CoreWeave-Chef Mike Intrator bezeichnete die Reaktion des Marktes als „irrational“. Die Aktie des KI-Cloud-Anbieters und seine Anleihen gerieten gleichzeitig unter Druck. Intrator bekräftigte sein Vertrauen in das Geschäftsmodell und verwies auf den Auftragsbestand als Grundlage für die Rückzahlung der Schulden. Der Kursverfall der Anleihen schürt jedoch Zweifel daran, ob das schnelle Wachstum mit den hohen Investitionen und dem Schuldendienst vereinbar ist.
Am Mittwoch verlor die CoreWeave-Aktie zeitweise 17 Prozent und fiel auf 64,41 Dollar. Es war der stärkste Intraday-Rückgang seit Februar. Zum Handelsschluss am Dienstag lag das Papier seit Jahresbeginn noch 8,7 Prozent im Plus. Der abrupte Rücksetzer verdeutlicht, wie sensibel Anleger inzwischen auf Bewertung, Finanzierungskosten und die Umsetzung von Wachstumsplänen bei KI-Infrastrukturunternehmen reagieren.
Intrator sieht im Auftragsbestand eine Grundlage für den Schuldendienst
In einer Mitteilung an die Beschäftigten erklärte Intrator, bestehende Verträge und der vertraglich gesicherte Auftragsbestand seien umfangreich genug, um die Schulden des Unternehmens zu bedienen. Er bekräftigte sein Vertrauen in CoreWeaves Geschäftsmodell. Offen bleiben jedoch die Fragen, die Anleger derzeit beschäftigen: Wie schnell kann das Unternehmen Aufträge erfüllen, wie hoch fallen die Investitionen in Rechenzentren aus und kann CoreWeave diese Verpflichtungen mit dem Schuldendienst in Einklang bringen?
CoreWeave baut seine Cloud-Infrastruktur aus, um die Nachfrage nach Rechenleistung für KI zu bedienen. Rechenzentren und der Ausbau von Hochleistungsrechnerkapazitäten werden dabei über Fremdfinanzierung mitgetragen. Die wachsenden Ausgaben von KI-Unternehmen und anderen Kunden für Rechenleistung stützen die Umsatzbasis. Gleichzeitig erfordern der Bau von Rechenzentren und die Beschaffung von Chips fortlaufend hohe Investitionen. Die Finanzierungskonditionen wirken sich damit unmittelbar auf Cashflow und Profitabilität aus.
Anleihen rutschen in den Distressed-Bereich
Die Anleihen von CoreWeave hatten bereits vor dem Kursrückgang der Aktie deutlich nachgegeben. Kurse auf diesem Niveau werden am Markt häufig mit erhöhtem finanziellen Druck eines Emittenten verbunden. Der Rückgang geht damit über eine Neubewertung der Aktie hinaus. Für Anleihegläubiger steht neben den künftigen Umsätzen vor allem im Mittelpunkt, ob das Unternehmen Zins- und Tilgungszahlungen leisten und fällige Verbindlichkeiten refinanzieren kann.
CoreWeave muss die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung mit einem hohen Investitionsbedarf verbinden. Werden Kundenverträge planmäßig erfüllt, kann der Auftragsbestand eine vergleichsweise verlässliche Umsatzquelle sein. Vertraglich zugesicherte Aufträge sind jedoch nicht gleichbedeutend mit bereits erzieltem Cashflow. Liefertermine, die Abhängigkeit von einzelnen Kunden und die Kosten der Projekte beeinflussen weiterhin die Geschäftszahlen.
Rückgang bei Aktie und Anleihen rückt Finanzierung in den Fokus
Die Aktie hatte zuvor von der Begeisterung für KI-Infrastruktur profitiert und lag am Dienstag zum Handelsschluss noch im Jahresplus. Der Rückgang am Mittwoch zeigt, dass Anleger die Finanzierungsrisiken wachstumsstarker Cloud-Anbieter neu bewerten. Aktionäre richten den Blick vor allem auf das künftige Wachstum; Anleihegläubiger prüfen direkter, ob Zinsen und Tilgung fristgerecht gezahlt werden können. Druck auf beide Anlageklassen spiegelt die Sorge wider, dass die Expansionspläne von CoreWeave den finanziellen Spielraum angesichts der Schuldenlast einengen könnten.
Intrator führte den Ausverkauf auf ein „irrationales“ Marktverhalten zurück und verteidigte das Geschäftsmodell. Zum Stand vom 14. Oktober notierte die Aktie bei 64,41 Dollar, während die Anleihen in einem Bereich gehandelt wurden, der typischerweise mit Distressed-Bedingungen verbunden ist. Entscheidend bleibt, ob CoreWeave seinen Auftragsbestand in ausreichenden Cashflow umwandeln kann, um den Schuldendienst zu tragen.