Unternehmen aus den Bereichen Basiskonsumgüter, Gesundheit und Kommunikationsinfrastruktur können in turbulenten Marktphasen von einer vergleichsweise stabilen Nachfrage profitieren. Sechs mögliche defensive Aktien – Procter & Gamble, Merck, Bristol Myers Squibb, American Tower, General Mills und McDonald’s – weisen gegenüber dem SPDR S&P 500 ETF (SPY) jeweils eine Beta von höchstens 0,50 auf. Die Kennzahl beschreibt jedoch die historische Schwankungsanfälligkeit und schützt nicht vor Kursverlusten.
Aktuelle Kurse und Geschäftsmodelle
Die Aktie von Procter & Gamble (NYSE: PG) notierte bei 159,35 US-Dollar und blieb unverändert. Merck (NYSE: MRK) gab um 0,48 Prozent auf 145,26 US-Dollar nach, Bristol Myers Squibb (NYSE: BMY) legte um 0,73 Prozent auf 60,19 US-Dollar zu. American Tower (NYSE: AMT) verlor 0,15 Prozent auf 185 US-Dollar. General Mills (NYSE: GIS) sank um 0,06 Prozent auf 33,11 US-Dollar, McDonald’s (NYSE: MCD) um 0,19 Prozent auf 242,50 US-Dollar.
Procter & Gamble kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 330 Milliarden US-Dollar. Der Konzern verkauft Produkte aus den Bereichen Schönheit und Körperpflege, Gesundheit, Wäsche- und Haushaltspflege sowie Baby-, Frauen- und Familienpflege. Zum Vertrieb nutzt P&G große Einzelhändler, den Onlinehandel, Lebensmittelgeschäfte und Mitgliederclubs, Apotheken sowie Fachgeschäfte für Kosmetik. Die breite Präsenz in verschiedenen Vertriebskanälen ist ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts mit Konsumgütern.
Merck ist in der Pharma- und Tiergesundheit tätig. Die Humanarzneimittel des Unternehmens decken unter anderem Onkologie, Immunologie, Neurowissenschaften, Virologie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes ab. Das Tiergesundheitsgeschäft umfasst Medikamente und Impfstoffe für Tiere sowie Dienstleistungen zur Gesundheitsüberwachung, darunter Identifikations- und Ortungssysteme. Merck arbeitet zudem mit anderen Gesundheitsunternehmen an der Entwicklung und Vermarktung von Arzneimitteln, darunter Produkten im Zusammenhang mit der HIV-Behandlung.
Bristol Myers Squibb erforscht, lizenziert, produziert und vertreibt Medikamente. Zum Portfolio zählen Krebstherapien gegen Erkrankungen wie Lymphome, multiples Myelom und Leukämie. Zu den Abnehmern gehören Großhändler, Apotheken, Krankenhäuser, Kliniken und staatliche Stellen.
American Tower, General Mills und McDonald’s
American Tower ist ein in Nordamerika ansässiger Immobilienfonds (REIT), der rund 219.000 Mobilfunkstandorte besitzt und über deren Vermietung Einnahmen erzielt. Zu den großen Mietern zählen AT&T und T-Mobile. Während des Platzens der Dotcom-Blase im Jahr 2000 brach die Aktie deutlich ein. In den vergangenen Jahren profitierte die Nachfrage nach Kommunikationsinfrastruktur vom Ausbau des 5G-Netzes.
General Mills wurde 1928 als Mühlenbetrieb gegründet und entwickelte sich zu einem großen Anbieter von Frühstücksflocken und verpackten Lebensmitteln. Zu den Marken zählen Fruit Gushers, Cinnamon Toast Crunch, Cocoa Puffs, Nature Valley, Pillsbury, Yoplait, Wheaties und Cheerios. Verkauft werden die Produkte in Lebensmittelgeschäften, bei großen Einzelhändlern, online, in Convenience Stores und über Discountkanäle.
Über die vergangenen fünf Jahre lag die monatliche Beta von General Mills bei 0,32 – damit entsprach die historische Schwankungsintensität etwa einem Drittel des Marktniveaus. Der hier zugrunde gelegten historischen Berechnung zufolge erzielte die Aktie seit 1993 bei reinvestierten Dividenden eine annualisierte Rendite von 9,81 Prozent. Der SPY kam im selben Vergleich auf 9,72 Prozent.
McDonald’s wurde 1940 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Chicago im US-Bundesstaat Illinois. Das Unternehmen betreibt und franchisiert Restaurants in den USA und international. Das Angebot umfasst Burger, Hähnchensandwiches und Nuggets, Pommes frites, Salate, Milchshakes, gefrorene Desserts, Backwaren, Softdrinks und Kaffee. Hinzu kommen Frühstücksprodukte wie Muffins, Würstchen, Haferbrei, Rösti und Pfannkuchen. Die breite Nachfrage nach Restaurantbesuchen kann das Geschäft über Konjunkturzyklen hinweg stützen. Kosten, Wettbewerb und Veränderungen im Konsumverhalten bleiben jedoch wichtige Einflussfaktoren.
Was eine niedrige Beta aussagt – und was nicht
Die Beta misst, wie stark eine Aktie in der Vergangenheit auf Bewegungen eines Vergleichsindex reagiert hat. Bei einem Bezug auf den S&P 500 oder den SPY gilt 1 als Ausgangswert. Eine Beta über 1 steht im Allgemeinen für stärkere Kursschwankungen als am Markt; Werte zwischen 0 und 1 deuten meist auf Bewegungen in dieselbe Richtung, aber mit geringeren Ausschlägen hin. Ein Wert nahe null signalisiert einen schwachen historischen Zusammenhang, eine negative Beta eine Tendenz zu gegenläufigen Bewegungen. Grundlage sind Vergangenheitsdaten; daraus lässt sich keine künftige Wertentwicklung ableiten.
Anlagen mit geringer Korrelation können zur Diversifikation eines Portfolios beitragen. Der modernen Portfoliotheorie zufolge kann die Kombination von Anlagen mit positiven erwarteten Renditen und vergleichsweise niedriger Korrelation das Verhältnis von Rendite zu Risiko verbessern. Zur Bewertung der risikobereinigten Wertentwicklung wird auch die Sharpe-Ratio herangezogen. Eine breite Streuung verhindert allerdings nicht jeden Verlust, und unternehmensspezifische Entwicklungen können die Risikolage verändern.
Defensive Aktien finden sich häufig im Gesundheitssektor und bei Basiskonsumgütern, weil die Nachfrage nach entsprechenden Produkten tendenziell gleichmäßiger ausfällt. In Phasen niedriger Zinsen und breit steigender Märkte können diese Bereiche hinter konjunkturabhängigen Branchen zurückbleiben. Bei höherer Inflation oder steigenden Zinsen und unter Druck stehenden Märkten kann die stabilere Nachfrage stärker ins Gewicht fallen.
Während des Marktrückgangs bis September 2022 erzielten Procter & Gamble, Merck, Bristol Myers Squibb und General Mills positive Renditen; American Tower gelang das nicht. Beim kräftigen Ausverkauf nach dem Ausbruch von COVID-19 im Jahr 2020 verloren die meisten der genannten Aktien weniger als der Gesamtmarkt. Sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen schnitten dennoch besser ab.
Dividenden und Einzelrisiken bleiben entscheidend
Etablierte Blue Chips schütten einen Teil ihrer Mittel mitunter in Form vierteljährlicher Dividenden an die Aktionäre aus. Eine Wiederanlage der Zahlungen kann die langfristige Gesamtrendite beeinflussen. Höhe und Rendite der Dividende sowie deren steuerliche Behandlung unterscheiden sich je nach Unternehmen und Anleger. Die Einstufung als defensive Aktie bedeutet daher nicht automatisch, dass die Dividendenrendite über der des SPY liegt.
Aktien mit niedriger Beta sind nicht risikofrei. Auch Unternehmen mit historisch geringeren Schwankungen und vergleichsweise robustem Geschäft können bei einem breiten Ausverkauf deutlich an Wert verlieren. Veränderungen im Management, schwache Umsätze oder Unternehmensskandale können den Kurs einzelner Aktien zusätzlich belasten. Defensive Eigenschaften beschreiben das Geschäftsmodell und das frühere Marktverhalten – sie garantieren weder stabile Kurse noch künftige Renditen.