ETFs mit monatlicher Ausschüttung können Anlegern häufiger liquide Mittel bereitstellen. Eine hohe Ausschüttungsrendite bedeutet jedoch nicht automatisch eine höhere Gesamtrendite. Entscheidend sind auch die enthaltenen Wertpapiere, die Kosten und die Kursschwankungen. Die sechs hier betrachteten Fonds investieren in globale und US-Dividendenaktien, Vorzugsaktien, Finanzunternehmen sowie kurzfristige Unternehmensanleihen und unterscheiden sich teils deutlich bei Rendite und Anlageschwerpunkt. Die genannten Kennzahlen stammen aus unterschiedlichen, im Ausgangsmaterial angegebenen Zeitpunkten und sind nicht als aktuelle Börsenkurse zu verstehen.
Sechs ETFs: Ausschüttung und Kosten im Vergleich
Global X SuperDividend ETF (SDIV) bildet globale Aktien mit hohen Dividenden ab und hält rund 100 Titel. Seit dem Start im Juni 2011 schüttet der Fonds monatlich aus. Das Nettovermögen lag bei etwa 765 Millionen US-Dollar. Die ausgewiesene 30-Tage-SEC-Rendite betrug 5,2 Prozent, die Ausschüttungsrendite der vergangenen zwölf Monate 5,88 Prozent. Die Gesamtkostenquote lag bei 0,58 Prozent. Das Portfolio ist vor allem auf Finanz- und Immobilienunternehmen in den USA und Brasilien konzentriert. Zu den enthaltenen Titeln zählen Yuexiu Property, CPFL Energia und Omega Healthcare. Der zugrunde liegende Index wird vierteljährlich überprüft. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, ob Unternehmen ihre Dividenden gekürzt haben und wie ihre künftige Ausschüttungspolitik eingeschätzt wird. Das Material nannte für Mitte September 2022 einen Nettoinventarwert von etwas mehr als 21,67 US-Dollar. Der Kurs hatte im August 2014 bei 26,19 US-Dollar gelegen und war im März 2020 auf 8,08 US-Dollar gefallen. Diese Angaben sind historische Werte und keine Echtzeitkurse.
Global X SuperDividend U.S. ETF (DIV) konzentriert sich auf 50 US-Aktien mit hohen Dividenden. Der Fonds wurde im März 2013 aufgelegt und verfügte über ein Nettovermögen von mehr als 723 Millionen US-Dollar. Schwerpunkte liegen bei Finanzwerten, Versorgern, Basiskonsumgütern und Energieunternehmen. Größere Positionen waren unter anderem Sabine Royalty Trust, Iron Mountain und Consolidated Edison. Die ausgewiesene 30-Tage-SEC-Rendite lag bei 7,22 Prozent, die Rendite der vergangenen zwölf Monate bei 7 Prozent. Die jährliche Kostenquote betrug 0,45 Prozent. Der Kurs erreichte im November 2014 ein Niveau von 29,94 US-Dollar und fiel im März 2020 auf 10,58 US-Dollar. Für Mitte Mai 2023 wurde ein Kurs von etwa 16,50 US-Dollar genannt. Das verdeutlicht, dass die historischen Kurs- und Renditeangaben auf unterschiedlichen Beobachtungszeitpunkten beruhen.
Invesco Preferred ETF (PGX) bildet den ICE BofAML Core Plus Fixed Rate Preferred Securities Index ab, setzt bei der Portfoliozusammensetzung jedoch auf eine Stichprobenmethode. Fonds und Index werden monatlich neu ausgerichtet. PGX hielt knapp 300 Wertpapiere, mit einem Schwerpunkt auf Finanzunternehmen wie Citigroup und Wells Fargo. Der Handel begann im Januar 2008. Das Fondsvermögen lag bei rund 4,58 Milliarden US-Dollar. Die 30-Tage-SEC-Rendite betrug 6,16 Prozent, die Ausschüttungsrate der vergangenen zwölf Monate 6,05 Prozent. Die jährliche Kostenquote lag bei 0,51 Prozent. Das Material nannte für Mitte Mai 2023 einen Kurs von 11,15 US-Dollar sowie ein historisches Tief von 6,14 US-Dollar im Februar 2009.
Invesco KBW High Dividend Yield Financial ETF (KBWD) investiert mindestens 90 Prozent seines Gesamtvermögens in Wertpapiere börsennotierter Finanzunternehmen. Der Fonds bildet den KBW Nasdaq Financial Sector Dividend Yield Index ab, dessen Bestandteile und Gewichtungen vierteljährlich angepasst werden. Das Portfolio umfasste rund 40 Wertpapiere, darunter Chimera Investment, Orchid Island Capital und ARMOUR Residential REIT. Die ausgewiesene 30-Tage-SEC-Rendite lag bei 11,69 Prozent, die Ausschüttungsrate der vergangenen zwölf Monate bei 11,40 Prozent. Das Nettovermögen betrug rund 427 Millionen US-Dollar. Mit 2,59 Prozent lag die jährliche Kostenquote deutlich über den entsprechenden Werten der anderen hier aufgeführten Fonds. Der Kurs erreichte im Mai 2013 26,66 US-Dollar, fiel im April 2020 auf etwa 9 US-Dollar und lag Mitte Mai 2023 bei 14,32 US-Dollar. Die höhere Ausschüttungsrate muss daher zusammen mit der starken Konzentration auf einen Sektor und den höheren Kosten betrachtet werden.
iShares Preferred and Income Securities ETF (PFF) wird von BlackRock verwaltet und seit 2007 gehandelt. Das Nettovermögen lag bei etwa 12,5 Milliarden US-Dollar. Der Fonds bildet den ICE Exchange-Listed Preferred & Hybrid Securities Index ab und bietet Zugang zu rund 500 US-Vorzugsaktien. Die 30-Tage-SEC-Rendite betrug 6,46 Prozent, die Rendite der vergangenen zwölf Monate 5,9 Prozent. Die jährliche Kostenquote lag bei 0,45 Prozent. Das Portfolio umfasst Industrie- und Finanzunternehmen, darunter Broadcom, Wells Fargo, NextEra Energy und Bank of America. Als historische Werte wurden ein Tief von 14,30 US-Dollar im März 2009 und ein Kurs von 28,89 US-Dollar Mitte Mai 2023 genannt. Da der Fonds in Vorzugs- und hybride Wertpapiere investiert, sollten bei der Bewertung der Ausschüttungen auch die Eigenschaften dieser Anlagen und die Entwicklung ihrer Marktpreise berücksichtigt werden.
Schwab 1-5 Year Corporate Bond ETF (SCHJ) soll möglichst genau die Gesamtrendite des kurzfristigen US-Unternehmensanleihemarktes abbilden. Der Fonds ermöglicht den Zugang zu Unternehmensanleihen, ohne dass Anleger einzelne Anleihen kaufen müssen. Für SCHJ enthielt das Material keine Angaben zu Rendite, Fondsvolumen oder Kosten. Eine direkte Gegenüberstellung seiner Ausschüttung mit den ersten fünf Fonds ist daher nicht möglich.
Monatliche Ausschüttungen bedeuten keine stabilen Erträge
Monatliche Ausschüttungen geben Anlegern häufiger Zugriff auf liquide Mittel und können die Budgetplanung oder eine Wiederanlage erleichtern. Die Zahlungen erfolgen damit häufiger als die bei einzelnen Aktien üblichen vierteljährlichen Dividenden. Die Ausschüttungsbeträge sind jedoch nicht zwingend konstant. Zudem bewegt sich der Nettoinventarwert mit den Kursen der enthaltenen Wertpapiere. Wer Ausschüttungen als regelmäßige Einnahmequelle bewertet, sollte zwischen SEC-Rendite, nachlaufender Rendite und dem tatsächlich ausgezahlten Betrag unterscheiden. Ebenso wichtig ist der Zeitpunkt, zu dem die jeweilige Kennzahl berechnet wurde.
Die Streuung über mehrere Wertpapiere oder Länder und Branchen kann die Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen verringern, beseitigt das Marktrisiko aber nicht. Fonds mit Schwerpunkt auf Finanzwerten oder Vorzugsaktien können weiterhin von der Entwicklung ihrer jeweiligen Sektoren und der Kurse einzelner Wertpapiere beeinflusst werden. Monatliche Barausschüttungen sind zudem nicht automatisch mit einem Zinseszinseffekt gleichzusetzen. Das Ergebnis einer Wiederanlage hängt vom Ausschüttungsbetrag, vom Fondskurs zum Kaufzeitpunkt und von den anfallenden Kosten ab.
Welche Kennzahlen beim Fondsvergleich zählen
Fondsvolumen und Handelsvolumen geben Hinweise auf die Größe und Marktaktivität eines ETFs. Keine der beiden Kennzahlen zeigt jedoch allein, wie belastbar eine ausgewiesene Rendite ist. Anleger sollten außerdem den zugrunde liegenden Index, die vertretenen Branchen und die Arten der gehaltenen Wertpapiere prüfen. Für Anleger, denen Liquidität wichtig ist, sind auch Handelsvolumen und Geld-Brief-Spannen relevant. Für die sechs Fonds lagen im Material keine Handelsvolumina vor. Ein direkter Vergleich auf dieser Grundlage ist daher nicht möglich.
Die Kostenquoten werden laufend aus dem Fondsvermögen entnommen und sollten beim Vergleich der Ausschüttungen nicht ausgeblendet werden. Genannt wurden 0,58 Prozent für SDIV, 0,45 Prozent für DIV, 0,51 Prozent für PGX und 0,45 Prozent für PFF sowie 2,59 Prozent für KBWD. Die Fonds unterscheiden sich sowohl bei den gehaltenen Wertpapieren als auch bei ihren Berechnungsmethoden. Eine Rangliste allein nach der Rendite kann deshalb Unterschiede bei Kosten und Anlagerisiken verdecken. Auch die Fondsunterlagen sollten auf Ausschüttungspolitik, Methoden der Indexanpassung und die Definitionen der verwendeten Renditekennzahlen geprüft werden.
Renditen und Kurse nach ihren Stichtagen prüfen
ETFs mit monatlicher Ausschüttung können für die Planung von Zahlungsströmen eingesetzt werden. Die tatsächliche Anlageentwicklung hängt jedoch gemeinsam von Ausschüttungen, Marktpreisen und Kosten ab. Beim Vergleich sollten Anleger die jeweils neuesten Angaben der Fondsgesellschaften zu Fondsvolumen, Beständen, Renditen und Gebühren heranziehen. Die hier genannten Kurse umfassen historische Werte aus den Jahren 2014 bis 2023 und beschreiben nicht die Marktbedingungen im Jahr 2026. Für SCHJ wurden außerdem keine Angaben zu Rendite oder Kosten bereitgestellt. Entscheidend bleibt daher, welche Wertpapiere ein Fonds hält, wie seine Ausschüttungskennzahlen definiert sind und welchen Einfluss die Kosten auf die tatsächlich vereinnahmten Erträge haben.