Netflix muss sein Filmgeschäft ohne Dan Lin neu aufstellen. Der bisherige Filmchef hat das Unternehmen nach der angekündigten Streichung von rund 1.000 Stellen verlassen. Der Abgang fällt in eine Phase, in der der Streamingdienst Kosten senkt und seine Content-Strategie überprüft.
Netflix bestätigte Lins Weggang. Chief Content Officer Peter Rice übernimmt die Leitung der Filmsparte, bis eine dauerhafte Nachfolge gefunden ist. Rice ist ein erfahrener Hollywood-Manager und hatte zuvor führende Positionen bei Disney und Fox inne. Chief Content Officer wurde er, nachdem Bela Bajaria den Posten verlassen hatte.
Lin sollte die Filmkosten senken
Lin kam 2024 als Leiter des Filmgeschäfts zu Netflix. Sein Auftrag: die Produktion stärker auf Kostendisziplin auszurichten und zugleich die inhaltliche Bandbreite auszubauen. Sein Vorgänger Scott Stuber hatte zuvor umfangreiche Investitionen in Filme mit hohen Budgets vorangetrieben.
Während Lins Amtszeit senkte Netflix hohe Vorauszahlungen an Schauspieler, baute Personal ab und strukturierte das Filmteam um. Zu den Projekten seiner Sparte gehörten der Oscar-prämierte Film „KPop Demon Hunters“, die Fortsetzung „Happy Gilmore 2“ und „Frankenstein“.
Der Führungswechsel folgt auf einen der größten Stellenabbauten bei Netflix der vergangenen Jahre. In der vergangenen Woche strich das Unternehmen rund 1.000 Arbeitsplätze – etwa sechs Prozent der weltweiten Belegschaft. Es war der größte Abbau seit 2022. Damals hatte Netflix erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt einen Rückgang der Abonnentenzahl gemeldet. Das verstärkte die Diskussion über das Wachstumsmodell und die Effizienz der Ausgaben für Inhalte.
Nachlassendes Engagement belastet den Streamingdienst
Netflix steht vor mehreren operativen Herausforderungen. Das Wachstum beim Nutzerengagement hat sich verlangsamt, während die Aktie im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent verloren hat. Zugleich gewinnen kostenlose, werbefinanzierte Streamingangebote unter Führung von YouTube an Reichweite. Kurzvideos und soziale Plattformen konkurrieren ebenfalls um die Zeit der Zuschauer.
In den vergangenen Monaten hat Netflix außerdem Podcasts und Content Creators stärker in den Blick genommen, um sein Angebot zu erweitern. Dazu prüft das Unternehmen Formate wie Video-Podcasts als Ergänzung zu klassischen Film- und Fernsehproduktionen.
Die Ergebnisse für das dritte Quartal will Netflix am 20. Oktober nach Börsenschluss in den USA vorlegen. Anleger dürften dabei auf die Entwicklung der Abonnentenzahl und des Nutzerengagements sowie auf das Werbegeschäft und die Kontrolle der Content-Kosten achten. Nach Lins Abgang und dem Stellenabbau wird auch die Frage im Mittelpunkt stehen, wie das Management seine Content-Strategie mit höherer operativer Effizienz verbinden will.