Chewy steigerte den Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent auf 3,33 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Markterwartung von 3,32 Milliarden Dollar leicht. Der Anteil der Autoship-Bestellungen am Umsatz stieg auf 85 Prozent, auch die Zahl der aktiven Kunden legte zu. Gleichzeitig hielten sich preisbewusste Käufer bei Snacks und anderen nicht zwingend benötigten Produkten zurück. Der Onlinehändler hob seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 leicht an und engte die erwartete bereinigte EBITDA-Marge ein. Höhere Kraftstoffkosten und die Ausgabebereitschaft der Verbraucher bleiben wichtige Einflussfaktoren.
Chewy erhöht Umsatzprognose und präzisiert Margenziel
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet Chewy nun mit einem Umsatz von 13,46 bis 13,57 Milliarden US-Dollar. Zuvor hatte die Spanne bei 13,40 bis 13,55 Milliarden Dollar gelegen. Die neue Prognose entspricht einem Gesamtwachstum von 6,8 bis 7,7 Prozent und einem organischen Wachstum von 5,5 bis 6,3 Prozent. Einen Beitrag zur Anhebung leisteten nach Unternehmensangaben stärker als erwartete Umsätze der jüngsten Übernahmen SmartPak und Modern Animal.
Die Prognosespanne für die bereinigte EBITDA-Marge wurde von 6,6 bis 6,8 Prozent auf 6,7 bis 6,8 Prozent eingeengt. Zugleich belasten steigende Kraftstoffpreise die Kosten. Am Mittelpunkt der Margenspanne ergäbe sich für das Geschäftsjahr 2026 ein bereinigtes EBITDA von rund 914 Millionen Dollar.
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet der Markt einen Umsatz von 14,44 Milliarden Dollar, etwa 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Sollte die Marge um rund 50 Basispunkte auf 7,3 Prozent steigen, läge das bereinigte EBITDA bei ungefähr 1,05 Milliarden Dollar.
Bei einem Aktienkurs von knapp 19 Dollar kommt Chewy auf eine Marktkapitalisierung von etwa 7,62 Milliarden Dollar. Die jüngste Bilanz wies 612,2 Millionen Dollar an liquiden Mitteln und 591,7 Millionen Dollar Schulden aus. Daraus ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 7,7 Milliarden Dollar. Gemessen an den EBITDA-Schätzungen entspräche das etwa dem 8,4-Fachen für 2026 und dem 7,3-Fachen für 2027. Diese Bewertungskennzahlen hängen davon ab, ob Chewy seine Umsatz- und Margenziele erreicht.
Autoship-Umsatz und aktive Kundenzahl legen zu
Der Umsatz aus Autoship-Bestellungen stieg im zweiten Quartal um 9,3 Prozent auf 2,82 Milliarden Dollar. Damit entfielen 85 Prozent des Gesamtumsatzes auf das Abo- und Nachbestellangebot; ein Jahr zuvor waren es 83 Prozent. Der Nettoumsatz je aktivem Kunden erhöhte sich um 2 Prozent auf 602 Dollar. Chewy führte dies auf einen günstigeren Produktmix und höhere Preise zurück. Die Zahl der aktiven Kunden nahm netto um 800.000 beziehungsweise 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.
Die Entwicklung spricht für stabile Kundenbindung und wiederkehrende Käufe. Autoship ist ein wichtiges Instrument im Wettbewerb mit großen, breit aufgestellten E-Commerce-Plattformen. Chewy versucht zudem, die Ausgaben je Kunde mit Angeboten wie tierärztlichen Leistungen und Werbung auszuweiten. Das Wachstum verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig: Die Nachfrage nach Zusatzprodukten bleibt schwach, und manche Kunden greifen zunehmend zu günstigeren Basisartikeln.
Snacks bleiben zurück, Chewy gewinnt Marktanteile
Finanzchef Chris Deppe sagte in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen, der höhere Nettoumsatz je aktivem Kunden sei unter anderem auf eine reifere Kundenbasis, eine stärkere Nutzung von Gesundheits- und Apothekenangeboten sowie mehr Käufe über verschiedene Produktkategorien hinweg zurückzuführen. Gedämpft wurde der Zuwachs durch die schwächere Nachfrage nach Zusatz- und Premiumprodukten.
Der Absatz von Snacks verlangsamte sich im Quartal deutlicher als der von Grundnahrungsmitteln. Neben der geringeren Bereitschaft zu nicht notwendigen Ausgaben spielten dabei auch die allgemeine Konjunkturlage und der Kostendruck für Verbraucher eine Rolle. Deppe zufolge wurde das Kaufverhalten bei Verbrauchsartikeln sowohl von Produktwechseln hin zu höherwertigen Angeboten als auch davon beeinflusst, ob Kunden Zusatzprodukte in ihre Bestellungen aufnahmen.
Der Gesamtmarkt für Verbrauchsartikel blieb im Vorjahresvergleich etwa unverändert. Chewys relevante Kategorien wuchsen dagegen im mittleren einstelligen Prozentbereich. CEO Sumit Singh erklärte, Chewy wachse ungefähr zwei- bis dreimal so schnell wie die Heimtierbranche. Das deutet auf Marktanteilsgewinne trotz verhaltener Nachfrage im Sektor hin.
Bereinigtes EBITDA steigt um 24 Prozent, Bruttomarge unverändert
Die Bruttomarge lag wie im Vorjahresquartal bei 30,4 Prozent. Chewy bezifferte den einmaligen Vorteil aus Zollrückerstattungen und Einnahmen aus nicht eingelösten Geschenkkarten auf rund 10 Millionen Dollar. Das entspricht etwa 30 Basispunkten Marge. Ohne diese Effekte sank die Bruttomarge auf Produktebene teilweise aufgrund der höheren Kraftstoffkosten.
Das bereinigte EBITDA stieg um 24 Prozent auf 227 Millionen Dollar; die Marge erreichte 6,8 Prozent und lag damit 90 Basispunkte über dem Vorjahreswert. Bereinigt um den einmaligen Effekt betrug die Margenausweitung etwa 60 Basispunkte. Die Zahlen zeigen, dass operative Verbesserungen die bereinigte Profitabilität erhöhten, obwohl Waren- und Logistikkosten auf die Bruttomarge drückten.
Haushaltsbudgets und Kostenweitergabe bleiben offene Punkte
Eine zentrale Unsicherheit für Chewy ist, ob angespannte Haushaltsbudgets das Wachstum der Zahl tierhaltender Haushalte weiter bremsen. Die Entwicklung neuer Haushalte beeinflusst die Umsatzdynamik des Unternehmens seit der Pandemie. Bleibt sie schwach, könnte das eine Erholung der Nachfrage begrenzen.
Auch bei steigenden Rohstoff- und Kraftstoffkosten stellt sich die Frage, in welchem Umfang Chewy diese an Kunden weitergeben kann. Preiserhöhungen könnten die Zahlungsbereitschaft auf die Probe stellen. Das Wachstum bei Autoship, aktiven Kunden und Marktanteilen spricht im zweiten Quartal für eine robuste Nachfrage. Die Schwäche bei Zusatzprodukten und der Druck auf die Produktmargen bleiben jedoch in den Ergebnissen sichtbar.