Die Berichtssaison für das dritte Quartal nimmt Fahrt auf. Bei Netflix, Tesla und Meta Platforms stehen nicht nur Umsatz und Gewinn im Mittelpunkt: Nach Kursverlusten bei Finanz- und Chipwerten beobachten Anleger auch die Investitionspläne der Unternehmen und die Kosten für KI-Infrastruktur. Ihre Aussagen könnten beeinflussen, wie der Markt die nächsten Wachstumstreiber und die Finanzierung des KI-Ausbaus einschätzt.
Tesla legt Zahlen vor, Roadster sorgt für Aufmerksamkeit
Tesla will seine Ergebnisse für das dritte Quartal am Mittwoch nach US-Börsenschluss veröffentlichen. Kurz zuvor stellte das Unternehmen eine neue, flugfähige Version des Roadster vor – fast zehn Jahre nachdem das Konzept erstmals 2017 präsentiert worden war.
CEO Elon Musk zufolge sollen einige Varianten in weniger als einer Sekunde von 0 auf 60 Meilen pro Stunde beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 230 mph erreichen. Ein von SpaceX geliefertes Mini-Raketensystem soll kurze Abhebungen vom Boden ermöglichen. Tesla rechnet damit, die Produktion des Modells 2028 aufzunehmen. Vor den Quartalszahlen sorgt der Roadster damit für zusätzliches Interesse; Zeitplan und kommerzielle Perspektiven sind jedoch noch offen.
Bei Meta stehen KI-Ausgaben und Cashflow im Blick
Meta will seine Quartalszahlen am Mittwochabend vorlegen. Die von FactSet befragten Analysten erwarten, dass der bereinigte Gewinn je Aktie im Jahresvergleich um mehr als 500 Prozent auf 6,58 US-Dollar steigt. Der Umsatz soll demnach um 24 Prozent auf 63,3 Milliarden US-Dollar zulegen.
Anleger dürften neben dem Quartalsergebnis vor allem auf neue Angaben zu den geplanten Investitionen in KI-Infrastruktur achten. Im Bericht zum zweiten Quartal hatte Meta seine Prognose für die Investitionsausgaben im Gesamtjahr auf 130 bis 145 Milliarden US-Dollar eingegrenzt, nach zuvor 125 bis 145 Milliarden US-Dollar. Während das Unternehmen weiter in das Training von KI-Modellen und Rechenzentren investiert, sank der freie Cashflow im zweiten Quartal auf 784 Millionen US-Dollar. Ein Jahr zuvor hatte er noch 8,55 Milliarden US-Dollar betragen.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen drehte zu Wochenbeginn deutlich um und erhöhte die Schwankungen am Anleihemarkt. Der Ausverkauf von CoreWeave-Anleihen lenkte zudem den Blick erneut auf die Verschuldung des KI-Infrastruktur-Anbieters. Die Investitionspläne von Meta und anderen großen Technologiekonzernen dürften mitbestimmen, wie Anleger mögliche Erträge aus dem KI-Ausbau und den dafür nötigen Finanzierungsaufwand bewerten.
Netflix: langsameres Wachstum und Wechsel an der Spitze des Inhaltebereichs
Netflix veröffentlicht seine Zahlen für das dritte Quartal am Dienstag nach Börsenschluss. Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 82 US-Cent, 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz soll um 12 Prozent auf 12,9 Milliarden US-Dollar steigen. Damit würde sich das Umsatzwachstum zum dritten Quartal in Folge verlangsamen.
Die Netflix-Aktie geriet am Freitag unter Verkaufsdruck, fand jedoch nahe 70 US-Dollar Unterstützung. Das Unternehmen ernannte den früheren Disney-Manager Peter Rice zum neuen Chief Content Officer. Er soll Bela Bajaria Ende des Monats ablösen. Außerdem kündigte Netflix den Abbau von rund 1.000 Stellen an, etwa sechs Prozent der Belegschaft.
Die Kündigungsquote bei Netflix liegt im Branchenvergleich weiterhin niedrig. Zugleich geraten Nutzerwachstum und Engagement stärker unter Druck: Die gesamten Wiedergabestunden waren im ersten Halbjahr weitgehend stabil, während das Engagement insgesamt nur um zwei Prozent zunahm. Um neue Wachstumsquellen zu erschließen, baut Netflix sein Angebot an Live-Sport aus und entwickelt das werbefinanzierte Abo sowie Video-Podcasts weiter.
Bloom Energy und MaxLinear vor Zahlen unter Druck
Bloom Energy will seine Ergebnisse für das dritte Quartal am Donnerstag nach US-Börsenschluss vorlegen. Das Unternehmen stellt Festoxid-Brennstoffzellensysteme her, die vor Ort Strom bereitstellen, ohne Brennstoff zu verbrennen. Die Aktie liegt 35 Prozent unter einem jüngsten Hoch. Die Bewertung bleibt mit etwa dem 124-Fachen des nachlaufenden Gewinns und dem 61-Fachen des erwarteten Gewinns dennoch hoch.
Für Bloom Energy erwarten Marktteilnehmer in diesem Jahr einen Anstieg des Jahresgewinns um 257 Prozent und 2027 ein weiteres Plus von 86 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie im dritten Quartal soll sich im Jahresvergleich um 359 Prozent auf 69 US-Cent erhöhen. Beim Umsatz wird ein Zuwachs von 105 Prozent auf 1,06 Milliarden US-Dollar erwartet.
Die Aktie des Chipdesigners MaxLinear verlor in dieser Woche 25 Prozent, liegt seit Jahresbeginn aber noch fast 350 Prozent im Plus. Das Unternehmen entwickelt optische Verbindungstechnik für Rechenzentren, über die Daten zwischen GPUs und Servern übertragen werden. Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einem Gewinnanstieg um 465 Prozent und 2027 mit weiteren 54 Prozent. Für das dritte Quartal werden 56 US-Cent je Aktie erwartet, ein Plus von 298 Prozent; der Umsatz soll um 70 Prozent auf 215 Millionen US-Dollar steigen.
Netflix-Optionen spiegeln erwartete Kursschwankungen wider
Bei einem Netflix-Kurs von rund 70,84 US-Dollar lag die mittlere Prämie einer leicht aus dem Geld liegenden Kaufoption mit einem Basispreis von 71 US-Dollar und Fälligkeit am 23. Oktober bei 3,15 US-Dollar je Aktie. Das entspricht 4,4 Prozent des Aktienkurses. Ein Kontrakt umfasst 100 Netflix-Aktien; die Prämie belief sich damit auf 315 US-Dollar. Bei Halten bis zum Verfall müsste die Aktie 74,15 US-Dollar erreichen, damit der Wert die gezahlte Prämie abdeckt.
Der Optionsmarkt signalisiert rund um die Quartalszahlen eine mögliche Bewegung von etwa sechs US-Dollar in beide Richtungen. Üblicherweise wird diese Schätzung aus der Summe der Prämien von Kauf- und Verkaufsoptionen am Geld mit gleichem Basispreis und Verfallstermin abgeleitet. Vor der Veröffentlichung von Geschäftszahlen steigt die implizite Volatilität häufig und kann die Optionspreise beeinflussen. Richtung und Ausmaß einer tatsächlichen Kursbewegung hängen davon ab, wie Ergebnisse und Ausblick ausfallen und wie Anleger die künftigen Wachstumsaussichten bewerten.