Die US-Benzinpreise sind zuletzt gesunken, liegen aber weiter deutlich über dem Vorjahresniveau. Zugleich könnte die Zahl der Tage, an denen der nationale Durchschnittspreis in diesem Jahr über 4 Dollar je Gallone liegt, den bisherigen Rekord von 2022 erreichen. Am Montag, dem 12. Oktober, kostete reguläres Benzin im Schnitt 4,35 Dollar je Gallone – rund 4 Cent weniger als einen Monat zuvor, aber etwa 1,27 Dollar mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Patrick De Haan, Leiter der Erdölanalyse bei GasBuddy, erwartet, dass die kumulierte Zahl der Tage über 4 Dollar bereits am 14. Oktober dem Rekord von 2022 entspricht.
Benzin günstiger als im Mai, aber weiter teuer
Im Mai hatte der landesweite Durchschnittspreis die Marke von 4,50 Dollar je Gallone überschritten und ist seither zurückgegangen. Trotz dieses Rückgangs lagen die Benzinpreise nach Einschätzung von JPMorgan-Analysten im vergangenen Monat für diesen Zeitpunkt des Jahres weiterhin auf einem Rekordniveau im Vergleich zu früheren Jahren.
Preise von mehr als 4 Dollar je Gallone belasten weiterhin die Kosten für Fahrten und Reisen der Haushalte. An den Energiemärkten hat der Rückgang von den Höchstständen die Unsicherheit über das Angebot und die saisonale Nachfrage nicht beseitigt.
Diesel kostet 6,25 Dollar – Heizölnachfrage rückt näher
Diesel kostete am Montag im landesweiten Durchschnitt 6,25 Dollar je Gallone und damit rund 10 Cent weniger als einen Monat zuvor. Der Kraftstoff wird in der Landwirtschaft sowie im Lkw- und Lieferverkehr eingesetzt. Preisänderungen können sich daher auf die Kosten von Waren und Dienstleistungen auswirken. Raffinerien gewinnen Diesel und Heizöl aus denselben Rohöl-Einsatzstoffen. Veränderungen bei der Nachfrage nach beiden Produkten vor dem Winter könnten die Dieselpreise beeinflussen.
Auch die Terminmärkte verdeutlichen die Preiszuwächse bei Energierohstoffen in diesem Jahr. Daten von AlphaSense zufolge legten Benzin-Futures seit Jahresbeginn um mehr als 86 Prozent zu, Heizöl-Futures um mehr als 124 Prozent. Heizöl-Futures gelten häufig als Richtwert für die Entwicklung der Dieselpreise.
Spannungen und Raffinerieausfälle belasten die Versorgung
Ein tödlicher Angriff im Nahen Osten hat die Sorge vor einer Verschärfung der Spannungen in der Region verstärkt. Zugleich sind Fragen zu den Energie-Waffenstillstandsvereinbarungen zwischen Russland und der Ukraine aufgekommen. Am Montag stieg Brent auf 106 Dollar je Barrel, während West Texas Intermediate (WTI) auf 93 Dollar fiel. Die beiden Referenzsorten entwickelten sich damit in entgegengesetzte Richtungen.
An der US-Golfküste prüften Einsatzkräfte weiter die Schäden nach Hurrikan Isaias. Der Sturm zwang zwei große Raffinerien zur Schließung. Damit bleiben die Betriebsabläufe der Raffinerien ein wichtiger Faktor für die Kraftstoffversorgung. Benzin und Diesel haben sich zwar von ihren jüngsten Höchstständen entfernt. Die mögliche Rekordzahl an Tagen mit Benzinpreisen über 4 Dollar je Gallone und die starken Zuwächse bei Diesel- und Heizöl-Futures zeigen jedoch, dass die Energiekosten weiter unter Druck stehen.