MSCI ändert die Zulassungskriterien für seine Global Investable Market Indexes. Damit steigt das Risiko, dass Strategy seine Indexzugehörigkeit verliert. Die Änderungen greifen nach Börsenschluss am 30. November; die endgültige Liste der betroffenen Unternehmen soll am 11. November veröffentlicht werden. Neben möglichen Verkäufen indexgebundener Fonds steht die Frage im Raum, ob ein sinkender Aufschlag der Strategy-Aktie auf den Wert der Bitcoin-Bestände die Finanzierung weiterer Käufe über die Ausgabe neuer Stammaktien erschweren könnte.
MSCI prüft Geschäftstätigkeit statt Digitalvermögen-Quote
Die überarbeitete Methodik stellte MSCI am 15. Oktober vor. Zunächst wird geprüft, ob ein Unternehmen über substanzielle operative Vermögenswerte verfügt. Besteht es diese Prüfung nicht, muss es fünf Kennzahlentests bestehen. Wer mindestens vier davon verfehlt, wäre nicht zulässig. Bei Unternehmen, die bereits im Index vertreten sind, setzt ein Ausschluss voraus, dass sie die Zulassungskriterien in beiden jüngsten Geschäftsjahren verfehlt haben. MSCI kann außerdem die jüngsten Zwischenberichte berücksichtigen.
Das neue Verfahren ersetzt eine befristete Beschränkung für Unternehmen, deren Digitalvermögen mindestens 50 Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Im Januar hatte MSCI einen früheren Vorschlag aufgegeben, solche Unternehmen pauschal auszuschließen. Anschließend weitete der Indexanbieter seine Prüfung auf Firmen aus, deren Geschäft einer Investmentgesellschaft ähnelt. In einer MSCI-Simulation wurden Strategy, Metaplanet aus Japan und der Uran-Investor Yellow Cake als mögliche Ausschlusskandidaten genannt. SharpLink, dessen wichtigste Reserveposition Ether ist, erschien ebenfalls auf einer vorgeschlagenen Beobachtungsliste.
Strategy-Verwaltungsratschef Michael Saylor und weitere Führungskräfte des Unternehmens wenden sich dagegen, Firmen mit Bitcoin-Reserven anders zu behandeln. In einer Eingabe an MSCI im September argumentierte Strategy, ein Ausschluss würde die Neutralität von Indexanbietern beeinträchtigen. Es gebe zudem keine solide Grundlage dafür, operative Unternehmen auf diese Weise von Investmentgesellschaften abzugrenzen.
MSTR-Aktie unter Druck, Ausmaß möglicher Verkäufe umstritten
Eine von Marktkommentator Mark Harvey anhand täglicher Schlusskurse von Yahoo Finance erstellte Grafik zeigt, dass MSTR rund 68,7 Prozent unter dem Hoch der Handelsspanne liegt. Anfang 2026 war die Aktie zwischenzeitlich um mehr als 80 Prozent gefallen; der maximale Rückgang hatte 89,3 Prozent betragen. Harvey bezeichnete die niedrigere Bewertung als mögliche Kaufgelegenheit für Anleger, die langfristig optimistisch auf Strategys Bitcoin-Engagement blicken. Das ist seine Einschätzung und kein Konsens am Markt.
Wie stark eine Änderung der Indexzugehörigkeit Verkäufe auslösen könnte, wird unterschiedlich beurteilt. Der Bitcoin-Analyst Adrian Morris hält es für möglich, dass das hohe Handelsvolumen von MSTR indexbedingte Verkäufe im normalen Handel und bei planmäßigen Portfolioanpassungen auffängt. Die von ihm angeführten Daten beziffern den bisherigen Dollar-Handelsumsatz von Strategy in diesem Jahr auf rund 565,25 Milliarden US-Dollar. Das entspricht durchschnittlich etwa 2,91 Milliarden US-Dollar pro Tag und 13,79 Milliarden US-Dollar pro Woche. In der Woche bis zum 9. Oktober lag das Volumen bei 15,29 Milliarden US-Dollar.
Die von JPMorgan geschätzten möglichen Verkäufe von 2,8 Milliarden US-Dollar entsprächen damit etwa 96 Prozent eines durchschnittlichen Handelstags, 18,3 Prozent des Volumens der Vorwoche und 0,5 Prozent des bisherigen Jahresumsatzes. Morris zufolge muss eine Indexanpassung allein daher nicht zu einem gravierenden Liquiditätsproblem führen. Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch auch davon ab, wie viele Käufer während der Umschichtung auftreten und ob Anleger ihre Positionen bereits vor einem formellen Ausschluss verändern.
Strategy schätzte in seiner Eingabe an MSCI im September, dass Fonds mit Bezug zu MSCI-Indizes rund 13 Millionen MSTR-Aktien hielten. Das entsprach 3,1 Prozent der ausstehenden Stammaktien und etwa 60 Prozent des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumens der vorangegangenen 30 Handelstage. Die möglichen Anpassungen sollten deshalb im Verhältnis zum Handelsgeschehen und zu tatsächlichen Veränderungen der Bestände betrachtet werden – nicht allein anhand der genannten Verkaufssumme.
Niedrigere Bewertung könnte Bitcoin-Käufe erschweren
Nic Puckrin, CEO von Coin Bureau, verwies auf ein weiteres Risiko: Strategys Fähigkeit, Kapital für künftige Bitcoin-Käufe aufzunehmen. Sollte anhaltender Verkaufsdruck den Aufschlag der MSTR-Aktie gegenüber dem Nettovermögenswert der gehaltenen Bitcoins verringern, könnte die Ausgabe von Stammaktien zu günstigen Bedingungen schwieriger werden.
Strategy hat in der Vergangenheit Stammaktien ausgegeben, wenn der Aktienkurs über dem Nettovermögenswert seiner Bitcoin-Bestände lag, und den Erlös für weitere Käufe verwendet. Der Aufschlag senkte die relativen Kosten der Eigenkapitalaufnahme zur Finanzierung zusätzlicher Vermögenswerte und stützte die Akkumulationsstrategie des Unternehmens. Bleibt er längere Zeit geringer, könnte die Ausgabe von Stammaktien weniger attraktiv werden. Strategy müsste dann stärker auf Vorzugsaktien, Fremdkapital oder vorhandene Liquidität zurückgreifen.
Für die Woche bis zum 11. Oktober meldete das Unternehmen den Kauf von lediglich 250 Bitcoin für 21,5 Millionen US-Dollar. Finanziert wurde der Erwerb überwiegend mit 21 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf von Stammaktien. Im selben Zeitraum gab Strategy 192,4 Millionen US-Dollar für den Rückkauf von STRC-Vorzugsaktien aus – deutlich mehr als für Bitcoin-Käufe.
Nach diesen Transaktionen hielt Strategy 848.250 Bitcoin. Die kumulierten Anschaffungskosten beliefen sich auf rund 64 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich wies das Unternehmen eine Dollarreserve von 4,88 Milliarden US-Dollar sowie weitere 640,5 Millionen US-Dollar an Barmitteln für die allgemeine Treasury-Verwaltung aus. MSCI will die endgültigen Indexänderungen am 11. November bekannt geben. Sollte Strategy herausgenommen werden, würden indexgebundene Fonds die Anpassung zum Börsenschluss am 30. November umsetzen.