Eine neue dezentrale Finanzplattform (DeFi), die von ehemaligen Wall-Street-Profis gegründet wurde, nimmt 77 traditionelle Finanzmärkte ins Visier. Das Projekt will Finanzinstrumente aus der klassischen Finanzwelt in ein Blockchain-basiertes Umfeld überführen. Damit setzt sich der Trend fort, dass Finanzfachleute in Märkte auf der Blockchain vordringen. Für die Einschätzung des Angebots fehlen bislang jedoch wichtige Angaben zu den handelbaren Vermögenswerten, den Produkten und dem regulatorischen Rahmen.
DeFi-Projekt nennt 77 traditionelle Märkte
Die bisher veröffentlichten Informationen deuten darauf hin, dass die Plattform nicht auf Kryptowährungen beschränkt ist. Als Zielbereich nennt das Projekt 77 traditionelle Finanzmärkte. Dazu zählen üblicherweise Aktien, Anleihen, Devisen, Rohstoffe und weitere Marktsegmente.
Welche Märkte konkret umfasst sein sollen, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Offen ist außerdem, ob die Plattform den Kassahandel, Derivate, Kreditgeschäfte oder andere DeFi-Dienstleistungen anbieten will.
Entwickelt wurde das Projekt von einem Team mit Erfahrung an der Wall Street. Es soll die Nachfrage nach klassischen Finanzprodukten mit Blockchain-Abwicklung, Smart Contracts und einem Handel ohne Verwahrung durch die Plattform verbinden. Für Marktteilnehmer hängt die praktische Umsetzung allerdings davon ab, wie traditionelle Vermögenswerte auf der Blockchain abgebildet werden, wie Preise zustande kommen und wie Kundengelder sowie Sicherheiten verwaltet werden.
Tokenisierte Vermögenswerte werfen offene Fragen auf
Eine DeFi-Plattform, die traditionelle Finanzmärkte abdecken will, müsste typischerweise Fragen zur Ausgabe der Vermögenswerte, zur Verwahrung, zum Clearing, zum Zugang unter Compliance-Vorgaben und zur Liquidität klären. Werden tokenisierte Abbildungen klassischer Vermögenswerte angeboten, müssen Nutzer zudem nachvollziehen können, welche Rechte mit den Token gegenüber den zugrunde liegenden Assets verbunden sind.
Sollten Hebelprodukte oder Derivate zum Angebot gehören, wären auch Anforderungen an die Margin, Liquidationsverfahren und das Gegenparteirisiko entscheidend für die Funktionsweise der Produkte und die Risiken für Nutzer.
Bislang ist der Name der Plattform öffentlich nicht bekannt. Ebenfalls offen sind das Startnetzwerk, die unterstützte Liste von Vermögenswerten, die Länder und Rechtsräume, in denen das Angebot betrieben werden soll, die regulatorischen Vereinbarungen sowie die anvisierte Kundengruppe. Angaben zu Nutzerzahlen, dem Total Value Locked oder Handelsdaten liegen ebenfalls nicht vor.
Damit ist die Zahl von 77 Märkten derzeit eher als erklärtes Abdeckungsziel denn als bestätigte Beschreibung des tatsächlich verfügbaren Handelsangebots einzuordnen. Welche Produkte konkret zugänglich sein werden und wie weit das Projekt umgesetzt ist, dürfte erst aus weiteren Angaben hervorgehen.
Wall-Street-Erfahrung lenkt den Blick auf On-Chain-Finanzmärkte
Die Beteiligung von Fachleuten aus dem Wall-Street-Umfeld zeigt, dass Know-how und Markterfahrung aus der traditionellen Finanzbranche weiter in den Blockchain-Sektor einfließen. Die Bedeutung eines Projekts dieser Art hängt jedoch nicht allein von der Zahl der genannten Vermögenswerte ab. Entscheidend ist auch, ob es die Preisfindung, die Abwicklung und den Marktzugang tatsächlich verbessern kann.
Traditionelle Märkte und Blockchain-Systeme müssen weiterhin regulatorische, operative und technische Schnittstellen miteinander verbinden. Die bloße Zahl der von einem Projekt genannten Märkte sagt daher weder etwas über die vorhandene Liquidität noch über die operative Leistungsfähigkeit der Plattform aus.
Nutzer und Handelshäuser werden insbesondere auf Angaben zur Herkunft der Vermögenswerte, zu den Handelsregeln, zur Verwahrung, zu Prüfungen der Smart Contracts und zum Umgang mit operativen sowie marktbezogenen Risiken achten müssen. Das Projekt hat eine Ausrichtung auf 77 traditionelle Finanzmärkte formuliert; konkrete Informationen zu den Produkten und den Bedingungen des Betriebs bleiben öffentlich jedoch begrenzt.