Der US-Dollar hat am Donnerstag gegenüber allen wichtigen Währungen zugelegt. Gleichzeitig stiegen die Renditen von US-Staatsanleihen über die gesamte Laufzeitenkurve, wobei die Rendite zehnjähriger Treasuries auf 5,1915 % kletterte. Berichte über Gespräche zwischen den USA und Iran zu einer schrittweisen Wiederöffnung der Straße von Hormus und einem Ende der US-Blockade halfen US-Aktien und Rohöl zunächst, sich von ihren Tagestiefs zu lösen. Eine formelle Vereinbarung gibt es jedoch nicht. Der Ölpreis machte später einen Teil seines Rückgangs wieder wett – ein Zeichen dafür, dass Händler beim Zeitpunkt und Umfang einer möglichen Wiederaufnahme der Lieferungen vorsichtig bleiben.
Dollar legt zu, lange US-Renditen steigen stärker
Die größten Kursgewinne verzeichnete der Dollar gegenüber dem Yen, dem Schweizer Franken und dem australischen Dollar. Gegenüber dem Euro fiel der Anstieg moderater aus. Die Renditen von US-Staatsanleihen schlossen nahe ihren Tageshochs. Die zweijährige Rendite stieg um 2,1 Basispunkte auf 4,916 %, die fünfjährige um 4,5 Basispunkte auf 5,050 %. Die zehnjährige Rendite legte um 7,6 Basispunkte auf 5,1915 % zu. Auch die Rendite 30-jähriger Treasuries erhöhte sich um 7,6 Basispunkte auf 5,4782 %.
Dass die langfristigen Renditen stärker anzogen als die kurzfristigen, rückte Inflationsrisiken und Finanzierungskosten wieder in den Mittelpunkt. Anna Paulson, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Philadelphia, sagte, die US-Notenbank müsse die Zinsen möglicherweise erneut anheben, um die Inflation zu senken. Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, erklärte ebenfalls, die Inflationsrisiken seien nach oben gerichtet. Die Fed hat noch nicht entschieden, ob eine weitere Zinserhöhung erforderlich ist. Die Äußerungen ihrer Vertreter erschweren es dem Anleihemarkt jedoch, dieses Szenario vollständig auszupreisen.
Auch eine Auktion siebenjähriger US-Staatsanleihen im Volumen von 44 Mrd. US-Dollar konnte den Renditeauftrieb kaum bremsen. Die Anleihen wurden mit einer Rendite von 5,085 % zugeteilt – 0,7 Basispunkte über der vor der Auktion angezeigten Markterwartung. Das Ergebnis deutete darauf hin, dass Investoren eine etwas höhere Verzinsung verlangten als zunächst erwartet.
US-Indizes schließen nahezu unverändert
Die wichtigsten US-Indizes erholten sich von ihren Tagestiefs, schlossen aber uneinheitlich. Der Dow Jones Industrial Average verlor 162,02 Punkte beziehungsweise 0,31 % und endete bei 51.355,15 Punkten. Der S&P 500 gab 1,80 Punkte oder 0,02 % auf 7.704,22 Punkte nach. Der Nasdaq Composite stieg um 3,34 Punkte beziehungsweise 0,01 % auf 26.939,37 Punkte. Der Russell 2000 sank um 0,11 % auf 2.835,58 Punkte, während der Nasdaq 100 um 0,03 % auf 30.478,86 Punkte zulegte.
Die kaum veränderten Indexstände verdeckten deutlich größere Bewegungen bei einzelnen Aktien. Meta gewann 4,50 %, Nebius legte 7,44 % zu. Auch Intel, CoreWeave und AMD schlossen höher. Arm fiel dagegen um 7,88 %, während Sandisk und Coherent jeweils mehr als 3 % verloren. Halbleiter- und KI-Aktien entwickelten sich damit in unterschiedliche Richtungen; eine einheitliche Risikobereitschaft im Technologiesektor war nicht erkennbar.
Europäische Aktienmärkte durchweg schwächer
Die großen europäischen Aktienindizes schlossen allesamt im Minus. Der deutsche DAX fiel um 0,57 % auf 25.266,54 Punkte, der französische CAC 40 gab 0,52 % auf 8.081,44 Punkte nach. Der britische FTSE 100 verlor 0,24 % und schloss bei 10.680,00 Punkten. Der spanische IBEX 35 sank um 0,30 % auf 19.573,39 Punkte, während der italienische FTSE MIB um 0,85 % auf 51.543,44 Punkte nachgab.
Die Renditen zehnjähriger europäischer Staatsanleihen entwickelten sich uneinheitlich, blieben aber nahe mehrjährigen Höchstständen. Die deutsche Rendite stieg um 2,9 Basispunkte, während die Renditen in Großbritannien und Italien leicht zurückgingen. Die erhöhten Finanzierungskosten erschwerten es europäischen und US-Aktien weiterhin, eine längere Erholung zu tragen – insbesondere vor dem Hintergrund von Inflationsrisiken und der Unsicherheit über die Energieversorgung.
US-Konjunkturdaten zeigen robuste Aktivität
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA lag bei 197.000 und damit unter der Markterwartung von 201.000. Die Verkäufe neuer Eigenheime im August erreichten auf Jahresbasis 684.000 und übertrafen die Prognose von 615.000. Die Daten zu Neubauverkäufen unterliegen allerdings erheblichen Schätzfehlern. Der Monatswert muss daher zusammen mit späteren Revisionen bewertet werden.
Die Arbeitsmarkt- und Immobiliendaten schwächten die Einschätzung einer weiterhin widerstandsfähigen US-Wirtschaft nicht. Zusammen mit den Aussagen von Fed-Vertretern zu den Inflationsrisiken führten die Zahlen dazu, dass Anleger die Belastbarkeit der Wirtschaft in einer Phase hoher Zinsen neu bewerteten. Im Mittelpunkt stand zudem die Frage, wann höhere Treasury-Renditen stärker auf die Unternehmensfinanzierung und die Aktienbewertungen durchschlagen könnten.
US-amerikanische und chinesische Staats- und Regierungsvertreter trafen sich im Weißen Haus. Ihre öffentlichen Äußerungen waren weitgehend freundlich. Die Märkte warten jedoch weiterhin auf konkrete Fortschritte bei Handel, Technologie und der Versorgung mit Seltenen Erden. Diese Themen führten am Donnerstag noch zu keinem konkreten politischen Ergebnis, das die Preise an den Finanzmärkten spürbar verändert hätte.
Berichte zur Straße von Hormus bewegen den Ölmarkt
Der Preis für WTI-Rohöl fiel kurzfristig von rund 96,78 US-Dollar je Barrel auf 93,30 US-Dollar, nachdem die Märkte Berichte über eine mögliche schrittweise Vereinbarung zwischen den USA und Iran verarbeitet hatten. Anschließend holte der Preis den größten Teil des Rückgangs wieder auf. Zum Handelsschluss lag WTI in einer Momentaufnahme bei rund 95,11 US-Dollar je Barrel – ein Plus von 2,41 US-Dollar beziehungsweise 2,60 %.
Gespräche über eine Wiederöffnung der Straße von Hormus könnten einen Weg zur Wiederaufnahme von Energielieferungen eröffnen, stellen aber noch keine Vereinbarung dar. Auch die Äußerungen aus Iran zu den Aussichten für eine Öffnung der Meerenge fielen unterschiedlich aus. Händler konzentrieren sich deshalb darauf, ob konkrete Transportregelungen vereinbart werden, ob sich die Blockade verändert und wie eine mögliche Erholung des Angebots umgesetzt würde. Solange diese Details offen sind, bleiben die Rohölpreise stark von diplomatischen Entwicklungen und Transportrisiken abhängig.
Gold, Silber und Bitcoin bleiben unter Druck
Gold notierte bei rund 4.274 US-Dollar je Unze und verlor 12,85 US-Dollar beziehungsweise 0,30 %. Silber lag bei etwa 63,79 US-Dollar je Unze und gab 0,65 US-Dollar oder 1,00 % nach. Der stärkere Dollar und die höheren Renditen von US-Staatsanleihen belasteten die Edelmetalle gleichzeitig. Steigende Anleiherenditen erhöhten die erzielbare Verzinsung festverzinslicher Anlagen, während in Dollar gehandelte Metalle für Käufer aus anderen Währungsräumen teurer wurden.
Bitcoin notierte bei rund 84.378 US-Dollar, nachdem die Kryptowährung im Tagesverlauf zunächst nachgegeben und anschließend weitgehend seitwärts gehandelt hatte. Die Entwicklung folgte der späten Erholung an den US-Aktienmärkten nicht eindeutig. Die Verbindung zwischen Aktien und Kryptoanlagen war an diesem Handelstag daher begrenzt. Der Schlusskurs einer einzelnen Sitzung reicht nicht aus, um eine dauerhafte Veränderung des Verhältnisses zwischen den beiden Anlageklassen festzustellen.
In der nächsten Handelssitzung werden die Märkte prüfen, ob die Kontakte zwischen den USA und Iran zu umsetzbaren Transportregelungen führen, ob sich der Rohölpreis auf erhöhtem Niveau halten kann und wie stark weitere Anstiege der Treasury-Renditen die Aktienmärkte belasten. Die Erholung von den Tagestiefs zeigte zwar, dass Käufer aktiv blieben. Der stärkere Dollar, steigende Anleiherenditen und die deutlichen Unterschiede zwischen einzelnen Aktien unterstrichen jedoch die uneinheitliche Grundlage dieser Erholung.