, Mitgründer von Veria Labs, erklärte, die KI-Agenten des Unternehmens hätten bei der Prüfung von „rippled“ – der Software zum Betrieb des XRP Ledger – zwei Schwachstellen mit niedrigerem Schweregrad gefunden. Jede davon hätte für sich genommen nur begrenzte Auswirkungen gehabt. Die Forscher konnten sie jedoch zu einem potenziell deutlich größeren Angriffspfad verbinden.
Liao zufolge hätte eine einzige Angriffstransaktion theoretisch mehr als 18 Billionen XRP erzeugen können. Das entspräche dem 184-Fachen des derzeitigen Gesamtangebots. Ausgehend von einer gesamten Marktkapitalisierung von rund 94 Milliarden US-Dollar hätte eine Ausnutzung den Wert von Vermögenswerten im gesamten Netzwerk beeinträchtigen können. Die theoretische Größenordnung würde die bislang größten bekannten Angriffe auf Kryptowährungen übertreffen. Sie bedeutet jedoch nicht, dass diese Menge an XRP tatsächlich erzeugt wurde oder Verluste entstanden sind.
Veria Labs meldete die Schwachstelle am 22. September an die zuständigen Teams. RippleX schloss die Behebung drei Tage später ab. Liao erklärte, dass die Verkettung zweier jeweils weniger schwerwiegender Probleme mit erklären könne, warum der Fehler so lange unentdeckt blieb. Da keine Anzeichen für eine Ausnutzung festgestellt wurden, muss zwischen dem potenziellen Einfluss auf Code-Ebene und einem tatsächlich eingetretenen On-Chain-Vorfall unterschieden werden.
Buterin fordert genauere Prüfung von KI und Kryptografie
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin unterstützte eine Warnung des Forschers Justin Drake zu einem vorgeschlagenen „Bunker-Modus“. Drake argumentiert, Fortschritte in der mathematischen Forschung durch künstliche Intelligenz könnten die kryptografischen Systeme von Blockchains unter Druck setzen, noch bevor Quantencomputer eine unmittelbare Bedrohung darstellen.
Buterin erklärte, Nutzer sollten nicht überstürzt Guthaben in neue Wallets verschieben. Die Branche müsse die kryptografischen Risiken jedoch ernst nehmen, die entstehen könnten, wenn KI die mathematische Forschung beschleunigt. Drake fordert den Sektor auf, sich auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass KI-Agenten neue mathematische Strukturen entdecken, die die Elliptische-Kurven-Kryptografie oder gitterbasierte Kryptografie betreffen.
OpenAI hat zuletzt Hunderte mathematische Forschungsergebnisse vorgestellt, die zuvor von Menschen nicht gelöst worden waren. Diese Ergebnisse betreffen derzeit nicht die Kryptografie. Außerdem gibt es keine Hinweise darauf, dass KI-Agenten kurz davorstehen, die kryptografischen Algorithmen bestehender Blockchains zu brechen. Einige Projektteams und Analysten halten die Warnungen deshalb für eine Überschätzung des kurzfristigen Risikos. Befürworter der Warnungen verweisen dagegen darauf, dass das Tempo der KI-Fortschritte bei anderen komplexen mathematischen Problemen langfristige Sicherheitsbewertungen nicht allein auf das Ausbleiben aktueller Angriffe stützen sollte.
Samsung plant USDC-Transfers für berechtigte US-Nutzer
Samsung will in der letzten Oktoberwoche USDC-Überweisungen für berechtigte Galaxy-Nutzer in den USA über Samsung Wallet verfügbar machen. Der Dienst soll rund 82 Millionen Nutzer erreichen. Kunden sollen USDC an kompatible Wallets im Ausland senden oder Guthaben auf berechtigte Bankkonten übertragen können. Der Service soll mehr als 60 Länder abdecken; Empfänger können die Gelder in ihrer jeweiligen Landeswährung erhalten.
Für die Nutzung ist eine Identitätsprüfung erforderlich. Bastion stellt das Stablecoin-Konto und die Zahlungsinfrastruktur bereit. Coinbase übernimmt über Coinbase Prime Vault die Funktion des Unterverwahrers. Solana und Sui werden als Technologiepartner genannt. Damit werden Stablecoin-Transfers in einen bestehenden mobilen Zahlungskanal eingebunden. Welche Länder, Bankverbindungen und Kontotypen tatsächlich unterstützt werden, hängt beim Start von den jeweiligen regionalen Regeln ab.
Kryptowährungen beenden die Woche mit Verlusten
Zum Ende der Woche lag Bitcoin 2,8 Prozent im Minus bei 83.435 US-Dollar. Ether fiel um 6,5 Prozent auf 2.562 US-Dollar, XRP gab 7 Prozent auf 1,40 US-Dollar nach. Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarktes belief sich auf rund 2,82 Billionen US-Dollar.
Unter den 100 größten Kryptowerten nach Marktkapitalisierung verzeichneten StarkNet mit einem Wochenplus von 91 Prozent, Binance Life mit 25,4 Prozent und Celestia mit 20,8 Prozent die stärksten Zuwächse. Der Anstieg bei StarkNet folgte auf die Ankündigung, das Projekt werde zu einem Post-Quantum-Layer-1-Netzwerk wechseln.
Die größten Wochenverluste entfielen auf Venice Token mit minus 18,5 Prozent, Sky mit minus 16,2 Prozent und Uniswap mit minus 15,4 Prozent.
Tom Lee hält Ether-Kurs von 25.000 bis 50.000 US-Dollar für möglich
Tom Lee, Chairman von Bitmine, erklärte am Freitag auf der Veranstaltung Token2049, Ether könne bis zum Jahresende über 5.000 US-Dollar steigen und bis zum Ende des aktuellen Zyklus „problemlos“ ein Niveau zwischen 25.000 und 50.000 US-Dollar erreichen. Die genannten Marken spiegeln seine persönliche Markteinschätzung wider und stellen kein sicheres Ergebnis dar.
Lee sagte außerdem, Bitmine nähere sich dem Ziel, 5 Prozent des gesamten Ethereum-Angebots zu halten. Das Unternehmen besitzt derzeit rund 6 Millionen ETH und müsste etwa 100.000 weitere Ether kaufen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Marke von 5 Prozent sei die Obergrenze des Unternehmens; Bitmine werde seinen Anteil am Ethereum-Angebot darüber hinaus nicht erhöhen.
Coldcard untersucht Phishing-Link auf offiziellem X-Konto
Der Hersteller von Bitcoin-Hardware-Wallets Coldcard erklärte, am Sonntag sei ein nicht autorisierter Phishing-Link auf seinem offiziellen X-Konto erschienen. Nach Angaben des Unternehmens wurde der Beitrag veröffentlicht, obwohl für das Konto eine Offline-Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert war. Der Beitrag wurde später entfernt. Coldcard erinnerte Nutzer daran, dass coldcard.com die einzige offizielle Website des Unternehmens sei.
Der Hack-Tracker von DefiLlama schätzt die Verluste im Zusammenhang mit einem Angriff auf Coldcard im Juli auf 115 Millionen US-Dollar. Coldcard hat bislang nicht erklärt, wie der Phishing-Link diesmal auf dem Konto erscheinen konnte. Ebenso ist nicht bekannt, ob Nutzer nach dem Aufruf des Beitrags Geld verloren haben.
THORChain meldet vorübergehende Sperre von 1,45 Millionen USDT
Chad Barraford, technischer Mitgründer von THORChain, warf dem Stablecoin-Emittenten Tether vor, die Treasury-Adressen des Netzwerks ohne Erklärung auf eine Blacklist gesetzt und die Einschränkung einige Stunden später wieder aufgehoben zu haben.
Barraford erklärte am Freitag, Tether habe rund 1,45 Millionen USDT auf vier THORChain-Wallets eingefroren. Etwa zwei Stunden später seien alle Adressen wieder freigeschaltet worden, sodass Transaktionen fortgesetzt werden konnten. Offen blieb, ob Tether den Grund für die Sperre nennen wird oder ob die Maßnahme Teil einer umfassenderen Compliance- oder Risikoprüfung war.
Celsius-Gründer Mashinsky in New York dauerhaft aus mehreren Branchen ausgeschlossen
Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, Letitia James, schloss mit Alex Mashinsky, dem früheren CEO von Celsius, einen Vergleich. Danach wird Mashinsky dauerhaft aus der Kryptowährungs-, Wertpapier- und Rohstoffbranche ausgeschlossen. Zudem kann er zu bedingten Zahlungen von bis zu 35 Millionen US-Dollar verpflichtet werden.
Die am Freitag veröffentlichte Vereinbarung bezieht sich auf eine 2023 eingereichte Zivilklage. Darin wurde Mashinsky vorgeworfen, Zehntausende Anleger vor dem Zusammenbruch der Celsius-Plattform im Jahr 2022 über deren Sicherheit getäuscht zu haben. Mashinsky verbüßt derzeit eine Haftstrafe. Ein Bundesgericht hatte ihn zuvor wegen Betrugs zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt und zusätzlich die Einziehung von mehr als 48 Millionen US-Dollar angeordnet.
Frankreich registriert 90 gewaltsame Vorfälle im Zusammenhang mit Krypto
Französische Strafverfolgungsbehörden registrierten innerhalb von sieben Monaten 90 Fälle von Entführungen, Erpressungen, Drohungen und gewaltsamen Raubüberfällen mit Bezug zu Krypto-Vermögenswerten. Die Zahl richtet den Blick auf die physische Sicherheit von Krypto-Besitzern. Das Risiko beschränkt sich damit nicht auf den Schutz von Konten und Wallets, sondern betrifft auch die Verwahrung von Vermögenswerten außerhalb digitaler Systeme.
Auch die Aktivitäten im Kryptokreditgeschäft sind seit Juli um 55 Prozent gestiegen. Zu den Risiken des Sektors zählen KI-gestützte Angriffe sowie mögliche Kaskadeneffekte, wenn mehrere miteinander verbundene Protokolle gleichzeitig in Schwierigkeiten geraten. Wie sicher Gelder verwahrt werden, hängt bei Börsen, Kreditprotokollen und einzelnen Nutzern weiterhin von deren jeweiligen Sicherheitskontrollen, Verwahrungsstrukturen und Liquiditätsmanagement ab.
Raoul Pal, Gründer von Real Vision, erklärte, eine Pause bei den Kursgewinnen von KI-Aktien und ein schwächerer US-Dollar könnten einen Teil des Kapitals in Krypto-Vermögenswerte lenken. Außerdem könnten KI-Agenten seiner Ansicht nach die Nutzung von Ethereum und Solana unterstützen. Dabei handelt es sich um Markteinschätzungen. Tatsächlich beendeten Bitcoin, Ether und XRP die Woche jeweils mit Verlusten.