Bei Anthropic ist der Anteil von Berufseinsteigern an den Neueinstellungen in technischen Bereichen binnen weniger Monate deutlich gesunken. Anfang 2025 entfielen noch 27 Prozent der neu besetzten technischen Stellen auf Nachwuchskräfte, im Juni waren es 9 Prozent. Zugleich übernehmen KI-Agenten im Unternehmen zunehmend Aufgaben wie Programmieren, Fehlerbehebung, Vertragsbearbeitung und Vertriebsunterstützung.
Die internen Zahlen geben Einblick, wie der Einsatz von KI die Personalstruktur eines Unternehmens verändert. Anthropic, der Entwickler des Chatbots Claude, hat wiederholt vor möglichen Folgen der Technologie für den Arbeitsmarkt gewarnt. Vorstandschef Dario Amodei sagte, KI könne in den kommenden Jahren bis zur Hälfte aller Einstiegsjobs im Bürobereich ersetzen.
Nachwuchskräfte besonders in der Tech-Sparte betroffen
Eine Grafik im Bericht mit dem Titel „Employment Changes at Anthropic“ zeigt, dass der Anteil jüngerer Beschäftigter auch in der technischen Belegschaft zurückging: von 21 Prozent zu Jahresbeginn 2025 auf 14 Prozent im Juni. Bei öffentlich ausgeschriebenen technischen Stellen richteten sich im selben Zeitraum nur noch 6 Prozent an Berufseinsteiger. Ende des Vorjahres hatte ihr Anteil noch bei mehr als 20 Prozent gelegen.
Außerhalb der technischen Bereiche fielen die Veränderungen gemischter aus. Im Juni machten Berufseinsteiger 26 Prozent der Neueinstellungen aus, verglichen mit 31 Prozent im entsprechenden Zeitraum. Ihr Anteil an der gesamten nichttechnischen Belegschaft stieg dagegen von 23 auf 25 Prozent. Bei den öffentlich ausgeschriebenen Stellen ohne technischen Schwerpunkt sank der Anteil der Einstiegspositionen von 31 auf 13 Prozent.
Der Bericht führt die Veränderungen nicht auf eine einzelne Tätigkeit oder ein bestimmtes Projekt zurück. Er stellt jedoch einen klaren Zusammenhang mit der raschen Einführung interner KI-Werkzeuge her. Mit der stärkeren Integration von KI-Agenten in die Arbeitsabläufe könne Anthropic „mehr Code pro Beschäftigtem schreiben, mehr Verkäufe pro Vertriebsmitarbeiter abschließen und mehr Verträge bearbeiten“, heißt es darin.
KI-Agenten steigern die Aktivität je Beschäftigtem
Bis August kamen die interaktiven KI-Agenten laut Bericht auf rund sechs Stunden protokollierte Aktivität je Arbeitsstunde eines Beschäftigten. Die Kennzahl erfasst die aufsummierte Zeit, in der Agenten Aufgaben ausführen. Sie bedeutet nicht, dass das Unternehmen damit sechsmal so viel Arbeitsergebnis erzielt wie mit menschlicher Arbeitszeit.
Anthropic zufolge stieg auch die individuelle Leistung der Beschäftigten, während sie die neuen KI-Werkzeuge nutzten. Produktivitätszuwächse gab es sowohl bei Ingenieuren als auch bei nichttechnischen Teams; besonders ausgeprägt waren sie nach der Einführung von Programmieragenten. Gleichzeitig verlangsamte sich das relative Tempo der Neueinstellungen von Nachwuchskräften in der technischen Sparte, obwohl Anthropic insgesamt weiter wuchs.
Amodei warnt vor Folgen für Einstiegsjobs
Amodei gehört zu den prominenten Stimmen in der Debatte der Technologiebranche über KI und Beschäftigung. Er sagte zuvor, Anthropic trage als Entwickler der Technologie Verantwortung dafür, mögliche Auswirkungen offen zu benennen. Zudem warnte er, KI könne in den nächsten Jahren bis zur Hälfte der Einstiegsjobs im Bürobereich verdrängen.
Die Daten beziehen sich auf Einstellungen, Belegschaft und interne Produktivität bei Anthropic. Für sich genommen belegen sie keinen allgemeinen Beschäftigungstrend in der Technologiebranche. Innerhalb des Unternehmens zeigt sich der zunehmende KI-Einsatz jedoch sowohl bei der Nachfrage nach bestimmten Stellen als auch bei der Arbeitsmenge, die Beschäftigte erledigen. Am deutlichsten sind die Veränderungen bislang bei technischen Einstiegspositionen. Für Bewerber und Arbeitgeber bleiben daher die Zahl solcher Stellen, ihre Anforderungen und der Umgang mit KI-Werkzeugen zentrale Beobachtungspunkte.