Peter Csathy schien eine sichere berufliche Zukunft vor sich zu haben: zunächst als Anwalt für die Unterhaltungsbranche, später als leitender Manager bei Universal Pictures. Doch als seine Karriere an Fahrt gewann und seine Familie die Geburt des ersten Kindes erwartete, gab er ein höheres Gehalt und eine wichtige neue Rolle bei Universal auf, um zu einem Start-up für digitale Grußkarten zu wechseln.
Zeitweise hielt Csathy diese Entscheidung für den schwersten Fehler seiner Laufbahn. Der Dotcom-Crash machte die geplante Börsennotierung des Unternehmens zunichte, während der finanzielle Rückhalt seiner Familie unter Druck geriet. Rückblickend sagt er jedoch, dass der Fehlschlag ihn zu einer unkonventionelleren und kreativeren Unternehmerkarriere geführt habe – mit mehr Unabhängigkeit, aber auch deutlich weniger Planbarkeit.
Der Abschied von Universal und der Schritt ins Internetgeschäft
Csathy begann seine Laufbahn als Anwalt für die Entertainmentbranche. Jahrelang hoffte er, in das Management eines großen Hollywood-Studios aufzusteigen. Nach mehreren Absagen gelang ihm der Wechsel zu Universal Pictures, wo er eine Position im höheren Management erreichte. Die Stelle bot eine gute Vergütung und einen vergleichsweise klaren Weg zu weiteren Beförderungen.
Einige Jahre später entschied er sich dennoch für den Aufbruch in die Internet-Start-up-Welle der späten 1990er-Jahre. Damals glaubte Csathy, bei einem Anbieter digitaler Grußkarten rasch erfolgreich sein und von einem späteren Börsengang profitieren zu können. Dann drehte der Markt. Der Technologiesektor geriet unter Druck, und das Start-up scheiterte ebenfalls.
Die Entscheidung fiel, während seine Frau Luisa mit dem ersten gemeinsamen Kind Hunter schwanger war. Das Paar hatte noch kein großes finanzielles Polster aufgebaut. Gleichzeitig verdiente Csathy in Hollywood bereits ein gutes Gehalt und konnte mit weiteren Gehaltserhöhungen und Beförderungen rechnen. Das Risiko wirkte umso größer, weil der damalige Chef von Universal ihm eine ranghöhere und prestigeträchtigere Position mit einem deutlichen Gehaltsplus angeboten hatte. Csathy ging trotzdem.
Nach dem Scheitern des Unternehmens musste Luisa mit der Unsicherheit über das Einkommen und die beruflichen Perspektiven der Familie umgehen. Später räumte Csathy ein, dass der Schritt gemessen am unmittelbaren Ergebnis impulsiv und teuer gewirkt habe.
Musicmatch gab der Karriere eine neue Richtung
Der Rückschlag beendete Csathys Karriere nicht. Nach seinem Abschied aus Hollywood zog er mit seiner Familie nach San Diego und wechselte zum Online-Musikunternehmen Musicmatch. Yahoo übernahm die Firma später für 160 Millionen US-Dollar.
Während der Jahre in San Diego bekamen Csathy und Luisa ihr zweites Kind Luca und ließen sich in Rancho Santa Fe nieder. Verglichen mit einem Verbleib in Los Angeles und einer klassischen Managementlaufbahn bei einem Studio war der neue Weg weniger stabil und schwerer vorhersehbar. Zugleich eröffnete er Csathy die Möglichkeit, an weiteren Start-ups mitzuwirken und größere Verantwortung an der Schnittstelle von Medien, Technologie und Unterhaltung zu übernehmen.
Rückblickend habe der Abschied von Universal nicht den schnellen Wohlstand gebracht, den er sich erhofft hatte, sagt Csathy. Er habe ihm aber berufliche Optionen eröffnet, die zuvor außerhalb seines Blickfelds gelegen hätten. Unternehmertum brachte ihm mehr Eigenständigkeit und Raum für Kreativität, zugleich aber höheren Druck und wiederkehrende finanzielle Unsicherheit.
Für Csathy liegt der entscheidende Punkt nicht darin, dass jedes Vorhaben erfolgreich war. Eine einzige Entscheidung habe vielmehr die Richtung des Lebens seiner Familie verändert. Der finanzielle Wert eines solchen Schritts lässt sich deshalb nicht allein an kurzfristigem Einkommen oder einem gelungenen Exit messen. Gegenüber stehen auch die Kosten von Einkommensausfällen, fehlender Planbarkeit und familiärer Belastung.
Luisas Projekt nahm einen anderen Verlauf
Csathys Frau Luisa versuchte später, eine Organisation zur Stärkung und Vernetzung junger Menschen aufzubauen. Sie wollte ihre persönlichen spirituellen Überzeugungen und ihre Erfahrung in Gemeinschaftsprojekten in ein Vorhaben mit sozialem Zweck überführen.
Die Arbeit vermittelte ihr ein klares Gefühl von Sinn und half ihr, neue Beziehungen aufzubauen. Letztlich nahm sie jedoch zu viel Zeit in Anspruch und erfüllte ihre Erwartungen nicht. Luisa zog sich aus dem Projekt zurück und begann anschließend, mit ihrer Familie in einem Sprinter-Van durch die Vereinigten Staaten zu reisen.
Für Luisa brachte der Versuch dennoch neue Kontakte und Erfahrungen. Zugleich verringerte er die Wahrscheinlichkeit, später darüber nachzudenken, was hätte geschehen können, wenn sie es nie versucht hätte. Ihre Erfahrung zeigt auch, dass ein gescheitertes Vorhaben nicht automatisch jede Investition von Zeit und Energie wertlos macht. Ein Projekt kann seine Umsatz- oder Karriereziele verfehlen und dennoch Kontakte, Fähigkeiten und eine andere Organisation des Familienlebens hervorbringen.
Die Kosten des Unternehmertums bleiben dabei real: Zeit, Kapital, Stabilität und die Energie, die eine Familie für ein Projekt aufbringen muss. Ein möglicher persönlicher oder beruflicher Gewinn hebt diese Belastungen nicht auf.
Auch die Kinder wählten unkonventionelle Berufe
Die beiden Kinder von Csathy und Luisa verfolgen inzwischen eigene Wege. Hunter, 26, arbeitet in kreativen Funktionen in der Unterhaltungsbranche. Luca, 24, ist Filmemacher. Beide haben keine klassische Laufbahn eingeschlagen, die von einem klar definierten Einstieg zu einem vorhersehbaren Ziel führt.
Csathy ist überzeugt, dass unkonventionelle Karrieren mit mehr Unsicherheit verbunden sein können, jungen Menschen aber auch Zugang zu einer größeren Bandbreite an Branchen und Lebenserfahrungen eröffnen. Solche Entscheidungen zu unterstützen bedeutet für ihn nicht, Einkommen, Rücklagen oder das Risiko einer Beschäftigungslosigkeit auszublenden. Es bedeutet vielmehr, berufliche Erträge nicht nur am kurzfristigen Gehalt zu messen.
In seinem Buch verweist Csathy auf die Idee der Autorin Gretchen Rubin, auch Freude am Scheitern zu finden. Dahinter steht der Gedanke, dass ein Leben ohne Misserfolge oder erheblichen Druck darauf hindeuten kann, dass die eigenen Ziele nicht ehrgeizig genug gesetzt wurden. Csathys Unternehmen für digitale Grußkarten scheiterte zwar. Die Erfahrung zwang ihn jedoch, seine Risikobereitschaft, seine beruflichen Ziele und den finanziellen Sicherheitsbedarf seiner Familie neu zu bewerten.
Der Beziehungspsychologe Eli Finkel beschreibt in diesem Zusammenhang das „Michelangelo-Phänomen“. Gemeint ist, dass Partner einander durch Unterstützung und Ermutigung dabei helfen können, ihrem eigenen Idealbild näherzukommen. Für Paare, die über eine Unternehmensgründung, einen Berufswechsel oder eine andere risikoreiche Entscheidung nachdenken, folgt daraus eine praktische Frage: Wie hoch sind die Kosten des Vorhabens, und wie kann die Familie die Folgen auffangen, falls es scheitert?
Aus Ambitionen einen tragfähigen Plan machen
Csathys Rat lautet nicht, dass jeder seinen Job kündigen und ein Unternehmen gründen sollte. Ambitionen müssten zunächst in Pläne übersetzt werden, die sich gemeinsam besprechen und überprüfen lassen.
Erstens sollten Partner offen über Ziele sprechen, die sie bisher nicht verfolgt haben, und sich anhören, was der jeweils andere wirklich möchte, bevor sie sofort über die Realisierbarkeit urteilen. Zweitens sollten sie den erforderlichen Einsatz an Zeit, Geld, Schlaf und gesichertem Einkommen benennen, statt diese Kosten erst nach der Entscheidung zu erkennen. Drittens empfiehlt Csathy, ein konkretes Budget und einen Zeitplan festzulegen, anstatt den Start auf unbestimmte Zeit zu verschieben, bis die Lebensumstände vermeintlich günstiger sind.
Auch sollten Familienmitglieder ihre Unterstützung ausdrücklich zeigen, damit Partner und Kinder wissen, dass ihre Entscheidungen ernst genommen werden. Gleichzeitig müsse der Wert eines Traums getrennt von seinem späteren Ergebnis betrachtet werden. Luisas Organisation entwickelte sich nicht wie geplant, und auch Csathys Unternehmen für digitale Grußkarten war nicht erfolgreich. Beide sammelten jedoch neue Erfahrungen, Beziehungen und Perspektiven für ihr weiteres Leben.
Der Abschied von Universal war für Csathy keine wiederholbare Erfolgsformel. Er führte zunächst zu einem Unternehmensausfall, unsicherem Einkommen und Druck für seine Familie, später aber auch zu Musicmatch und weiteren Aufgaben in Medien, Technologie und Unterhaltung. Die praktische finanzielle Frage, die aus dieser Erfahrung bleibt, lautet daher, wie eine Familie Risiken berechnet, eine ausreichende Reserve hält und mit einem Ergebnis umgeht, das vom ursprünglichen Plan abweicht.