Kurzdefinition
Feste Tagesrenditen bezeichnen Erträge, die bei einem Finanzprodukt, Investmentprogramm oder einer Ertragsvereinbarung angeblich oder vertraglich jeden Tag als fester Betrag oder fester Prozentsatz anfallen.
Der Begriff ist kein einheitlich standardisierter Name für ein bestimmtes Handelsprodukt und bedeutet nicht, dass der Ertrag risikofrei ist. Ob eine Zahlung tatsächlich geleistet werden kann, hängt unter anderem von den zugrunde liegenden Vermögenswerten, den Vertragsbedingungen, der Bonität der Gegenpartei, Gebühren, Liquiditätsregeln und der jeweils geltenden Regulierung ab. Bei volatilen Märkten wie Forex, Kryptoassets, CFDs oder Aktien sollten langfristige Zusagen täglich fester positiver Renditen besonders sorgfältig geprüft werden.
Funktionsweise
Feste Tagesrenditen werden meist auf zwei Arten angegeben:
| Ausdrucksweise | Bedeutung | Einfache Berechnung |
|---|---|---|
Fester Betrag | Jeden Tag wird ein fester Betrag gezahlt | Tagesertrag = fester Betrag |
Fester Prozentsatz | Jeden Tag wird ein bestimmter Prozentsatz des Kapitals berechnet | Tagesertrag = Kapital × Tagesrendite |
Wichtig ist außerdem, ob mit oder ohne Zinseszinseffekt gerechnet wird:
- Einfache Verzinsung: Tageserträge werden nicht automatisch wieder angelegt. Der Gesamtertrag beträgt näherungsweise: Kapital × Tagesrendite × Anzahl der Tage.
- Zinseszins: Tageserträge werden wieder angelegt, sodass am nächsten Tag auf einer höheren Kapitalbasis gerechnet wird. Je länger der Zeitraum, desto stärker unterscheiden sich die Ergebnisse.
- Kalendertage und Handelstage: Manche Vereinbarungen rechnen nach Kalendertagen, andere nur nach Handelstagen. Dies sollte im Vertrag eindeutig geregelt sein.
- Steuern und Gebühren: Ausgewiesene Renditen enthalten nicht zwingend Verwaltungsgebühren, Rücknahmegebühren, Spreads, Steuern oder On-Chain-Gebühren.
Häufige Anwendungsbereiche
Feste Tagesrenditen können in unterschiedlichen Zusammenhängen auftauchen. Die Risikobedeutung ist dabei nicht immer gleich:
| Bereich | Mögliche Bedeutung | Worauf Einsteiger achten sollten |
|---|---|---|
Bank- oder geldmarktnahe Produkte | Zinsen können täglich berechnet werden, werden aber häufig als Jahreszins ausgewiesen | Ob es sich um eine Einlage handelt, ob Einlagensicherung greift und ob der Zinssatz variabel ist |
Anleihen oder Kreditvereinbarungen | Feste Kupons können täglich abgegrenzt werden | Ausfallrisiko des Schuldners, Kursschwankungen der Anleihe, Liquidität vor Fälligkeit |
Strukturierte Produkte | Es kann bedingte Erträge oder Beobachtungstage geben | Ertragsbedingungen, Verlustschwellen, ob das Kapital geschützt ist |
Verwaltetes Trading, Copy-Trading oder quantitative Programme | Tagesrenditen können als Marketingaussage verwendet werden | Ob Handelsnachweise überprüfbar sind, ob Verlustfreiheit versprochen wird, ob Regulierung besteht |
Krypto-Staking oder Krypto-Ertragsprogramme | Es können feste tägliche Renditen beworben werden | Smart-Contract-Risiken, Plattformrisiko, Auszahlungsbeschränkungen, regulatorische Unsicherheit |
Einfaches Beispiel
Angenommen, ein Produkt weist eine „Tagesrendite von 0,05 %“ aus und es werden 10.000 € investiert:
- Einfache Berechnung: 10.000 × 0,05 % × 30 Tage = 150 €, vor Gebühren und Steuern.
- Bei täglichem Zinseszins: Der Ertrag nach 30 Tagen beträgt etwa 151,09 €, ebenfalls vor Gebühren und Steuern.
Dieses Beispiel zeigt nur die Berechnungsmethode. Es bedeutet nicht, dass ein bestimmtes Produkt diese Rendite tatsächlich erzielen kann.
Ein weiterer Blickwinkel zur Risikoeinschätzung: Wenn ein Programm „fest 1 % pro Tag“ verspricht, entspräche dies bei täglichem Zinseszins grob einer annualisierten Rendite von etwa 3.678 %. Eine derart hohe und zugleich stabile Rendite ist an normalen öffentlichen Märkten sehr ungewöhnlich. Daher sollten die tatsächliche Ertragsquelle, der Risikoträger, die Verwahrung der Kundengelder und der regulatorische Status genau geprüft werden.
Wichtige Prüffragen
Wenn feste Tagesrenditen beworben oder vereinbart werden, helfen folgende Fragen:
- Woher kommt der Ertrag? Handelt es sich um Zinsen, Kupons, Handelsgewinne, Plattformzuschüsse oder Zuflüsse neuer Gelder? Je unklarer die Erklärung, desto höher das Risiko.
- Wer trägt das Risiko? Wenn der Markt Verluste verursacht, tragen diese die Anleger, der Manager oder der Emittent?
- Ist die Rendite wirklich garantiert? „Zielrendite“, „historische Rendite“, „erwartete Rendite“ und „garantierte Rendite“ bedeuten Unterschiedliches. Auch eine Garantie ist nur so stark wie die Zahlungsfähigkeit des Garantiegebers.
- Ist das Kapital geschützt? Anlageprodukte unterscheiden sich in der Regel von geschützten Bankeinlagen. Ein Kapitalverlust kann möglich sein.
- Ist ein Ausstieg jederzeit möglich? Sperrfristen, Rücknahmebeschränkungen, Auszahlungsprüfungen und Vorfälligkeitsgebühren beeinflussen die tatsächliche Rendite.
- Sind Gebühren transparent? Verwaltungsgebühren, Performance Fees, Spreads, Slippage sowie Ein- und Auszahlungsgebühren können die Nettorendite verringern.
- Besteht Regulierung? Prüfen Sie Unternehmensnamen, Lizenznummer, Aufsichtsbehörde, Rechtsraum und zugelassene Geschäftstätigkeit. Verlassen Sie sich nicht nur auf Logos oder Angaben auf einer Website.
Häufige Warnsignale
Die folgenden Aussagen beweisen für sich genommen nicht zwingend Betrug, sollten aber zu erhöhter Vorsicht führen:
- Es wird versprochen, unabhängig von steigenden oder fallenden Märkten jeden Tag Gewinn zu erzielen.
- Die Tagesrendite liegt deutlich über üblichen risikoarmen Zinssätzen, ohne dass die Risikoquelle erklärt wird.
- Es werden Provisionen für das Anwerben neuer Teilnehmer verlangt oder belohnt, und Erträge stammen vor allem aus Empfehlungsprämien.
- Es gibt keine überprüfbaren Prüfberichte, Verwahrnachweise oder Handelsaufzeichnungen.
- Auszahlungen sind an intransparente Bedingungen geknüpft oder es müssen erst zusätzliche Gebühren gezahlt werden.
- Formulierungen wie „zeitlich begrenzte Plätze“ oder „interner Zugang“ setzen Anleger unter Druck, schnell Geld zu überweisen.
Verwandte Begriffe
- Annualisierte Rendite: Rechnet kurzfristige Erträge auf ein Jahr hoch, um Vergleiche zu erleichtern. Sie ist keine Prognose künftiger Erträge.
- APR: Nominaler Jahreszins, der in der Regel den Zinseszinseffekt nicht berücksichtigt.
- APY: Jahresrendite unter Berücksichtigung des Zinseszinseffekts.
- Zinseszins: Berechnungsmethode, bei der Erträge selbst wieder Erträge erzeugen.
- Fixed Income / festverzinsliche Anlagen: Bezeichnet häufig Anlageklassen wie Anleihen mit vereinbarten Zahlungsströmen. Dennoch bestehen Zins-, Kredit- und Liquiditätsrisiken.
- Drawdown: Verlustspanne einer Anlage vom Hochpunkt bis zum Tiefpunkt; sie dient zur Einschätzung des Risikos.
Quellen und weiterführende Informationen
- https://www.investor.gov/financial-tools-calculators/calculators/compound-interest-calculator
- https://www.investor.gov/protect-your-investments/fraud/types-fraud/ponzi-scheme
- https://www.finra.org/investors/insights/high-yield-investment-programs
- https://www.fca.org.uk/scamsmart
- https://www.cftc.gov/LearnAndProtect/AdvisoriesAndArticles/fraudadv_forex.html