Der Einstieg ins Berufsleben wird für junge Menschen in den USA anspruchsvoller: Arbeitgeber bemängeln bei Bewerbern häufig fehlende Kommunikationsfähigkeit, professionelles Auftreten und praktische Erfahrung. Die gemeinnützige Organisation Genesys Works setzt auf acht Wochen intensives Training, fortlaufendes Mentoring und bezahlte Unternehmenspraktika, um Schülerinnen und Schüler auf Büroarbeit vorzubereiten.
Unternehmen fehle es nicht zwangsläufig an geeigneten Bewerbern, sagte Genesys-Works-CEO Byron V. Garrett. Sie suchten vielmehr Beschäftigte, die nach dem Einstieg schnell produktiv werden können.
Training für Büroalltag und KI-Werkzeuge
Genesys Works eröffnet seit 2002 Jugendlichen aus einkommensschwachen Haushalten berufliche Chancen. Das strukturierte Training findet üblicherweise im Sommer vor dem letzten Schuljahr statt. Auf dem Lehrplan stehen Lebensläufe, LinkedIn-Profile, Probevorstellungsgespräche, Kommunikation, kritisches Denken, digitale Kompetenzen, Excel und Umgangsformen im Büro.
Auch kleine Verhaltensweisen, die den Arbeitsalltag beeinflussen, gehören dazu: Im Meeting sollen die Handys wegbleiben, berufliche E-Mails ohne Abkürzungen auskommen und Besprechungsunterlagen zügig geordnet und nachbereitet werden. Grundlegende Fähigkeiten wie logisches Denken, Urteilsvermögen und kritisches Denken gewännen an Bedeutung, sagte Garrett. Neben den technischen Kenntnissen für eine konkrete Stelle müssten Jugendliche lernen, pünktlich zu sein, Vorgesetzte über ihre Arbeit zu informieren und sich in eine Organisationsstruktur einzufügen.
Inzwischen ist auch künstliche Intelligenz Teil des Lehrplans. Da viele Schulen solche Werkzeuge noch nicht in den regulären Unterricht aufgenommen haben, vermittelt Genesys Works, wie sich KI-generierte Inhalte überprüfen lassen, wo die Grenzen der Systeme liegen und warum vertrauliche Unternehmensinformationen nicht eingegeben werden sollten. Die Jugendlichen üben außerdem den Umgang mit Bürosoftware und Prompt Engineering, um Aufgaben im Geschäftsumfeld effizienter zu erledigen – nicht nur, um ChatGPT für die persönliche Produktivität einzusetzen.
Praktika bringen bis zu 14.000 US-Dollar ein
Genesys Works ist inzwischen in neun US-Regionen tätig und hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als 14.000 Jugendliche unterstützt. Allein 2025 begleitete die Organisation 2.161 junge Menschen beim Berufseinstieg und arbeitete mit 205 Unternehmen aus 27 Branchen zusammen, darunter Gesundheitswesen, Technologie, Finanzwirtschaft und Bau.
Anders als viele unbezahlte Praktika sind die Stellen im Genesys-Works-Programm ausschließlich bezahlt. Während eines Praktikums im letzten Schuljahr können Jugendliche bis zu 14.000 US-Dollar verdienen. Das könne Familien finanziell entlasten und zugleich beeinflussen, wie die Jugendlichen ihre eigene Arbeit und ihre beruflichen Möglichkeiten einschätzen, sagte Garrett.
Auch die späteren Einkommen der Absolventen fallen auf: Ehemalige Teilnehmer, die das Programm mindestens sieben Jahre zuvor abgeschlossen haben, verdienen im Schnitt 67.000 US-Dollar jährlich. Zum Vergleich: Hochschulabsolventen derselben Altersgruppe kommen zum Berufseinstieg auf durchschnittlich 56.153 US-Dollar. Nach Schätzungen von Genesys Works verdienen 73 Prozent der befragten Alumni mehr im Jahr als mindestens ein Elternteil; weitere 20 Prozent besitzen bereits ein Eigenheim. Die Angaben beruhen jedoch auf programminternen Alumni-Daten und Schätzungen und bilden nicht die Einkommen aller Teilnehmer direkt ab.
Mehr Praktikumsplätze bei Mayo Clinic und im Bau
Für Bewerber der Generation Z wird der Wettbewerb schwieriger, da Unternehmen weniger Einstiegsstellen anbieten. Einige Partnerunternehmen achteten zudem stärker auf ihre Kosten, sagte Garrett. In Teilen des Gesundheitswesens und der Baubranche nehme die Nachfrage jedoch zu.
Der Mayo-Clinic-Standort in Jacksonville im US-Bundesstaat Florida will im nächsten Programmzyklus doppelt so viele Praktikanten aufnehmen wie im vorherigen. Auch die Erholung der Bauaktivität schafft zusätzliche Plätze. Die Jugendlichen übernehmen zwar keine Arbeiten auf Baustellen, für die Schutzhelme erforderlich sind. Möglich sind aber Aufgaben in der Verwaltung, im Einkauf und in der Qualitätssicherung.
Genesys Works beobachtet außerdem einen Mangel an Dateningenieuren und Fachkräften für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, während die Zahl der Rechenzentren in den USA wächst. Technologie bleibe langfristig einer der stärksten Bereiche des Programms, sagte Garrett. Arbeitgeber interessierten sich besonders für junge Beschäftigte, die sowohl technische Werkzeuge als auch betriebliche Abläufe verstehen. Einige Alumni arbeiten inzwischen etwa im IT-Helpdesk.
Für Unternehmen sind solche Programme nicht nur eine Möglichkeit, kurzfristig Praktikanten zu beschäftigen. Sie schaffen auch einen frühen Zugang zu Nachwuchskräften, die sie vor einer formellen Einstellung kennenlernen und fördern können. Ob aus dem Praktikum eine längerfristige Beschäftigung wird, hängt weiterhin von der Einstellungsbereitschaft der Unternehmen, der Nachfrage in der jeweiligen Branche und den Möglichkeiten einer Übernahme ab. Die bisherigen Programmdaten zeigen, dass bezahlte Praxiserfahrung und Mentoring für viele Jugendliche bereits den Weg in Gesundheitswesen, Technologie, Finanzwirtschaft und Bau mitprägen.