Am 9. Oktober wurden 80 Bitcoin in einer einzigen Transaktion bewegt – zehn Tage nachdem die Coins auf eine neu gekaufte Ledger-Hardware-Wallet übertragen worden waren. Ledger forderte den südostasiatischen Händler CryptoBilis auf, den Verkauf vorläufig auszusetzen und untersucht den Vorfall. Ob das Gerät manipuliert wurde, ist bislang nicht bestätigt.
Der Fall rückt sowohl den Bezug und die Einrichtung von Hardware-Wallets als auch den Verlust eines umfangreichen Bitcoin-Bestands in den Fokus. Ledger hat noch keine Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Blockchain-Analysefirmen kommen zudem auf unterschiedliche Schätzungen zum Gesamtumfang der betroffenen Gelder.
80 BTC am 9. Oktober in einer Transaktion weitergeleitet
Der Blockchain-Tracker Lookonchain zufolge hatte der Trader die 80 Bitcoin rund vier Monate zuvor zu einem durchschnittlichen Preis von etwa 65.000 US-Dollar pro Coin gekauft. Die Gesamtkosten lagen demnach bei rund 5,2 Millionen US-Dollar. Öffentlich einsehbare Blockchain-Daten zeigen, dass die Coins am 29. September auf die Wallet eingingen und am 9. Oktober um 05:54 Uhr UTC in einer einzigen Transaktion weitergeleitet wurden.
Zum Zeitpunkt der Übertragung notierte Bitcoin über 83.000 US-Dollar. Auf dieser Basis bezifferte Lookonchain den nicht realisierten Gewinn des Bestands vor der Transaktion auf etwa 1,38 Millionen US-Dollar. Im selben Transaktionsbündel fanden sich mindestens sechs weitere größere Überweisungen an Adressen, die Analysten mit dem Vorfall in Verbindung bringen. Diese Zuordnung beruht bislang auf Blockchain-Analysen.
Ledger fordert CryptoBilis zum Verkaufsstopp auf
Wenige Stunden nach der Übertragung bat Ledger CryptoBilis, den Verkauf des Geräts einzustellen. Kunden, die kürzlich ein Gerät gekauft hatten, riet das Unternehmen, es vorerst nicht einzurichten. Ledger hat nicht mitgeteilt, ob Geräte während des Verkaufs oder der Lieferung verändert wurden. Auch das betroffene Modell und die Ergebnisse der Untersuchung sind bislang nicht bekannt.
Hardware-Wallets dienen üblicherweise dazu, Krypto-Assets offline aufzubewahren. Was den Vorfall ausgelöst hat, ist jedoch offen. Die bisher verfügbaren Informationen belegen nicht, ob die Übertragung mit der Wallet selbst, dem Vertriebskanal, der Ersteinrichtung oder einem anderen Faktor zusammenhing. Ledger will im Verlauf der Untersuchung über neue Erkenntnisse informieren.
Schätzungen zu den betroffenen Geldern liegen bei bis zu 90 Millionen Dollar
Das Blockchain-Analyseunternehmen Arkham schätzte die mit dem Vorfall verbundenen Verluste auf mehr als 80 Millionen US-Dollar, wies aber darauf hin, dass die Ursache nicht bestätigt sei. MistTrack, ein Tracking-Dienst des Sicherheitsunternehmens SlowMist, bezifferte die mögliche Gesamtsumme auf bis zu 90 Millionen US-Dollar.
MistTrack erklärte außerdem, Tether, der Herausgeber des Stablecoins USDT, habe USDT auf Adressen eingefroren, die mit dem mutmaßlichen Diebstahl in Verbindung gebracht werden. Tether kann Transfers der von dem Unternehmen ausgegebenen Token beschränken. Die Maßnahme betrifft USDT auf diesen Adressen; sie bedeutet nicht, dass die Bitcoin selbst eingefroren wurden.
Sicherheitsfragen bei Hardware-Wallets erneut im Fokus
Hersteller von Hardware-Wallets stehen nach mehreren Sicherheitsvorfällen in diesem Jahr erneut unter Beobachtung. Im August wurde über eine Schwachstelle in der Firmware von Coldcard berichtet, die es Angreifern ermöglicht haben soll, Bitcoin im Wert von rund 70 Millionen US-Dollar zu bewegen.
Ledgers Untersuchung läuft weiter. Zu klären ist unter anderem, ob das Gerät manipuliert wurde, ob es Probleme beim Verkauf oder bei der Lieferung durch den Händler gab und welcher Anteil der durch Blockchain-Analysen identifizierten Gelder tatsächlich mit dem Fall zusammenhängt.