Betterment ändert zum 1. Januar 2027 die Gebühren für seine Verwahrplattform für registrierte Anlageberater (Registered Investment Advisers, RIAs) und andere Beratungsgesellschaften. Das neue Preismodell beginnt bei 0,20 Prozent für Unternehmen mit einem verwahrten Vermögen von weniger als 10 Millionen US-Dollar. Damit will Betterment vor allem Berater ansprechen, die bereits mit mehreren Depotbanken arbeiten. CEO Sarah Levy erklärte, die gewachsene Größe des Unternehmens ermögliche niedrigere und einfacher strukturierte Preise.
Die neuen Sätze gelten für Betterment Advisor Solutions. Firmen mit mehr als 10 Millionen US-Dollar an verwahrtem Vermögen zahlen künftig 0,12 Prozent. Für Kunden mit mehr als 100 Millionen US-Dollar soll die Gebühr individuell vereinbart werden. Betterment hat bestehende Verwahrkunden über die Änderung informiert. Einige Verträge erlauben es den Kunden, zumindest einen Teil ihrer bisherigen Gebührenstruktur beizubehalten.
Neue Gebührenstaffel startet im Januar 2027
Betterment begründet die Anpassung mit dem Wachstum und der Profitabilität seines Geschäfts. Levy sagte, das Unternehmen arbeite inzwischen profitabel und habe dadurch mehr Spielraum bei der Preisgestaltung für Kunden sowie bei seinen Geschäftsvereinbarungen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Betterment die Gebühren für seinen automatisierten Anlageberatungsdienst für Privatkunden geändert.
Das in New York ansässige Unternehmen betreibt neben dem Verwahrgeschäft das 401(k)-Angebot Betterment at Work sowie einen automatisierten Vermögensverwaltungsdienst für Verbraucher. Betterment verwaltet mehr als 70 Milliarden US-Dollar und hat eine Million Privatkunden. Der 2014 gestartete Verwahrdienst für Berater wird von rund 600 RIAs genutzt. Wie hoch das über diesen Dienst verwahrte Vermögen ist, hat Betterment nicht veröffentlicht.
Die Plattform stellt Beratern Funktionen für Portfoliomanagement, Steueroptimierung, Kundenaufnahme, Handel, Abrechnung und Reporting bereit. Levy bezeichnete das Angebot als „Depotbank plus TAMP [Turnkey Asset Management Platform] und mehr“. Zusätzlich zur Plattformgebühr berechnet Betterment Gebühren für automatisierte Übertragungen von Kundenkonten. Laut Levy ist dies die einzige transaktionsabhängige Gebühr des Geschäftsbereichs.
RIAs setzen häufiger auf mehrere Depotbanken
Charles Schwab und Fidelity Investments dominieren den Verwahrmarkt für RIAs seit Langem. Betterment und andere jüngere Anbieter versuchen, mit technologischen Werkzeugen und vergleichsweise transparenten Preisen eine Rolle als zweite oder dritte Depotbank der Berater zu gewinnen.
Stephen Caruso, Director of Wealth Management Practice bei Cerulli Associates, sagte, dass Beratungsgesellschaften zunehmend mehrere Depotbanken einsetzen. Daten von Cerulli zufolge arbeiteten Ende 2024 mindestens 22 Prozent der RIAs mit drei oder mehr Depotbanken; weitere 28 Prozent nutzten mindestens zwei. Größere Unternehmen verlassen sich seltener auf nur eine Depotbank. Ob Betterment mit seinen Technologiefunktionen ausreichend neue Mandate gewinnen kann, sei jedoch offen, sagte Caruso. Der Wechsel zu einer anderen Depotbank oder die Ergänzung eines weiteren Anbieters erfordere Zeit und Ressourcen.
Betterment zufolge können Berater die Plattform parallel zu Schwab oder Fidelity für ausgewählte Kunden einsetzen. Nach der Übertragung der Vermögenswerte erhalten Kunden Zugriff auf integrierte Funktionen für Portfoliomanagement, Abrechnung und Kontoeröffnung. Die Beratungsgesellschaften können ihre Abläufe bei anderen Depotbanken bei Bedarf getrennt weiterführen.
Zusätzliche Einnahmen erzielt Betterment mit Cash-Management, Krediten, Zahlungen von Fondsgesellschaften und Zahlungen für den Orderfluss über seinen Handels- und Clearingpartner Apex Fintech Solutions.
Auch das Wettbewerbsumfeld verändert sich. Vanguard hat die Übernahme von Altruist vereinbart. Zudem arbeiten einige große Finanzinstitute mit Anthropic an Claude-Anwendungen für Finanzberater. Auf seiner Website stellt Betterment die jährliche prozentuale Rendite seines Produkts Cash Reserve von 3,50 Prozent einem nationalen Durchschnitt von 0,38 Prozent gegenüber. In den FAQ erklärt das Unternehmen, unabhängig kontrolliert zu sein. Altruist hat dagegen einer Übernahme zugestimmt.
KI soll die Kontoeröffnung beschleunigen
Parallel zur Gebührenänderung hat Betterment ein KI-gestütztes Tool zur Dokumentenanalyse entwickelt. Es soll die Eröffnung von Konten für Verwahrkunden beschleunigen. Außerdem führte das Unternehmen für einige RIA-Kunden einen Vermittlungsdienst ein, den Levy zufolge auf weitere Kunden ausgeweitet werden könnte. Betterment setze die gemeinsame Entwicklung mit Beratern fort und wolle in diesem und im kommenden Jahr weitere Automatisierungswerkzeuge einführen, darunter Anwendungen zur Verringerung manueller Dateneingaben.
Levy sagte, das Ziel bestehe darin, Beratern mehr Zeit für die Kundenbeziehung zu geben, nicht sie zu ersetzen. Zugleich räumte sie ein, dass große RIAs für bestimmte Anforderungen, etwa komplexe Derivate, weiterhin große Depotbanken benötigen könnten. Für Berater, die die Zahl ihrer technischen Schnittstellen reduzieren wollen, positioniert Betterment seine Verwahr- und Automatisierungsdienste als Alternative.
Mehr Werkzeuge können allerdings auch die Zahl der von Beratern zu betreuenden Systeme erhöhen. Kurzfristig könnten zusätzliche Anwendungen die Arbeitsabläufe sogar komplexer machen, sagte Levy. Ob die geänderten Gebühren und die erweiterten Automatisierungsfunktionen Betterment neue Verwahrvermögen bringen, hängt daher davon ab, wie RIAs Angebot, technische Integration und ihre bestehenden Beziehungen zu Depotbanken gegeneinander abwägen.