OpenAI-Chef Sam Altman hat auf der Entwicklerkonferenz des Unternehmens in San Francisco eine dreiteilige Geschäftsstrategie vorgestellt: wettbewerbsfähige Modelle anbieten, die Entwicklung von Anwendungen erleichtern und OpenAI als Plattform für Unternehmenskunden und Partner ausbauen. Mit der wachsenden ChatGPT-Nutzerschaft will das Unternehmen seine Modelltechnik stärker in Entwickler- und Unternehmensumsätze überführen.
Altman kündigte Aktualisierungen für ChatGPT und weitere Produkte an und fasste den Ansatz mit den Begriffen „Modelle, Entwicklung und Vertrieb“ zusammen. OpenAI und der Konkurrent Anthropic stehen unter Druck, ihre hohen Bewertungen durch dauerhaftes kommerzielles Wachstum zu untermauern. Auch Google, Meta, SpaceXAI und chinesische Modellentwickler konkurrieren um leistungsfähige Technik und Kunden.
GPT-6.1 Sol soll mehrere Preissegmente abdecken
Modelle bleiben laut Altman der Ausgangspunkt der OpenAI-Strategie. Das Unternehmen, das als Forschungslabor begann, ist inzwischen in einem Markt aktiv, in dem Wettbewerber die Leistung ihrer Systeme steigern und zugleich mit niedrigeren Preisen um Kunden werben.
Auf der Konferenz stellte Altman GPT-6.1 Sol als günstigere Ergänzung zum neuesten Modell Astra vor. Zudem führte OpenAI seinen Dienst Ultrafast ein, der einen schnelleren Modellzugang zu deutlich höheren Preisen bietet. Das Unternehmen wolle Produkte mit unterschiedlichen Verhältnissen von Leistungsfähigkeit und Funktionalität für verschiedene Preissegmente anbieten, sagte Altman.
Mit mehreren Modellen und Zugangsoptionen kann OpenAI ein breiteres Spektrum an Anwendungsfällen bedienen. Im Wettbewerb dürfte es weiterhin sowohl auf die Modellleistung als auch auf die Kosten ankommen: Anthropic und andere Anbieter entwickeln ihre Produkte ebenfalls weiter.
Codex kommt in die Cloud, neue APIs für KI-Agenten
Der zweite Baustein ist, Entwicklern den Aufbau von Produkten mit OpenAI-Technik zu erleichtern. Altman sagte, das Unternehmen wolle Werkzeuge, die es selbst intern nutzt, auch für Entwickler verfügbar machen.
OpenAI kündigte an, sein Programmierwerkzeug Codex in die Cloud zu bringen. Entwickler sollen es dadurch geräteübergreifend nutzen können. Außerdem veröffentlichte das Unternehmen eine Programmierschnittstelle (API) für Kunden, die KI-Agenten entwickeln, und stellte eine weitere API für Anwendungen vor, in denen schnelle Entscheidungen gefragt sind. Die Ankündigung der zweiten Schnittstelle stieß beim Publikum auf große Resonanz. Eine ähnliche Funktion bietet Jev von TypeSafe AI.
Altman bezeichnete das Angebot als zentrale Entwicklungsplattform aus einer Hand. Werkzeuge und APIs können die Nutzung der OpenAI-Modelle ausweiten und es Unternehmen wie Entwicklern erleichtern, die Technik in bestehende Produkte und Arbeitsabläufe einzubinden.
Mehr als 1,2 Milliarden ChatGPT-Nutzer pro Woche
Der dritte Baustein betrifft Vertrieb und Vernetzung. ChatGPT hat nach Angaben von OpenAI mehr als 1,2 Milliarden wöchentliche Nutzer. Diese Reichweite soll dem Unternehmen helfen, das Geschäft mit Firmenkunden und Partnern auszubauen. Zugleich wollen mehr Unternehmen OpenAI-Technik integrieren oder die Produkte des Unternehmens nutzen, um Kunden zu erreichen.
Altman zufolge könnten Unternehmenskunden einen Teil ihrer bestehenden OpenAI-Budgets für Produkte von Partnern einsetzen. Nutzer anderer KI-Produkte könnten sich zudem über „Sign in with ChatGPT“ anmelden und einen Teil ihres mit dem Konto verbundenen Token-Kontingents verwenden. Damit würde OpenAI über die Rolle eines Modellanbieters hinausgehen und stärker als Vermittler für Unternehmensdienste und den Vertrieb von Produkten auftreten.
In der Fragerunde nach der Keynote verwies Altman auf Cloud-Anbieter als Vergleich dafür, wie OpenAI ein größeres Ökosystem unterstützen könnte. Das Unternehmen wolle Kunden mit Produkten verbinden und Nutzern, Umsätzen sowie Kundenverkehr den Weg zu Partnern erleichtern, sagte er. Ziel sei ein stärker vernetztes Angebot.
OpenAI bündelt damit den Wettbewerb um Modelle, Entwicklerwerkzeuge und den Zugang zu Kunden in einem gemeinsamen Geschäftsmodell. Ob daraus mehr Umsatz mit Unternehmen und Partnern entsteht, hängt von der Nachfrage ab – und davon, ob OpenAI unterschiedliche Anforderungen an Preis, Leistung und Service abdecken kann.