Große BTC-Bewegung auf der Liquid Sidechain stellt Netzwerk vor Herausforderungen
Auf der Liquid Sidechain wurden etwa 4.000 BTC im Gegenwert von rund 32 Millionen US-Dollar aus den Federation Wallets bewegt. Dies entspricht etwa 95 % des gesamten Bitcoin-Bestands auf Liquid. Die Gelder wurden an eine einzige Bitcoin-Adresse transferiert, die im On-Chain-Kommentar die Nachricht "we are whitehats. contact us on chain." hinterließ.
Zur Vorsorge hat das Liquid-Team den Betrieb der Brückenknoten vorübergehend eingestellt und Partnerbörsen angewiesen, Ein- und Auszahlungen von Liquid Bitcoin (L-BTC) auszusetzen. Andere auf Liquid basierende Vermögenswerte wie USDT, DePix und ausgewählte physische Asset-Token blieben bislang unbeeinträchtigt. Die Federation arbeitet intensiv an Lösungen, um die normale Funktionalität des Netzwerks schnellstmöglich wiederherzustellen.
Ledger CTO äußert Skepsis gegenüber White-Hat-Behauptung
Charles Guillemet, CTO des führenden Hardware-Wallet-Anbieters Ledger, äußerte Zweifel an der Darstellung des Angreifers als White Hat. Er betonte, dass White-Hat-Hacker üblicherweise keine großen Mittel unmittelbar nach einer Sicherheitslücke transferieren oder direkten Kontakt über On-Chain-Nachrichten suchen. Guillemet zog Vergleiche zum Ronin-Bridge-Hack von 2022, bei dem durch Kompromittierung von Validator-Schlüsseln rund 625 Millionen USD entwendet wurden.
Das Verhalten bei diesem Liquid-Vorfall sei nicht typisch für White-Hats und deute eher auf böswillige Absichten hin. Abschließende Bewertungen sollten jedoch erst nach Abschluss der Untersuchungen erfolgen, insbesondere ob eine Schwachstelle in Liquid-Software ausgenutzt wurde.
Untersuchung legt Anteilnahme an Sidechain-Software als Ursache nahe
Blockstream verfolgte die Transaktionen der L-BTC und stellte fest, dass die Auszahlungen mit SideSwaps Peg-Out-Multisignatur-Schlüsseln autorisiert wurden. Die Liquid Federation versichert, dass diese Schlüssel nicht kompromittiert seien. SideSwap teilte mit, dass um 14:05 UTC ein Abhebungsauftrag von 4.000 L-BTC an ihren On-Chain-Abrechnungsservice gesendet wurde, woraufhin 23 Minuten später eine Auszahlung von 3.996 BTC durch die Federation genehmigt wurde.
Es besteht der Verdacht, dass eine Schwachstelle in der zugrundeliegenden Elements-Software von Liquid besteht, die unautorisierte Kontrolle über Peg-Out-Berechtigungen ermöglicht haben könnte. Federation und Entwickler prüfen die Vorfälle und suchen nach einer exakten Ursachenklärung.
Börsen reagieren mit Einlagestopp – Markt verweist auf Vertrauensfragen
Im Anschluss an den Vorfall haben mehrere Krypto-Börsen vorübergehend den Ein- und Auszahlungsverkehr von Liquid Bitcoin ausgesetzt. Als Brücke zwischen Bitcoin-Hauptnetz und Liquid Sidechain ist die Sicherheit des Netzwerks für Nutzer, die schnellere Transaktionen nutzen, von hoher Bedeutung.
Die große Summe – fast der gesamte BTC-Bestand im Liquid-Netzwerk – hat Verunsicherung hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Sidechain ausgelöst. Marktteilnehmer beobachten deshalb die laufenden Updates zu Untersuchungsergebnissen und der Wiederaufnahme der Dienste genau.
Dieser Vorfall verdeutlicht die Risiken, die mit Blockchain-Brückentechnologie verbunden sind, und mahnt zur kritischen Betrachtung von als White Hat bezeichneten Eingriffen bei Sicherheitsvorfällen. Entscheidende Erkenntnisse aus der Liquid-Reaktion und mögliche regulatorische Entwicklungen werden künftig Aufschluss über die Auswirkung auf Sidechain- und Bridge-Lösungen bieten.