Tesla will seinen Roadster der nächsten Generation am Donnerstag auf einem Gelände in Texas vorstellen – fast neun Jahre nach der Ankündigung des Elektro-Sportwagens und dem Start der Reservierungen. Im Mittelpunkt stehen der endgültige Preis, Produktionsziele und der Zeitplan für die Auslieferung. Nach mehreren Verzögerungen dürfte die Präsentation von potenziellen Käufern und Anlegern besonders aufmerksam verfolgt werden. Für Teslas kurzfristige Geschäftsentwicklung dürfte das voraussichtlich in begrenztem Umfang relevant sein, da es sich um ein hochpreisiges Modell mit kleinen Stückzahlen handelt.
Präsentation auf dem SpaceX-Testgelände
Die Veranstaltung soll am Donnerstag um 19:55 Uhr Ortszeit beginnen und voraussichtlich per Livestream übertragen werden. Veranstaltungsort ist das SpaceX-Testgelände in McGregor im US-Bundesstaat Texas, nahe Waco. Aus Unterlagen der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration geht hervor, dass Tesla für den Ort eine vorübergehende Flugbeschränkung eingerichtet hat. Eine für den 1. Oktober geplante Demonstration hatte das Unternehmen wegen des Wetters abgesagt.
Tesla hat die Reservierungen für den neuen Roadster zuletzt wieder geöffnet. Interessenten in den USA, Kanada und China können eine Anzahlung von 50.000 US-Dollar leisten. Bei der Veranstaltung dürfte das Management Einzelheiten zu Preis, Fahrzeug und Produktionszielen nennen. Diese Angaben sind bislang nicht veröffentlicht. Reservierungsinhaber warten damit weiterhin auf einen aktualisierten Zeitplan für die Auslieferung.
Roadster-Projekt läuft seit 2017
Chief Executive Elon Musk stellte das überarbeitete Roadster-Konzept erstmals im November 2017 vor. Im Juni des darauffolgenden Jahres sprach er über ein optionales SpaceX-Paket. Dieses solle rund zehn kleine Raketentriebwerke umfassen, die rund um das Fahrzeug positioniert würden. Musk zufolge könnten sie Beschleunigung und Bremsleistung verbessern und den Tesla möglicherweise sogar „fliegen lassen“. Es wird erwartet, dass das neue Modell SpaceX-Technologien wie Kaltgastriebwerke nutzt. Tesla hat die endgültige Ausstattung jedoch noch nicht bestätigt und bislang nicht erläutert, wie diese Funktionen konkret eingesetzt werden sollen.
Tesla nahm bereits 2017 Einlagen von 50.000 US-Dollar entgegen. Seitdem wurden mehrere angekündigte Auslieferungstermine verpasst. Musk erklärte im vergangenen Oktober, er hoffe, bis Ende 2025 eine Roadster-Demonstration veranstalten zu können. Dazu kam es nicht. Bei der Veranstaltung am Donnerstag geht es deshalb nicht nur um technische Daten, sondern auch darum, ob Tesla einen belastbareren Zeitplan für die Produktion vorlegen kann.
Der Roadster der ersten Generation wurde von einem Team unter Leitung von Martin Eberhard entwickelt, Teslas Gründungs-CEO. Das Fahrzeug basierte auf dem Chassis des Lotus Elise, kam 2008 zur Auslieferung, kostete rund 100.000 US-Dollar und wurde bis 2012 in begrenzter Stückzahl produziert. Auch das neue Modell dürfte sich an eine vergleichsweise kleine, zahlungskräftige Kundengruppe richten und nicht an Teslas breiten Massenmarkt.
Reservierungsinhaber warten weiter
Sam Altman, Mitgründer von OpenAI, hat öffentlich über seine Reservierung gesprochen. Er freue sich grundsätzlich auf das Fahrzeug und habe Verständnis dafür, dass sich Produkte verzögern können. Eine Wartezeit von siebeneinhalb Jahren sei jedoch lang. Später beantragte Altman eine Rückerstattung und erhielt sie. Altman und Musk sind in diesem Jahr außerdem an einem Rechtsstreit über die Governance und Eigentümerstruktur von OpenAI beteiligt. Dieser steht nicht im Zusammenhang mit dem Roadster-Projekt.
Andere Reservierungsinhaber haben ihre Einlagen behalten. Lawrence O’Connor, Gründer und CEO des in Austin ansässigen Unternehmens Other World Computing, erklärte, er habe im November 2017 einen Roadster der Founders Series reserviert und 250.000 US-Dollar gezahlt. Er bezeichnete die Zahlung als „zinsloses Darlehen“ an Tesla und will an der Veranstaltung am Donnerstag teilnehmen. Er sei gespannt auf ein Fahrzeug, an dem fast neun Jahre gearbeitet worden sei.
Die Bedeutung der Präsentation liegt damit vor allem darin, ob Tesla die jahrelange Ankündigung in konkrete Produkt- und Lieferinformationen übersetzen kann – weniger in einem kurzfristigen Umsatzbeitrag. Tesla will seine Ergebnisse für das dritte Quartal am Mittwoch nach Börsenschluss veröffentlichen, also vor der Roadster-Präsentation. Der Geschäftsbericht soll die jüngste operative Entwicklung abbilden; bei der Veranstaltung steht dagegen ein seit Jahren verzögertes Hochpreismodell im Mittelpunkt.