Der Ausbau von KI-Anwendungen lässt Rechenzentren in den USA auf eine neue Größenordnung wachsen. Großprojekte von Meta, Google, OpenAI, xAI und Oracle sowie ihren Partnern in Texas, Indiana und Michigan sind meist auf mindestens ein Gigawatt (GW) Leistung ausgelegt. Einige der geplanten Campus sollen eine Fläche und Infrastruktur erreichen, die mit der einer Stadt vergleichbar ist.
In den USA sind derzeit mehr als 3.000 Rechenzentren in Betrieb; über 1.500 weitere Anlagen befinden sich in der Entwicklung, überwiegend in ländlichen Gebieten. Der Stromverbrauch der US-Rechenzentren lag 2025 bei rund 313 Terawattstunden. Das entsprach knapp 40 Prozent des weltweiten Verbrauchs dieser Branche und lag über dem gesamten Stromverbrauch Australiens im selben Zeitraum. Das Lawrence Berkeley National Laboratory schätzt, dass Rechenzentren 2030 für 11,8 Prozent des US-Strombedarfs stehen könnten – nach etwa 4,4 Prozent im Jahr 2023.
Für Investoren und örtliche Versorger ist die geplante Anschlussleistung ein wichtiger Anhaltspunkt für die mögliche Rechenkapazität eines KI-Campus. Bis daraus ein betriebsbereiter Standort wird, sind jedoch oft Netzausbau, zusätzliche Kraftwerkskapazitäten, Kühlwasser, Steueranreize und langfristige Stromverträge nötig. Anwohner in Texas und Utah haben bereits wegen Lärms, möglicher Folgen für Immobilienwerte und lokaler Umweltbelastungen protestiert. Der Bundesstaat New York setzte den Bau neuer großer KI-Rechenzentren vorübergehend aus.
Meta baut zwei große Standorte in Indiana und Texas
Metas Campus in Lebanon im Bundesstaat Indiana zählt zu den größeren Rechenzentrumsprojekten des Unternehmens weltweit und ist dessen zweiter Standort in Indiana. Der Bau begann Anfang 2026. Vorgesehen sind Investitionen von 10 Milliarden US-Dollar, eine Fläche von rund 1.500 Acres und eine Anschlussleistung von 1 GW. Die Fertigstellung ist für Anfang 2028 geplant.
Anwohner aus der Umgebung beschwerten sich über die Beleuchtung der Baustelle in der Nacht. In Indiana forderten einige Bürger zudem klarere Regeln für Rechenzentren, insbesondere dazu, wie der zusätzliche Strombedarf gedeckt und wer die damit verbundenen Kosten tragen soll.
Metas Rechenzentrum in El Paso, Texas, wurde im Oktober 2025 auf den Weg gebracht. Das Gelände umfasst rund 1.000 Acres; auch hier ist eine Leistung von 1 GW geplant. Die ursprünglich auf 1,5 Milliarden US-Dollar veranschlagten Kosten stiegen später auf 10 Milliarden. Im Betrieb soll der Standort mehr als 300 Menschen direkt beschäftigen. Während der Bauphase werden rund 4.000 Arbeitskräfte erwartet. Die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen. Auch dieses Projekt stößt bei Anwohnern auf Widerstand.
Stargate-Projekte von OpenAI reichen über drei Bundesstaaten
Die von OpenAI und SoftBank angestoßene Stargate-Initiative für KI-Infrastruktur stellte zunächst Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar in den USA in Aussicht. Dazu gehört Project Freebird im Milam County in Texas, nahe Austin. Geplant sind 1,2 GW Leistung auf rund 595 Acres.
Entwickelt wird das Projekt von SB Energy, einem Infrastrukturunternehmen mit Unterstützung von SoftBank. Die erste Bauphase soll im Oktober abgeschlossen werden; weitere Arbeiten sind bis 2028 geplant. Für den ersten Abschnitt werden Kosten von rund 470 Millionen US-Dollar veranschlagt. Das Gesamtinvestitionsvolumen soll zwischen 1,8 und 3 Milliarden US-Dollar liegen.
Auch The Barn in Saline Township südwestlich von Ann Arbor in Michigan steht mit Stargate in Verbindung. Der Rechenzentrumsentwickler Related Digital errichtet den Campus für Oracle in Zusammenarbeit mit OpenAI. Vorgesehen sind drei Rechenzentren mit zusammen 1,4 GW Leistung. Das Projekt hat ein Volumen von rund 16 Milliarden US-Dollar und wird von Related Digital sowie der Investmentgesellschaft Blackstone unterstützt. Die ersten Anlagen sollen bis Ende 2027 den Betrieb aufnehmen.
Anwohner haben gegen mögliche Belastungen des Stromnetzes und eine zunehmende Verschmutzung protestiert. Wie schnell der Standort zusätzliche Rechenkapazität für KI bereitstellen kann, hängt auch von der Finanzierung, der Energieinfrastruktur und dem Zeitplan für die Inbetriebnahme ab.
Project Jupiter im Doña-Ana-County in New Mexico, nahe der Grenze zu Texas, wird von STACK Infrastructure und BorderPlex Digital Assets entwickelt. Das ebenfalls Stargate zugeordnete Vorhaben soll Infrastruktur für KI-Anwendungen von OpenAI bereitstellen, die Oracle vertraglich zugesichert hat. Der Bau begann im September 2025. Für die Stromversorgung des Standorts könnten Brennstoffzellen von Bloom Energy mit einer Leistung von bis zu 2,45 GW zum Einsatz kommen.
Im Mai gab Oracle Pläne für ein mit Erdgas betriebenes Kraftwerk für Project Jupiter auf. Zuvor war eine Energieversorgung mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren erwogen worden. Die Änderung macht deutlich, dass neben Gebäuden und Servern auch eine verlässliche und tragfähige lokale Stromversorgung darüber entscheidet, ob ein KI-Rechenzentrum umgesetzt werden kann.
Mehrere texanische Vorhaben sind auf über 1,2 GW ausgelegt
Das Stargate-Rechenzentrum außerhalb von Abilene in Texas wird von Crusoe entwickelt und gebaut. Geplant sind 1,2 GW Leistung. Die Bauarbeiten begannen im Juni 2024; der erste Abschnitt ist bereits in Betrieb. Der zweite Bauabschnitt befindet sich noch im Bau und wird von einem Gemeinschaftsunternehmen aus Crusoe, Blue Owl Capital und Primary Digital Infrastructure unterstützt. Die Erweiterung soll 15 Milliarden US-Dollar kosten und sechs zusätzliche Gebäude umfassen. Damit wächst der Campus auf insgesamt acht Gebäude auf einem Gelände von rund 875 Acres.
Den Stargate Frontier Campus im Shackelford County nahe Albany entwickelt Vantage Data Centers. Das rund 1.200 Acres große Gelände ist für 1,4 GW Leistung und rechenintensive KI-Anwendungen ausgelegt. Vantage plant Investitionen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar. Der vollständige Ausbau soll bis 2028 abgeschlossen sein; Baubeginn war Ende 2025.
Das CloudBurst San Marcos Data Center I erstreckt sich über 706 Acres und ist auf 1,2 GW ausgelegt. Guadalupe County bewilligte für das Projekt Steueranreize in Höhe von 500 Millionen US-Dollar. CloudBurst und sein Partner Evolve Holdings begannen im November 2025 mit dem Bau. Die erste Phase soll 50 Megawatt bereitstellen und bis Ende 2026 fertig sein. Der gesamte Standort soll 2029 abgeschlossen werden.
In San Marcos wandten sich Einwohner wegen des Wasser- und Energiebedarfs gegen das Rechenzentrum. Die Stadt untersagte später als erste in Texas den Bau neuer Rechenzentren. Da das Gelände von CloudBurst außerhalb der Stadtgrenzen liegt, gilt das Verbot jedoch nicht für das Projekt.
Googles Campus wirft Fragen zu Stromkosten auf
Google begann 2024 mit dem Bau eines Rechenzentrumscampus in Fort Wayne, Indiana. Das Projekt mit einem Volumen von 2 Milliarden US-Dollar soll vor allem KI- und Cloud-Dienste unterstützen. Bei vollständigem Ausbau könnte der Standort bis zu 1,2 GW Strom benötigen.
Vor Ort dreht sich die Debatte vor allem um zusätzliche Stromerzeugung und die Verteilung der Kosten. Falls für das Rechenzentrum neue lokale Energieanlagen erforderlich sind, bleibt offen, wie die Kosten für Netzausbau, Übertragungsleitungen und langfristige Stromlieferungen zwischen dem Unternehmen, den Versorgern und privaten Kunden aufgeteilt werden. Bei großen Rechenzentrumsprojekten beeinflussen die Stromkosten nicht nur den laufenden Betrieb, sondern auch die Bereitschaft der Kommunen, Steueranreize anzubieten.
Klage gegen Nebius-Projekt in Missouri
Der in Amsterdam ansässige Anbieter von KI-Cloud-Infrastruktur Nebius entwickelt in Independence im Bundesstaat Missouri ein Rechenzentrum auf einem rund 400 Acres großen Gelände. Geplant ist eine Leistung von bis zu 1,2 GW. Der Bau begann im Mai. Während der Bauphase sollen rund 1.200 Arbeitsplätze entstehen, dauerhaft sind 130 Stellen vorgesehen.
Nebius hat das Gesamtinvestitionsvolumen nicht offengelegt. Independence rechnet damit, ab 2028 entsprechende Steuereinnahmen zu erhalten. Zugleich haben Anwohner die Stadtverwaltung und an dem Projekt beteiligte Unternehmen verklagt. Die Klage umfasst 16 Vorwürfe, darunter Verstöße gegen den Missouri Sunshine Law. Die Kläger erklären, die Beteiligten hätten keinen endgültigen Entwicklungsplan für das Rechenzentrum vorgelegt. Nebius äußerte sich nicht dazu.
xAI erweitert Colossus 2 in Tennessee
Elon Musks Unternehmen xAI errichtet Colossus 2 in Memphis, Tennessee. Der Standort soll Rechenkapazität für den Chatbot Grok auf der sozialen Plattform X bereitstellen. Die Bauarbeiten begannen 2025; xAI plant einen Ausbau auf 1,5 GW. Die Forschungsgruppe Epoch AI schätzt die derzeitige Leistung des Projekts auf rund 946 Megawatt.
Im Mittelpunkt des Streits um die Stromversorgung stehen Gasturbinen. Umwelt- und Bürgerrechtsorganisationen, darunter die NAACP, verklagten xAI. Sie werfen dem Unternehmen vor, nahe Southaven im Bundesstaat Mississippi Gasturbinen für Colossus 2 ohne die erforderlichen Genehmigungen für Luftemissionen installiert und betrieben zu haben. Die Umweltbehörden von Mississippi genehmigten xAI im März den Bau und Betrieb einer neuen Gruppe von Gasturbinen.
Anwohner reichten zudem eine Sammelklage gegen xAI, MZX Tech und SpaceX ein. Sie machen geltend, Lärm und Vibrationen der Turbinen beeinträchtigten den Alltag und minderten den Wert umliegender Immobilien. Die Verfahren könnten Einfluss auf die Betriebsbedingungen des Projekts und seine Akzeptanz in der Nachbarschaft haben.
Von einzelnen Meta-Standorten bis zum bundesstaatenübergreifenden Stargate-Netzwerk wächst der Umfang der Investitionen in US-Rechenzentren für KI. Für die laufenden Projekte ist nicht allein entscheidend, ob die Gebäude termingerecht fertig werden. Ebenso wichtig ist, ob die geplante Leistung tatsächlich bereitgestellt werden kann, wie Kosten für Erzeugung und Netzausbau verteilt werden und wie Konflikte um Lärm, Wasserverbrauch, Emissionen und Flächennutzung gelöst werden.