Der September gilt an den Aktienmärkten traditionell als schwacher Monat. Zugleich haben höhere Zinsen einen Teil des Kapitals in festverzinsliche Anlagen wie Einlagenzertifikate und kurzfristige US-Staatsanleihen gelenkt. Das kann Anleger kurzfristig davon abhalten, ihre Aktienpositionen auszubauen. Wer stärkere Kursschwankungen akzeptiert, richtet den Blick dennoch auf Unternehmen mit langfristigem Wachstumspotenzial. Opendoor, NIO, Bloom Energy und Strategy werden als Aktien genannt, deren Wert sich über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren ungefähr vervierfachen könnte.
Die Wachstumstreiber der vier Unternehmen unterscheiden sich deutlich. Opendoor hängt von Zinsen und der Aktivität am US-Wohnimmobilienmarkt ab. NIO muss sich im intensiven Wettbewerb mit anderen Elektroautoherstellern behaupten und die Kosten seiner Expansion kontrollieren. Bloom Energy profitiert von der steigenden Stromnachfrage durch Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Bei Strategy wiederum sind Bewertung und Finanzierung eng mit den Bitcoin-Beständen des Unternehmens verknüpft.
Opendoor: Hypothekenzinsen geben den Takt vor
Opendoor gehört zu den größten Plattformen für den sofortigen Ankauf von Wohnimmobilien in den USA. Algorithmen auf Basis künstlicher Intelligenz erstellen Barangebote für Verkäufer. Anschließend kauft, renoviert und verkauft das Unternehmen die Häuser über seinen eigenen Marktplatz weiter. Dieses Geschäftsmodell kommt Phasen mit niedrigeren Finanzierungskosten und einem aktiven Immobilienmarkt entgegen. Steigen die Zinsen und gehen die Transaktionen zurück, geraten Lagerbestand, Finanzierung und Verkaufszyklen gleichzeitig unter Druck.
Die Aktie wird derzeit mit etwa dem 0,3-Fachen des für das kommende Jahr erwarteten Umsatzes bewertet. Damit liegt das Umsatzmultiple 93 % unter seinem historischen Höchststand. Die Bewertung spiegelt die Sorgen über ein erhöhtes Zinsniveau und einen schwachen Immobilienmarkt wider. Die jüngsten Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve deuten zudem darauf hin, dass der kurzfristige Druck anhalten könnte. Sollten die Zinsen sinken und die Aktivität am Immobilienmarkt wieder zunehmen, könnten sowohl die Umsatzbasis als auch die Bewertung von Opendoor Unterstützung erhalten. Selbst bei einer Vervierfachung des Aktienkurses würde das Unternehmen auf Basis des aktuellen Umsatzmultiples nicht zwangsläufig teuer wirken.
Der im Artikel genannte Kurs lag bei 2,57 US-Dollar. Das entsprach einem Tagesplus von 1,58 % beziehungsweise 0,04 US-Dollar.
NIO: Auslieferungen und Profitabilität müssen gemeinsam steigen
NIO ist ein bedeutender Hersteller von Elektrofahrzeugen in China und Europa. Das Unternehmen bietet mehrere batterieelektrische Limousinen und SUV-Modelle an. Die Fahrzeuge nutzen ein Wechselsystem für Batterien. Besitzer können die Batterie an speziellen Stationen austauschen, was die Wartezeit gegenüber dem herkömmlichen Laden potenziell verkürzt.
NIO lieferte im Jahr 2025 insgesamt 326.028 Fahrzeuge aus. Die Aktie wird mit etwa dem 0,4-Fachen des erwarteten Umsatzes für das kommende Jahr gehandelt und liegt 94 % unter ihrem historischen Höchststand. Belastet wurde der Kurs unter anderem durch die hohen Investitionen in das Netz der Batteriewechselstationen sowie durch die Kosten für die Entwicklung eigener Fahrzeugchips. Der intensive Wettbewerb im Elektroautomarkt begrenzt außerdem die Preissetzungsmacht und drückt auf die Margen.
Eine wichtige Entwicklung war, dass NIO im ersten Halbjahr 2026 erstmals einen bereinigten Gewinn meldete. Sollte sich diese Verbesserung als dauerhaft erweisen, könnte der Markt das Unternehmen eher wie Tesla bewerten. Tesla wird mit ungefähr dem Zwölffachen des für das kommende Jahr erwarteten Umsatzes gehandelt. Der Vergleich ist jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig, da sich Markenstärke, Größe, Marktposition und Ertragsqualität der beiden Unternehmen unterscheiden.
Der im Artikel genannte NIO-Kurs betrug 3,58 US-Dollar. Die Aktie lag damit 1,38 % beziehungsweise 0,05 US-Dollar im Minus.
Bloom Energy: Auftragsbestand von 20 Milliarden US-Dollar
Bloom Energy entwickelt Festoxid-Brennstoffzellen, die aus Erdgas, Biogas, Wasserstoff und Propan Strom erzeugen, ohne dass eine Verbrennung stattfindet. Die Systeme können potenziell innerhalb von weniger als zwei Monaten installiert werden. Der Anschluss an ein herkömmliches Stromnetz dauert dagegen häufig mehrere Jahre. Für Betreiber von Rechenzentren macht diese zeitliche Differenz dezentrale Stromversorgung zu einer interessanten Option.
Mit der zunehmenden Stromnachfrage durch Rechenzentren für Anwendungen der künstlichen Intelligenz erreichte der Auftragsbestand von Bloom Energy Ende 2025 ein Volumen von 20 Milliarden US-Dollar. Das entsprach etwa dem Zehnfachen des Jahresumsatzes von 2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Die Aktie ist in den vergangenen zwei Jahren um rund 2.700 % gestiegen und wird dennoch mit ungefähr dem Zwölffachen des diesjährigen Umsatzes bewertet.
Ob sich dieses Bewertungsniveau operativ halten lässt, hängt davon ab, wie schnell Bloom Energy den Auftragsbestand in Umsatz umwandelt. Entscheidend sind außerdem die Umsetzung der Projekte, die Kostenentwicklung und der Cashflow.
Der für Bloom Energy genannte Kurs lag bei 288,70 US-Dollar. Das war ein Tagesplus von 8,27 % beziehungsweise 22,05 US-Dollar.
Strategy: Bitcoin-Bestand übersteigt die Marktkapitalisierung
Strategy zählt mit 846.000 Bitcoin zu den größten börsennotierten Unternehmenshaltern der Kryptowährung weltweit. Auf Basis der im Artikel genannten Werte waren diese Vermögenswerte rund 70,6 Milliarden US-Dollar wert und damit mehr als die Marktkapitalisierung des Unternehmens von etwa 66,3 Milliarden US-Dollar. Trotzdem wurde die Strategy-Aktie weiterhin mit einem Abschlag auf den Nettoinventarwert der Bitcoin-Bestände gehandelt.
Im Mittelpunkt der Marktbeobachtung steht die Finanzierung der Käufe. Strategy nimmt Eigen- und Fremdkapital auf, um weitere Bitcoin zu erwerben. Zeitweise verkaufte das Unternehmen zudem einen Teil seiner Bitcoin-Bestände, um Dividenden auf Vorzugsaktien zu finanzieren. Die Rendite für Aktionäre hängt deshalb nicht nur vom Bitcoin-Kurs ab. Auch Finanzierungskosten, Veränderungen der Bilanz, mögliche Verwässerung und Zahlungsverpflichtungen in bar spielen eine Rolle.
Bitcoin war in den drei Monaten zuvor um knapp 40 % auf rund 83.000 US-Dollar gestiegen. Michael Saylor, Executive Chairman von Strategy, erklärte, Bitcoin könne bis 2046 einen Wert von 21 Millionen US-Dollar erreichen. Sollte diese Prognose letztlich eintreten, könnten die Aktien des Unternehmens über das kommende Jahrzehnt hohe Mehrfachrenditen erzielen. Bis dahin bleibt Strategy jedoch den Kursschwankungen von Bitcoin und möglichen Bewertungsänderungen im Zusammenhang mit der Finanzierungsstruktur ausgesetzt.
Der im Artikel genannte Strategy-Kurs betrug 158,61 US-Dollar. Die Aktie gab an diesem Tag 1,86 % beziehungsweise 3,00 US-Dollar nach.