Ein Fake-Token ist ein Krypto-Asset, das ein echtes Projekt nachahmt, bekannte Namen missbraucht oder mit irreführenden Versprechen ausgegeben wird. Ein solcher Token kann einen Namen, ein Symbol, ein Logo, ein Handelspaar und scheinbare Kursbewegungen haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass er Rechte an einem echten Projekt repräsentiert. In manchen Fällen ist der Token so gestaltet, dass Käufer ihn nicht wieder verkaufen können, zu riskanten Wallet-Freigaben verleitet werden oder Teil einer betrügerischen Werbekampagne werden.
Fake-Token gehören im Kern zu den Betrugs- und Marktmissbrauchsrisiken im Kryptomarkt. Sie sind nicht dasselbe wie „neue Projekt-Token“: Ein neuer Token kann lediglich sehr riskant, illiquide oder schlecht dokumentiert sein. Bei Fake-Token liegen dagegen typischerweise Nachahmung, Irreführung, schädliche Smart Contracts oder falsche Werbung vor.
Wie Fake-Token funktionieren
Auf öffentlichen Blockchains kann in der Regel jede Person einen Token-Smart-Contract erstellen. Betrüger nutzen diese Offenheit, um Token zu erzeugen, die beliebten Projekten ähneln, und verbreiten sie über dezentrale Börsen, soziale Medien oder Airdrops.
Häufige Mechanismen sind:
| Mechanismus | Beschreibung | Risiko für Einsteiger |
|---|---|---|
Nachgeahmter Name und Logo | Verwendung eines identischen oder sehr ähnlichen Namens, Tickers oder Logos eines bekannten Projekts | Nutzer glauben fälschlicherweise, den offiziellen Token zu kaufen |
Falsche Contract-Adresse | Veröffentlichung einer falschen Contract-Adresse in Communitys oder auf Phishing-Websites | Kauf eines Tokens ohne echten Wert oder ohne handelbaren Markt |
Honeypot-Contract | Der Contract erlaubt Käufe, schränkt Verkäufe aber ein oder erhebt extrem hohe Verkaufsgebühren | Kapital kann blockiert sein; ein rechtzeitiger Ausstieg ist möglicherweise nicht möglich |
Bösartige Wallet-Freigaben | Nutzer werden aufgefordert, ihre Wallet zu verbinden und unbegrenzte Token-Freigaben zu erteilen | Zugehörige Vermögenswerte in der Wallet können abgezogen werden |
Scheinliquidität | Kurzfristige Liquidität wird bereitgestellt, um Handelsaktivität vorzutäuschen, und später entfernt | Der Preis kann schnell auf nahezu null fallen oder Handel kann unmöglich werden |
Typische Szenarien
Fake-Token treten besonders häufig in Situationen mit Informationsasymmetrie, emotionalem Handel und aktuellen Hype-Themen auf, zum Beispiel:
- Vor oder nach dem Start beliebter Projekte: Betrüger erstellen vorab gleichnamige Token und behaupten, es handele sich um einen „offiziellen Vorverkauf“ oder einen „frühen Handelszugang“.
- Airdrops oder Belohnungsaktionen: Eine Wallet erhält unbekannte Token und wird dazu aufgefordert, eine Website zu besuchen, um eine Belohnung einzulösen. Tatsächlich kann es sich um einen Phishing-Link handeln.
- Werbung in sozialen Medien: Konten veröffentlichen „Contract-Adressen“, „zeitlich begrenzte Chancen“ oder gefälschte Projektankündigungen, um schnelle Käufe auszulösen.
- Suchergebnisse auf dezentralen Börsen: Mehrere gleichnamige Token erscheinen gleichzeitig. Wer nur auf den Namen achtet und die Contract-Adresse nicht prüft, kann leicht den falschen Token kaufen.
- Gefälschter Support oder Direktnachrichten: Eine Person behauptet, beim Einlösen, Entsperren oder Tauschen von Token helfen zu können, und fordert die Verbindung der Wallet oder die Herausgabe der Seed Phrase.
Kurzes Beispiel
Angenommen, ein bekanntes Projekt kündigt an, möglicherweise in Zukunft einen Token auszugeben, veröffentlicht aber noch keine offizielle Contract-Adresse. Betrüger erstellen auf einer Blockchain einen gleichnamigen Token und posten in sozialen Netzwerken einen Link mit der Behauptung, der „offizielle Token“ sei bereits live. Ein unerfahrener Trader kauft nur aufgrund des identischen Namens. Später stellt sich heraus, dass es keine offizielle Bestätigung gibt, die Liquidität sehr gering ist oder der Token sogar nicht verkauft werden kann.
Das Beispiel zeigt: Im Kryptomarkt beweisen Name und Logo eines Tokens nicht dessen Echtheit. Contract-Adresse, offizielle Ankündigungen, Contract-Berechtigungen und Liquidität sollten geprüft werden.
Wie sich das Erkennungsrisiko verringern lässt
Die folgenden Maßnahmen können Verluste nicht sicher verhindern, senken aber die Wahrscheinlichkeit, versehentlich einen Fake-Token zu kaufen:
- Offizielle Kanäle prüfen: Bevorzugt die Website des Projekts, offizielle Ankündigungen, offizielle Social-Media-Konten oder die Dokumentation auf veröffentlichte Contract-Adressen prüfen.
- Nicht nur auf den Token-Namen achten: Gleichnamige Token können von jeder Person erstellt werden; auch Ticker können mehrfach vorkommen.
- Contract-Adresse kontrollieren: In einem Block-Explorer Erstellungszeitpunkt, Verteilung der Token-Halter, Transaktionshistorie und gegebenenfalls verifizierten Code prüfen.
- Ungewöhnliche Berechtigungen beachten: Wenn ein Contract Handel pausieren, Adressen sperren, beliebig neue Token prägen oder sehr hohe Gebühren setzen kann, ist das Risiko häufig höher.
- Wallet-Freigaben vorsichtig erteilen: Unbekannten Websites keine unbegrenzten Freigaben geben; bestehende Freigaben regelmäßig prüfen und nicht mehr benötigte Berechtigungen widerrufen.
- Liquidität und Handelsqualität beobachten: Sehr geringe Liquidität, starke Konzentration bei wenigen Adressen sowie plötzliche starke Kursanstiege oder -einbrüche können Warnsignale sein.
- Unbekannte Airdrop-Links meiden: Der Erhalt eines unbekannten Tokens bedeutet nicht automatisch einen Gewinn. Eine Interaktion damit kann Phishing oder bösartige Freigaben auslösen.
Wichtige Grenzen für Einsteiger
- „Nicht auf großen Plattformen gelistet“ bedeutet nicht automatisch Fake-Token: Es kann sich um ein neues Projekt oder einen kleinen Vermögenswert handeln, das Risiko kann dennoch hoch sein.
- „Der Preis steigt“ beweist keine Echtheit: Auch Fake-Token können durch wenige Trades einen steigenden Chart vortäuschen.
- „Jemand empfiehlt ihn“ ersetzt keine Prüfung: Communitys, KOLs, Direktnachrichten und Suchanzeigen können zur Verbreitung betrügerischer Links genutzt werden.
- „Der Contract ist Open Source“ bedeutet nicht automatisch sicher: Offen gelegter Code erleichtert Prüfungen, doch Nutzer sollten weiterhin Berechtigungen, Liquidität und offizielle Bestätigung beachten.
- On-Chain-Transaktionen sind in der Regel unumkehrbar: Nach dem Kauf eines Fake-Tokens, dem Signieren einer bösartigen Freigabe oder dem Transfer von Vermögenswerten kann eine Rückholung sehr schwierig sein.
Verwandte Begriffe
- Phishing: Betrugsversuch über gefälschte Websites, Links oder Nachrichten, um Wallet-Freigaben, private Schlüssel oder Seed Phrases zu erlangen.
- Honeypot-Betrug: Bösartiger Token-Contract, der Käufe ermöglicht, Verkäufe aber einschränkt.
- Pump and Dump: Künstliches Hochtreiben des Preises durch Werbung oder Hype, gefolgt von Verkäufen früher Halter.
- Contract-Adresse: Zentrales Identifikationsmerkmal eines On-Chain-Tokens; wichtiger als Name oder Logo.
- Wallet-Freigabe: Berechtigung, mit der ein Smart Contract bestimmte Token im Namen des Nutzers übertragen darf. Übermäßige Freigaben erhöhen das Vermögensrisiko.
Quellen
- https://www.investor.gov/introduction-investing/general-resources/news-alerts/alerts-bulletins/investor-alerts/investor-alert-crypto-asset-and-cyber-fraud
- https://consumer.ftc.gov/articles/what-know-about-cryptocurrency-and-scams
- https://www.finra.org/investors/insights/cryptocurrency-related-investment-scams
- https://support.uniswap.org/hc/en-us/articles/11306574799117-How-to-identify-token-scams
- https://info.etherscan.com/tokenapprovals/