Erwartung für Zinserhöhung im September nimmt ab
Nach den restriktiven Kommentaren von Fed-Direktor Kevin Warsh auf dem Symposium in Jackson Hole stieg die Sorge vor einer Zinserhöhung im September kurzfristig an. Die Federal Funds Futures der CME Group beziffern die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung inzwischen jedoch nur noch auf 58 %, deutlich unter dem zuvor erwarteten Wert von über 90 %. Das deutet darauf hin, dass eine Zinserhöhung weiterhin möglich ist, aber nicht als ausgemachte Sache gilt.
Warsh betont anhaltenden Inflationsdruck
Warsh machte deutlich, dass der Verbraucherpreisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) in den USA mit 3,7 % weiterhin deutlich über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt. Etwa die Hälfte der Waren und Dienstleistungen hätten im vergangenen Jahr Preiserhöhungen von mehr als 3 % erfahren, verglichen mit etwa einem Drittel in den zwei Jahrzehnten vor der Pandemie. Diese Aussagen verdeutlichen die weiterhin bestehenden Inflationsrisiken, was sich in einem Anstieg des US-Dollar-Index und der Renditen von Staatsanleihen widerspiegelt, während Gold und Bitcoin an Wert verloren.
Zinserhöhung primär zur Festigung der Fed-Glaubwürdigkeit
Mehrere Analysten sehen eine mögliche Zinserhöhung im September weniger als tatsächliche Straffung denn als Signal zur Stabilisierung der Fed-Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation. Robin Brooks, Senior Fellow am Brookings Institution und ehemaliger Chefvolkswirt beim Institute of International Finance, erläuterte, dass die erwartete Zinserhöhung die langfristigen 10-jährigen US-Staatsanleiherenditen verankern soll. Dies soll einen erneuten Ausverkauf wie Ende Juli verhindern und so vergleichsweise lockere Finanzbedingungen erhalten.
Vorsicht bei Anlegern spiegelt sich in Asset-Preisen wider
Mit abnehmenden Erwartungen für eine kräftige Straffung sank der Bitcoin-Preis von über 80.000 US-Dollar auf rund 77.000 US-Dollar, nachdem er mehrere Tage gestiegen war. Auch Gold verzeichnete leichte Verluste, da das Interesse der Anleger an Fed-Entscheidungen nachließ. Vermögensverwalter wie ABN AMRO Investment Solutions und Brandywine Global Investment Management äußerten sich zurückhaltend gegenüber einem starken Zinsschritt im September.
Insgesamt zeigt der Markt trotz Warshs restriktiver Einlassungen Zurückhaltung bezüglich Umfang und Tempo möglicher Fed-Maßnahmen. Dies deutet darauf hin, dass die Liquiditätsbedingungen in naher Zukunft vergleichsweise günstig bleiben könnten. Diese Entwicklung unterstützt weiterhin Anlagen, die häufig als Absicherung gegen Inflation und Unsicherheit gelten, wie Gold und Bitcoin.