Die Fähigkeit von Anthropic, führende KI-Forscher zu gewinnen und langfristig zu binden, ist nach Einschätzung von Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, ein entscheidender Faktor für den technologischen Vorsprung und den langfristigen Wert des Unternehmens. Murphy führt dies vor allem auf das Fachwissen von CEO Dario Amodei, dessen Mission und seinen Fokus auf die Unternehmenskultur zurück.
Bei der Veranstaltung „Tech Insider: Growth Mode“ am Mittwoch in San Francisco sagte Murphy, Amodei trete nach außen möglicherweise weniger offensiv auf als OpenAI-Chef Sam Altman. Sein akademischer Hintergrund spreche jedoch viele Forscher an. Amodei sei „einer von ihnen – und einer der Besten“, sagte Murphy.
Amodeis Stil spricht Forscher an
Murphy zufolge spiegelt der Fortschritt von Anthropic in einem stark umkämpften KI-Markt Amodeis Bemühungen wider, eine eigenständige Unternehmenskultur aufzubauen und Forscher zu gewinnen, die diese Richtung teilen. Amodei nehme gelegentlich auch unangekündigt an Zoom-Meetings teil und bringe zusätzliche Energie in die Diskussionen, sagte Murphy.
Murphy erinnerte sich an einen Investoren-Call mit Anthropic-Mitgründer Tom Brown, zu dem Amodei unerwartet hinzukam. Er beschrieb den CEO als zugänglich und mit einem leicht unbeholfenen Charme, zugleich aber als ausgesprochen neugierig und geistig scharf. Diese Eigenschaften erleichterten es Amodei nach Murphys Einschätzung, mit Gründern und Forschern in Kontakt zu kommen.
Amodei arbeitete zunächst als Forscher bei OpenAI. 2020 verließ er das Unternehmen wegen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und gründete anschließend Anthropic mit. Das Start-up zählt inzwischen zu den am höchsten bewerteten KI-Unternehmen weltweit. Zuletzt wurde auch über eine mögliche künftige Börsennotierung bei einer Bewertung von 2 Billionen US-Dollar gesprochen. Dabei handelt es sich weiterhin um ein hypothetisches Szenario; konkrete Pläne für einen Börsengang oder eine solche Bewertung sind nicht bestätigt.
Menlo Ventures ist seit 2023 investiert
Menlo Ventures investierte erstmals 2023 in Anthropic, als das Unternehmen mit 4,1 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Die Venture-Capital-Gesellschaft beteiligte sich anschließend an jeder weiteren Finanzierungsrunde. Das anhaltende Engagement signalisiert eine langfristige Bindung, macht die Beteiligung aber zugleich von der Entwicklung der Bewertung und der Fähigkeit von Anthropic abhängig, weiteres Kapital aufzunehmen.
Murphy bleibt für das Unternehmen optimistisch, räumte jedoch mehrere Herausforderungen ein. Dazu zählen die hohe Bewertung, finanzielle Verluste, der Wettbewerb durch chinesische Open-Source-Modelle sowie die anhaltende Debatte über die Sicherheit von KI. Er sagte, er würde bei entsprechender Gelegenheit gern weitere Anthropic-Anteile kaufen. Das ist Murphys persönliche Einschätzung; die operativen und wettbewerblichen Herausforderungen des Unternehmens bestehen unabhängig davon fort.
Für Investoren geht es bei Anthropic daher um mehr als die Leistungsfähigkeit seiner Modelle. Das Unternehmen muss weiterhin Forschungstalente gewinnen, seine Technologie in kommerzielle Ergebnisse überführen und Kosten sowie Konkurrenzdruck bei einer hohen Bewertung kontrollieren. Murphy sieht Amodeis Anziehungskraft und die Unternehmenskultur als Teil der Investmentthese. Entscheidend bleiben jedoch die Geschäftsergebnisse von Anthropic und die Bedingungen am Markt.