Kraken-Mutter Payward übernimmt die finnische Saldo Finance Oy und damit die Kontrolle über die in Litauen ansässige Saldo Bank. Das Institut verfügte Ende 2025 über Vermögenswerte von 162,9 Millionen Euro. Für Payward bedeutet der Schritt eine bestehende, lizenzierte Basis für Einlagen, Kredite und Zahlungsdienste in Europa – und könnte die Abhängigkeit von externen Bankpartnern verringern. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben. Der Abschluss ist für 2027 geplant und steht unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung.
Payward teilte am 14. Oktober mit, eine verbindliche Übernahmevereinbarung unterzeichnet zu haben. Mit dem Kauf würde das Unternehmen sein Geschäft über den Kryptohandel hinaus auf regulierte Bankdienstleistungen ausweiten. Welche Angebote nach dem Abschluss möglich sind, hängt jedoch weiterhin von der regulatorischen Prüfung und dem Umfang der Saldo-Bank-Lizenz ab.
Saldo Bank steigerte Vermögen 2025 auf 162,9 Millionen Euro
Die Saldo Bank ist in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland tätig und darf ihre Aktivitäten auf die Niederlande ausweiten. Sie bietet Privatkunden in drei Ländern Festgeld und Konsumentenkredite an. Hinzu kommen Unternehmenskredite in Litauen und Finnland. Das Kreditkartengeschäft läuft bereits in Finnland; der Markteintritt in Schweden ist für 2027 geplant. Über eingebettete Kreditangebote stellt die Bank außerdem Fintech-Unternehmen ihre Infrastruktur zur Verfügung, damit diese eigene Kreditprodukte anbieten können.
Geprüfte Finanzzahlen für 2025 weisen zum Jahresende Vermögenswerte von 162,9 Millionen Euro aus, nach 133,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Anstieg von rund 22 Prozent. Das Netto-Kreditportfolio wuchs von 95,4 Millionen auf 113,5 Millionen Euro. Die Einlagen von Privatkunden legten um 24 Prozent auf 136,9 Millionen Euro zu.
Unterm Strich erzielte die Bank 2025 einen Nettogewinn von rund 962.000 Euro. Im Vorjahr hatte sie noch einen Verlust von 2,4 Millionen Euro verbucht. Das Betriebsergebnis vor Wertminderungen lag bei 10,4 Millionen Euro; ein Großteil davon wurde durch Wertberichtigungen auf Kredite aufgezehrt. Für Payward bedeutet die Übernahme den Zugang zu einem bestehenden Einlagen- und Kreditgeschäft, statt eine Bank von Grund auf aufzubauen. Im Vergleich zu den großen europäischen Instituten bleibt Saldo allerdings klein.
Payward will das bestehende Geschäft um verzinste Einlagen, Privat- und Unternehmenskredite, die Ausgabe von Karten und SEPA-Zahlungen für europäische Kunden erweitern. Denkbar ist auch ein Ausbau von Banking-as-a-Service-Angeboten, bei denen andere Fintechs regulierte Finanzinfrastruktur nutzen. Payward-Co-CEO Arjun Sethi nannte eine engere finanzielle Beziehung zu den Kunden als einen strategischen Beweggrund. „Wir glauben, dass derjenige, der diese Beziehung besitzt, die Möglichkeit hat, alles anzubieten, was damit verbunden ist“, sagte er.
Payward baut Zahlungsverkehr und Finanzinfrastruktur aus
Die Übernahme der Saldo Bank folgt auf Paywards breitere Expansion in traditionelle Finanzdienstleistungen. Im März erhielt Kraken Financial, die in Wyoming zugelassene Payward-Tochter, ein eingeschränktes Masterkonto bei der US-Notenbank Federal Reserve. Damit erhielt sie direkten Zugang zur US-Zahlungsinfrastruktur. Payward verfügt außerdem über eine E-Geld-Institutslizenz der irischen Zentralbank und gibt an, über seine Bankgeschäfte Kredite von insgesamt mehr als zwei Milliarden US-Dollar vergeben zu haben.
Im Juli übernahm Payward das auf Stablecoins spezialisierte Unternehmen Reap, das Kartenausgabe und Infrastruktur für grenzüberschreitende Transaktionen anbietet. Wird die Saldo-Transaktion abgeschlossen, ergänzt Payward sein Angebot in Europa um regulierte Einlagen und Kredite. Damit entsteht eine breitere Basis, um Bankdienstleistungen, Kryptohandel und Zahlungen miteinander zu verbinden. Nach Unternehmensangaben soll die Finanzinfrastruktur europäischen Kunden ermöglichen, Vermögenswerte über eine Plattform zu halten, zu übertragen und zu nutzen.
Genehmigung und Lizenzumfang setzen den Rahmen
Die Transaktion benötigt die Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Bei der Prüfung dürften unter anderem Paywards Finanzlage, Unternehmensführung und Compliance-Strukturen eine Rolle spielen. Nach einem Abschluss wäre Payward zudem für die Bilanz der Bank verantwortlich – einschließlich Kreditrisiken, Einlagenverbindlichkeiten und Kapitalanforderungen.
Litauische Spezialbanken dürfen Einlagen annehmen, Kredite vergeben und Zahlungsdienste anbieten, unterliegen aber Einschränkungen bei bestimmten Anlagegeschäften. Die Kontrolle über Saldo Bank würde Payward daher nicht automatisch erlauben, sämtliche Krypto- oder Anlageprodukte über die Bank anzubieten. Maßgeblich bleiben der Umfang der Lizenz und die geltenden regulatorischen Vorgaben.
Zum Jahresende 2025 wies Saldo Bank ein Eigenkapital von 16,3 Millionen Euro aus. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag bei 14,9 Prozent, die Gesamtkapitalquote bei 19,8 Prozent. Diese Kennzahlen werden relevant sein, wenn Payward das Kreditgeschäft und weitere Bankdienstleistungen ausbauen will. Zunächst muss jedoch die Übernahme behördlich genehmigt werden.