Der Kontrollausschuss des US-Repräsentantenhauses hat seine Untersuchung zu möglichem Insiderhandel auf Hyperliquid, Crypto.com und Aristotle Exchange ausgeweitet. Die Plattformen sollen darlegen, wie sie Kunden identifizieren und verdächtige Handelsaktivitäten erkennen. Im Mittelpunkt steht eine gemeldete Krypto-Short-Position, die vor der Ankündigung neuer US-Zölle auf China eröffnet worden sein soll. Wer die Wallet kontrolliert, ist weiterhin ungeklärt. Der Trader Garrett Jin bestreitet, Insiderinformationen genutzt zu haben.
Milliarden-Short vor Trumps Zollankündigung
Im Fokus steht ein Trade vom 10. Oktober 2025. An diesem Tag kündigte US-Präsident Donald Trump Zölle von 100 Prozent auf chinesische Waren an. Die Nachricht löste einen Ausverkauf an den Kryptomärkten aus. James Comer, Vorsitzender des House Oversight Committee, erklärte, ein Hyperliquid-Nutzer habe bereits vor der öffentlichen Bekanntgabe eine Short-Position eröffnet. Damit geriet die Plattform in den Blick einer Untersuchung zu möglichem Insiderhandel auf Online-Prognosemärkten.
In einem Schreiben an Hyperliquid-Chef Jeff Yan nannte Comer den Trader nicht. Der Ausschuss prüft nach seinen Angaben, ob Nutzer nicht öffentliche Informationen einsetzen, um auf Prognoseplattformen Gewinne zu erzielen, deren Beliebtheit zunimmt.
On-Chain-Analysen verfolgten an diesem Tag eine Short-Position von rund 1,1 Milliarden US-Dollar auf Bitcoin und Ether bei Hyperliquid. Die Wallet soll ihre Short-Position etwa eine Minute vor Trumps Beitrag ausgeweitet und nach dem Kursrückgang mehr als 150 Millionen US-Dollar verdient haben. Marktweit wurden an diesem Tag gehebelte Positionen im Umfang von rund 19 Milliarden US-Dollar liquidiert.
On-Chain-Ermittler brachten die Wallet mit Garrett Jin, dem früheren CEO von BitForex, in Verbindung. Jin weist den Vorwurf des Insiderhandels zurück und sagt, er habe im Auftrag von Kunden gehandelt. Die Transaktionen auf Hyperliquid sind auf der Blockchain öffentlich einsehbar. Aus einer Wallet-Adresse lässt sich jedoch nicht sicher ableiten, wer sie in der realen Welt kontrolliert.
Ausschuss fordert Angaben zu Kundenprüfung und Überwachung
Comers Schreiben an Hyperliquid, Crypto.com und Aristotle Exchange verlangt Informationen zu den KYC-Verfahren der Unternehmen sowie dazu, wie sie verdächtige Aktivitäten erkennen und bearbeiten. Crypto.com bietet US-Nutzern regulierte Prognosemärkte zu Politik, Sport und Wirtschaft an. Aristotle Exchange ist Eigentümer von PredictIt, das seit 2014 Prognosemärkte zu politischen Ereignissen betreibt.
Zuvor hatte der Ausschuss auch Kalshi und Polymarket in die Untersuchung einbezogen. Comer leitete sie im Mai ein; die beiden Plattformen übermittelten dem Kongress fast 1.000 Dokumente. Bei der ausgeweiteten Prüfung geht es vor allem darum, wie Anbieter feststellen, wer ein Konto tatsächlich nutzt, und Wetten erkennen, die auf nicht öffentlichen Informationen beruhen könnten.
Die Untersuchung folgt auf mehrere Kontroversen rund um Prognosemärkte. Im April wurde ein Angehöriger der US-Streitkräfte beschuldigt, mit Trades im Zusammenhang mit dem venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro unter Nutzung von Insiderinformationen rund 400.000 US-Dollar verdient zu haben. Kalshi verhängte zudem eine lebenslange Handelssperre gegen den früheren US-Abgeordneten George Santos, nachdem er darauf gewettet hatte, ob er an der Rede zur Lage der Nation teilnehmen würde.
Öffentlich bekannte Informationen belegen bislang nicht, dass der Ausschuss den Hyperliquid-Trade als rechtswidrig eingestuft hat. Auch die Identität des Wallet-Inhabers ist nicht bestätigt. Im Zentrum der weiteren Prüfung stehen nun die Antworten der Plattformen zu Kundenverifizierung und zur Überwachung verdächtiger Trades.