U.S. Bancorp lenkt neue Kredite zunehmend in Gewerbeimmobilien, Unternehmenskredite und Kreditkarten. Damit will die Bank ihr Provisionsgeschäft ausbauen und die Einlagenbeziehungen vertiefen. Der Anteil der Hypotheken am Kreditportfolio soll dadurch von derzeit 28% in den mittleren Zwanzig-Prozent-Bereich sinken. Finanzvorstand John Stern sagte, langfristig sei ein Anteil von etwa 25% möglich. Der Konzern betonte zugleich, dass er sich weder aus dem Hypotheken- noch aus dem Autokreditgeschäft zurückzieht.
Die Bank mit einer Bilanzsumme von 703 Milliarden US-Dollar hielt zum 30. September Hypothekendarlehen von 116,8 Milliarden US-Dollar. Das entsprach 28% des gesamten Kreditbestands von 415,2 Milliarden US-Dollar. Ende 2025 hatten Hypotheken noch knapp 30% des Portfolios ausgemacht. Stern erklärte während der Telefonkonferenz zu den Zahlen des dritten Quartals, der sinkende Anteil werde vor allem durch das schnellere Wachstum anderer Kreditkategorien entstehen und nicht durch einen Rückzug aus der Baufinanzierung.
Gewerbekredite und Kreditkarten sollen Gebühren und Einlagen stärken
Vorstandschefin Gunjan Kedia erklärte, Kreditkarten, Unternehmenskredite und Finanzierungen für Gewerbeimmobilien könnten sowohl Provisions- als auch Zinserträge generieren und zusätzliche Einlagen anziehen. Provisionsbasierte Geschäftsbereiche stärkten außerdem die Kundenbeziehungen und könnten für eine stabilere Refinanzierung über Einlagen sorgen. Das sei ein Grund, diesen Bereichen künftig mehr Bilanzkapazität zuzuweisen.
Stern zufolge soll der veränderte Kreditmix sowohl die Einlagenbeziehungen als auch die provisionsstarken Geschäftsbereiche ausbauen. Das Management bezeichnete Hypotheken und Autokredite weiterhin als wichtige Bestandteile des Privatkundengeschäfts. U.S. Bancorp will beide Produkte daher weiterhin anbieten. Der unmittelbare Wachstumsschwerpunkt liegt jedoch zunehmend auf Kreditkarten, Unternehmenskrediten und Gewerbeimmobilienfinanzierungen.
First Horizon verkauft Hypotheken für 4,5 Milliarden Dollar
First Horizon, eine Bank mit einer Bilanzsumme von 84,3 Milliarden US-Dollar, kündigte am selben Tag den Verkauf von Verbraucherkrediten für Wohnimmobilien im Volumen von 4,5 Milliarden US-Dollar an. Die freiwerdenden Mittel sollen in renditestärkere Bereiche wie Gewerbeimmobilien- und Unternehmenskredite fließen. Verwaltungsratschef und CEO Bryan Jordan sagte, der Verkauf werde Bilanzkapazität für weiteres Wachstum und langfristige Geschäftsmöglichkeiten mit engeren Kundenbeziehungen schaffen. Bei den zum Verkauf stehenden Hypotheken handle es sich überwiegend um isolierte Vermögenswerte mit begrenztem Wert für die Kundenbeziehung.
Der Abschluss der Transaktion wird im vierten Quartal erwartet. Wegen des Kreditverkaufs verbuchte First Horizon im dritten Quartal einen Verlust von 94 Millionen US-Dollar. Jordan erklärte, die Umschichtung der Erlöse in renditestärkere Vermögenswerte sollte die folgenden Geschäftsergebnisse stützen. Anders als First Horizon plant U.S. Bancorp keinen vollständigen Verkauf des Hypothekengeschäfts, sondern eine schrittweise Veränderung des Kreditmixes.
Provisionsgeschäft hebt Umsatz auf Rekordniveau
U.S. Bancorp erzielte in dem am 30. September beendeten dritten Quartal einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden US-Dollar. Das waren 10% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Quartalsumsatz erreichte mit 8 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert. Die Provisionserträge stiegen im Jahresvergleich um 13% auf 3,48 Milliarden US-Dollar und leisteten damit einen wesentlichen Beitrag zum Umsatzwachstum. Der Nettozinsertrag legte dagegen moderater um 5,6% zu.
Der gesamte Kreditbestand belief sich zum Quartalsende auf 415,2 Milliarden US-Dollar und lag damit 8,6% über dem Vorjahreswert. Die Einlagen stiegen um 1% auf 531,7 Milliarden US-Dollar. Im Kapitalmarktgeschäft erhöhte sich der Umsatz um 69% auf 640 Millionen US-Dollar. Darin war erstmals ein vollständiges Quartal der Ergebnisse der Investmentbank BTIG aus San Francisco enthalten, die U.S. Bancorp am 1. Juni übernommen hatte.
Die Kreditkartenbestände erreichten 40 Milliarden US-Dollar und lagen damit mehr als 11% über dem Vorjahreswert. Dazu trug die Geschäftsbeziehung mit Amazon bei. U.S. Bancorp hatte im Mai mit der Ausgabe der Amazon Business Card begonnen.
Kreditqualität bleibt stabil
Die Kennzahlen zur Kreditqualität blieben im dritten Quartal stabil. Die notleidenden Kredite beliefen sich zum 30. September auf 1,28 Milliarden US-Dollar und lagen damit 20% unter dem Vorjahreswert. Die Nettoabschreibungen auf Kredite betrugen 523 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,51% der durchschnittlichen Kredite. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte die Quote bei 0,56% gelegen. Stern sagte, die Bank beobachte die Kreditqualität weiterhin genau, sehe bislang aber weder im Firmenkunden- noch im Privatkundengeschäft Anzeichen für eine Verschlechterung.
Die Analysten David Chiaverini und Gerard Cassidy bewerteten das Quartal als solide beziehungsweise stark. Die Aktie von U.S. Bancorp stieg am Donnerstagnachmittag um mehr als 2% auf 57,54 US-Dollar. Die Zahlen zeigen einen wachsenden Kreditbestand, bei dem die Bank zugleich stärker auf Provisionserträge und Kreditbereiche mit engeren Einlagenbeziehungen setzt. Der sinkende Hypothekenanteil ist dabei vor allem auf das schnellere Wachstum anderer Portfoliobereiche zurückzuführen.