Die Dell-Aktie gab am Mittwoch um 11,59 Prozent auf 506,14 Dollar nach. Auslöser war eine Abstufung durch Barclays, die Zweifel daran verstärkte, ob das Wachstum bei KI-Infrastruktur die Bewertung des Unternehmens rechtfertigt. CEO Michael Dell betonte dagegen, die Nachfrage übersteige weiterhin das Angebot; die Verbreitung bei Unternehmenskunden stehe noch am Anfang.
Die Aktie hatte 2026 mehr als 300 Prozent zugelegt. Treiber waren vor allem steigende Bestellungen für KI-Server und ein wachsender Auftragsbestand bei Geschäftskunden. Der Kursrückgang deutet darauf hin, dass Anleger neu bewerten, wie viel weiteres Wachstum bereits eingepreist ist.
Barclays senkt Rating und Kursziel
Analyst Tim Long von Barclays stufte Dell von „Overweight“ auf „Equal Weight“ herab. Zugleich reduzierte er sein Kursziel von 603 auf 574 Dollar. Die Bewertung sei bereits hoch, während sich bei den IT-Ausgaben von Unternehmen noch keine klare Beschleunigung durch die Einführung von KI abzeichne.
Im Mittelpunkt steht damit nicht allein die Frage, ob es Nachfrage nach KI-Infrastruktur gibt. Entscheidend ist auch, ob sich die Bestellungen in dauerhaftes Wachstum übersetzen lassen, das den Aktienkurs und die Bewertung stützt. Nach der kräftigen Rally bei KI-Servern und dem höheren Auftragsbestand sind auch die Erwartungen an das künftige Wachstum gestiegen.
Michael Dell erwartet Engpässe bis 2030
Im Gespräch mit CNBC sagte Michael Dell am Mittwoch, die Nachfrage nach KI-Infrastruktur dürfte bis 2030 über dem Angebot bleiben. Langfristige Prognosen seien zwar unsicher, die lange Zeit für den Ausbau von Halbleiterkapazitäten sei jedoch ein wesentlicher Faktor.
Der Bau einer neuen Chipfabrik dauere typischerweise rund vier Jahre, sagte Dell. KI-Modelle und ihre Fähigkeiten entwickelten sich deutlich schneller. Komplexere Modelle benötigen neuere Halbleitergenerationen, mehr Speicher und zusätzliche Rechenleistung. Das treibt die Kosten der Systeme und hält die Investitionen in Rechenzentren und weitere Infrastruktur hoch.
Unternehmenskunden als zusätzliche Nachfragequelle
Die ersten Ausgaben für KI-Infrastruktur seien vor allem von führenden KI-Laboren und großen Technologieunternehmen gekommen, sagte Michael Dell. Mit dem Einzug der Technologie in die Wirtschaft rechnet er damit, dass weitere Unternehmen KI einsetzen und so zusätzliche Nachfrage schaffen.
KI beginne bereits, wirtschaftliche Aktivitäten zu beeinflussen, die Einführung in Unternehmen stehe aber noch am Anfang. Wenn Firmen KI-Werkzeuge in mehr Arbeitsabläufe integrieren, könnten sie zusätzliche Rechenkapazitäten benötigen. Wie schnell diese Ausgaben steigen, ist offen. Sie könnten hinter den früheren Erwartungen an die KI-Lieferkette zurückbleiben – ein Punkt, der sich auch in der Abstufung durch Barclays widerspiegelt.
Dell und Nvidia übernehmen unterschiedliche Aufgaben
Michael Dell grenzte die Rolle seines Unternehmens in der KI-Branche von der des Nvidia-Konzerns (NASDAQ: NVDA) ab. Nvidia und CEO Jensen Huang entwickeln Technologien für fortgeschrittene KI-Systeme. Dell liefert Server und weitere Infrastruktur, mit der Kunden diese Systeme einsetzen und betreiben.
Diese Aufgabenteilung prägt auch Dells Umgang mit der Sicherheit von KI. Das Unternehmen kontrolliere nicht, wie Kunden bestimmte Modelle nutzten, sagte Michael Dell; der Schwerpunkt liege auf der Bereitstellung der zugrunde liegenden Computersysteme. Mit der Weiterentwicklung der Technologie würden Regierungen und Unternehmen Regeln für den KI-Einsatz benötigen und zugleich mögliche Risiken berücksichtigen.
Der Kursrückgang am Mittwoch spiegelt eine Neubewertung von Dells Rating, Bewertung und den Aussichten für die IT-Ausgaben von Unternehmen wider. An der Einschätzung des Managements, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur das Angebot übersteigt, änderte sich dadurch nichts. Im Blick stehen nun die Serverbestellungen, das Tempo der Einführung in Unternehmen und die Frage, ob der Ausbau des Angebots mit dem Bedarf an KI-Rechenleistung Schritt halten kann.