Hartnäckige Kerninflation in den USA und eine Reihe hawkisher Äußerungen von Vertretern der Europäischen Zentralbank haben die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen von Federal Reserve und EZB in diesem Jahr verstärkt. Der Dezember gilt dabei als wahrscheinlicherer Termin, während die Sitzungen im Oktober Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs liefern könnten. Für den EUR/USD ist nicht allein entscheidend, ob eine der beiden Zentralbanken die Zinsen erneut anhebt. Maßgeblich ist vielmehr, welches Ausmaß zusätzlicher Straffung die Märkte jeweils einpreisen.
US-Kerninflation bleibt bei 2,6 Prozent fest
Die Daten für September zeigten, dass der Preisdruck nicht nur auf höhere Energiekosten zurückzuführen war. Die US-Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel stiegen stärker als erwartet. Die Jahresrate erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent. Zu Jahresbeginn hatte sie bei 2,5 Prozent gelegen; ein anhaltender Abwärtstrend ist bislang nicht erkennbar.
Auch der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator zeichnet ein ähnliches Bild. Die Kernrate der persönlichen Konsumausgaben (Core PCE) liegt bei rund 3 Prozent und damit nahe dem Niveau vom Jahresanfang sowie über dem entsprechenden Wert der Kernverbraucherpreise. Sollte die Kerninflation erhöht bleiben, könnten die Währungshüter zu dem Schluss kommen, dass die bisherigen Zinserhöhungen noch nicht ausreichen, um Preisstabilität wiederherzustellen.
Der US-Dollar legte nach den jüngsten Inflationsdaten zunächst zu und drückte den EUR/USD-Kurs auf knapp 1,11. Anschließend erholte sich das Währungspaar deutlich auf über 1,12, während der Dollar seine Gewinne rasch wieder abgab. Die schnelle Umkehr könnte darauf hindeuten, dass ein großer Teil der Erwartungen an weitere Zinserhöhungen bereits in den Kursen berücksichtigt war. Dass sich während des jüngsten Rückgangs des Währungspaars keine ausgeprägte technische Gegenbewegung zeigte, rückt zugleich die Möglichkeit einer kurzfristigen Erholung in den Blick der Händler.
Dezember gilt als wahrscheinlicher Fed-Termin
Die Inflation bleibt für die Fed zentral bei der Einschätzung, ob ihr Zinserhöhungszyklus beendet werden kann. Kevin Warsh betonte, geldpolitische Entscheidungen sollten das gesamte wirtschaftliche Umfeld berücksichtigen und nicht von einer einzelnen Datenveröffentlichung abhängen.
Angesichts der weiterhin hohen Kerninflation sind die Erwartungen an eine weitere Straffung gestiegen. Eine Zinserhöhung Ende Oktober, also vor den Kongresswahlen, gilt jedoch als weniger wahrscheinlich. Der Dezember wird als plausiblerer Termin für den nächsten Schritt der Fed angesehen. Bis dahin liegen den Notenbankern weitere Daten zur Inflation und zur konjunkturellen Entwicklung vor.
EZB-Vertreter halten weitere Erhöhung für möglich
Auch die geldpolitische Debatte innerhalb der EZB ist zuletzt restriktiver geworden. Klaas Knot, der frühere Präsident der niederländischen Zentralbank, erklärte, Veränderungen im wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld könnten dafür sprechen, den geldpolitischen Kurs moderat restriktiv zu halten.
Pierre Wunsch, Mitglied des EZB-Rats, sagte, eine weitere Zinserhöhung könne weiterhin erforderlich sein. Gediminas Simkus erklärte ebenfalls, die Argumente für eine restriktivere Geldpolitik hätten sich seit September verstärkt.
Simkus hob die Dezember-Sitzung als wichtigen Termin hervor, da die Währungshüter bis dahin über eine umfassendere Datengrundlage verfügen dürften. Zugleich verwies er auf die Bedeutung der Sitzung im Oktober. Die Äußerungen stützen die Erwartung einer weiteren EZB-Zinserhöhung in diesem Jahr, wobei auch hier der Dezember als wahrscheinlicherer Zeitpunkt gilt.
EUR/USD reagiert auf das Ausmaß der Straffung
Sollten sowohl die Fed als auch die EZB die Zinsen in diesem Jahr erneut anheben, dürften hawkishe Signale von Fed-Vertretern dem Dollar nicht automatisch und dauerhaft einen Vorteil verschaffen. Wahrscheinlicher ist, dass der Wechselkurs auf Veränderungen bei den Erwartungen an das jeweilige Ausmaß der Straffung reagiert. Die Währung der Zentralbank, von der die Märkte insgesamt den größeren zusätzlichen Zinsschritt erwarten, könnte dadurch relativ unterstützt werden.
Richten die Märkte ihre Erwartungen an beide Zentralbanken gleichzeitig restriktiver aus, könnte der Nettoeffekt der Zinserwartungen auf den EUR/USD begrenzt bleiben. Im Mittelpunkt stehen daher die Sitzungen im Oktober. Anschließend werden die Marktteilnehmer prüfen, ob die bis Dezember verfügbaren Daten die Erwartungen an den Zeitpunkt oder das Ausmaß des nächsten Zinsschritts von Fed oder EZB verändern.