Die Generalstaatsanwaltschaft des US-Bundesstaats New York hat QCX LLC, den Betreiber von Polymarket in New York, verklagt. Der Vorwurf: Das Unternehmen betreibe im Bundesstaat ein nicht lizenziertes Glücksspielgeschäft. New York will die lokalen Aktivitäten von Polymarket stoppen, mutmaßlich aus illegalen Geschäften stammende Erlöse einziehen, betroffene Nutzer entschädigen und eine Strafe von bis zum Dreifachen der relevanten Einnahmen durchsetzen.
Im Kern geht es nicht nur um die Frage, ob Polymarket Nutzer in New York weiter bedienen darf. Der Fall berührt die Abgrenzung zwischen bundesrechtlicher Finanzmarktaufsicht und den Glücksspielgesetzen der Bundesstaaten. Prognosemärkte sind in den USA zuletzt schnell gewachsen. Mehrere Plattformen nutzen den bundesrechtlichen Rahmen für Rohstoffe und Derivate, um sogenannte Event Contracts anzubieten. Die Bundesstaaten halten dagegen, dass bestimmte dieser Produkte weiterhin als Glücksspiel einzustufen seien und deshalb eine gesonderte Genehmigung auf Ebene des jeweiligen Bundesstaats benötigen.
Polymarket beruft sich auf die Zulassung auf Bundesebene
Polymarket kehrte im Dezember 2025 über eine von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) regulierte Börse auf den US-Markt zurück. Die bundesrechtliche Zulassung ist für das Unternehmen derzeit eine zentrale Grundlage, um Prognosemarkt-Produkte in mehreren Bundesstaaten, darunter New York, anzubieten.
Die Klage aus New York stellt diese Argumentation unmittelbar infrage. Nach Auffassung des Bundesstaats erlaubt eine bundesrechtliche Genehmigung nicht automatisch das Angebot von Produkten, die nach dem Recht New Yorks als Glücksspiel gelten. Polymarket könnte daher weiterhin eine Glücksspiellizenz in New York benötigen oder darlegen müssen, dass seine Produkte nicht unter die dortige Definition von Glücksspiel fallen – selbst wenn das Geschäft in einen bundesrechtlich regulierten Rahmen eingebettet ist.
Entscheidend könnte damit eine konkrete Rechtsfrage werden: Verhindert die bundesrechtliche Aufsicht, dass Bundesstaaten ihre Glücksspielgesetze auf vergleichbare Prognosemarkt-Produkte anwenden?
New York fordert mehr als die Einstellung des Angebots
Die finanziellen Forderungen gehen über eine reine Untersagung hinaus. New York verlangt die Herausgabe von Erlösen, die nach Darstellung des Bundesstaats durch illegale Aktivitäten erzielt wurden, sowie Entschädigungen für betroffene Nutzer. Zusätzlich wird eine Zahlung in Höhe des Dreifachen dieser Erlöse gefordert.
Sollte das Gericht den Anträgen stattgeben, könnten auf QCX LLC neben dem Rückzug aus dem New Yorker Markt weitere Belastungen zukommen. Dazu zählen die Rückzahlung historischer Einnahmen, Entschädigungen für Nutzer und zusätzliche Strafzahlungen. Die Klage beziffert bislang weder die konkret betroffenen Erlöse noch die Zahl der Nutzer. Zudem ist offen, ob das Gericht sämtliche beantragten Rechtsfolgen anordnen wird.
Verfahren gegen Kalshi zeigen unterschiedliche Gerichtspositionen
Der Streit um Polymarket steht nicht isoliert. Der Prognosemarkt-Betreiber Kalshi war in mehreren US-Bundesstaaten mit ähnlichen Klagen und regulatorischen Konflikten konfrontiert. Die Gerichte kamen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Im April entschied ein Bundesberufungsgericht, dass New Jersey den von der CFTC beaufsichtigten Prognosemarkt von Kalshi nicht in der angestrebten Form regulieren durfte. Die Entscheidung wurde als Stützung des Vorrangs der bundesrechtlichen Aufsicht gewertet.
Im August kam ein anderes Bundesberufungsgericht in einem Verfahren in Nevada zu einer abweichenden Einschätzung. Nach Ansicht des Gerichts sprach wenig dafür, dass Bundesrecht Nevada daran hindere, seine Glücksspielregeln auf sportbezogene Kontrakte von Kalshi anzuwenden.
Damit ist die rechtliche Unsicherheit für Prognosemärkte konkreter geworden. Produkte unter derselben bundesrechtlichen Aufsicht können je nach Bundesstaat weiterhin unterschiedlichen Lizenzpflichten, Produktbeschränkungen oder Vollstreckungsmaßnahmen unterliegen. Das Verfahren gegen Polymarket in New York könnte diese Frage einer übergeordneten gerichtlichen Prüfung näherbringen.
New Yorker Behörden gehen wiederholt gegen Kryptoplattformen vor
Die Generalstaatsanwaltschaft von New York ist bereits gegen mehrere Unternehmen aus dem Kryptosektor vorgegangen. Im Jahr 2023 leitete sie nach einer Klage gegen KuCoin wegen mutmaßlich nicht lizenzierter Aktivitäten mehr als 22 Millionen US-Dollar ein. Das Verfahren löste zugleich eine Debatte darüber aus, ob Ether als Wertpapier eingestuft werden kann.
2024 schloss die Behörde außerdem eine Vereinbarung mit Genesis über Zahlungen von bis zu rund 2 Milliarden US-Dollar. Genesis gehörte damals zu den größten Unternehmen der Kryptobranche.
Der jüngere Vollzugsschwerpunkt des Bundesstaats reicht auch in den Bereich der Prognosemärkte. Coinbase, Gemini und Kalshi waren mit verwandten Klagen oder regulatorischen Maßnahmen konfrontiert. Das Verfahren gegen Polymarket ist daher Teil eines größeren Streits darüber, ob Prognosemärkte in den USA vor allem durch Bundesbehörden beaufsichtigt werden sollten oder zusätzlich den Glücksspielgesetzen der einzelnen Bundesstaaten unterliegen.
Bis zu weiteren Gerichtsentscheidungen bleiben der Status von Polymarkets bundesrechtlicher Regulierung und die Berechtigung zum Betrieb in New York zwei getrennt zu prüfende Fragen.