Auf den ersten Blick erzählt „The Cabin in the Woods“ von College-Studenten, die in einer abgelegenen Hütte von Zombies angegriffen werden. Der Horrorfilm von 2012 steckt jedoch voller Verweise auf Genreklassiker, überraschender Wendungen und visueller Easter Eggs. Das Drehbuch schrieben Joss Whedon und Drew Goddard, der auch Regie führte. Zu den erkennbaren Vorbildern zählen „The Evil Dead“, „The Shining“ und „Hellraiser“.
Dana, Curt, Holden, Jules und Marty fahren für ein Wochenende zur Hütte von Curts Familie. Als Dana im Keller aus einem alten Tagebuch auf Latein vorliest, greifen Zombies an. Gleichzeitig lenken die Mitarbeiter Sitterson und Hadley in einer geheimnisvollen Anlage die Ereignisse im Auftrag einer unbekannten Organisation. Das jährliche Ritual verlangt den Tod von fünf typischen Slasher-Figuren: der Jungfrau, dem Gelehrten, dem Narren, dem Sportler und der Verführerin. Mit dem Opfer soll verhindert werden, dass uralte Wesen die Welt zerstören. Am Ende weigert sich Dana, ihren Freund Marty zu töten – und lässt das Ritual scheitern.
Titelkarte und Hütte erinnern an „Funny Games“ und „The Evil Dead“
Die unvermittelte Titelkarte greift eine Szene aus Michael Hanekes Horrorfilm „Funny Games“ von 1997 auf. Dort unterbrechen eine auffällige rote Einblendung und ein Schrei eine zunächst alltägliche Szene. In „The Cabin in the Woods“ erscheint der Filmtitel nach einem nüchternen Gespräch zwischen Mitarbeitern der Anlage.
Der Titel und die abgelegene Hütte verweisen zugleich auf Sam Raimis „The Evil Dead“ von 1981: Auch dort geraten Freunde in einem Wald in übernatürliche Gefahr. Das lateinische Tagebuch im Keller erinnert an das Necronomicon aus dem Film. Auf einer Tafel in der Anlage steht außerdem „Deadites“ – der Begriff aus der „Evil Dead“-Reihe für Untote. Weitere Einträge sind „Hell Lord“, „Zombie Redneck Torture Family“, „Kevin“ und „Bride“. Sie dürften auf „Hellraiser“, „The Hills Have Eyes“, „The Texas Chain Saw Massacre“ und weitere Horrorfilme oder bekannte Figurenmuster anspielen.
Ein weiterer schriftlicher Verweis auf „The Evil Dead“ spielt auf eine der bekanntesten Szenen der Reihe an, in der Bäume eine sexuell gewaltsame Attacke verüben. Auch die Gegenstände im Keller kündigen die Kreaturen an, die sie heraufbeschwören: Eine Muschelschnecke steht für einen Meermann, eine Schmuckschatulle für eine tanzende Kreatur mit einem Mund voller Zähne, ein Brautkleid für die Braut und eine Puzzlebox für den „Hell Lord“. Das alte Tagebuch ruft die Zombies auf den Plan; eine Filmrolle könnte auf „Ringu“ verweisen. Ein antiker Wahrsageautomat ähnelt außerdem Zoltar aus dem Film „Big“.
In den Zellen stecken Spielemonster und Anspielungen auf reale Gruppen
Im unterirdischen Lager der Anlage befinden sich nicht nur erfundene Monster. Eine kurze Einstellung zeigt Menschen mit weißen Kapuzen und spielt damit deutlich auf den Ku-Klux-Klan an. In anderen Käfigen sitzen Spezial-Infizierte aus den Videospielen „Left 4 Dead“: Boomer, Witch und Tank. Der erste Teil erschien 2008, „Left 4 Dead 2“ folgte 2009.
Regisseur Drew Goddard sagte, das Team habe eine herunterladbare, von „The Cabin in the Woods“ inspirierte Spielstufe für „Left 4 Dead 2“ geplant. Spieler hätten darin in der Filmwelt kämpfen können. Die Zusammenarbeit kam wegen Verzögerungen infolge der Insolvenz von MGM nicht zustande. Valve erlaubte dem Filmteam dennoch, einige der Spielmonster in den Käfigen der Anlage zu zeigen.
Drehbuchautor Joss Whedon steuerte auch ein Wesen aus seiner Science-Fiction-Serie „Firefly“ bei: Ein Reaver – eine im Weltraum lebende, für Kannibalismus bekannte Gruppe – streift durch die Gänge. Mehrere langjährige Weggefährten Whedons spielen ebenfalls mit. Fran Kranz ist als Student Marty zu sehen, Amy Acker als Technikerin Wendy und Tom Lenk als Praktikant. Kranz spielte auch in Whedons „Dollhouse“; Acker trat in „Angel“ und „Dollhouse“ auf. Lenk war den Zuschauern als Andrew aus „Buffy – Im Bann der Dämonen“ und „Angel“ bekannt. Alle drei wirkten später in Whedons Film „Much Ado About Nothing“ von 2013 mit.
„The Shining“, „Nightmare on Elm Street“ und Horror aus aller Welt
Ein Aufzugsschacht in der Anlage füllt sich mit Blut – eine Erinnerung an das berühmte Bild aus „The Shining“, in dem Blut aus dem Aufzug strömt, als sich die Türen öffnen. An anderer Stelle halten sich zwei Mädchen an den Händen. Sie erinnern an die geisterhaften Zwillinge, die in „The Shining“ den jungen Danny anlocken. Beide gehören zu den zahlreichen Kreaturen, die in der Anlage festgehalten werden.
Das Ritual ist im Film ein weltweites Ereignis. Die einzelnen Schauplätze greifen dabei auf Horrorbilder zurück, die dem jeweiligen Publikum vertraut sind. In Japan erinnert ein langhaariger weiblicher Geist an Sadako aus „Ringu“ und Kayako aus „Ju-on“. Beide japanischen Horrorfilme erhielten Anfang der 2000er-Jahre Hollywood-Remakes. In einer Szene in Buenos Aires wirkt ein riesiger, gehörnt wirkender Affendämon bereit, das Opfer zu vollenden – wird aber getötet, bevor er handeln kann. Überwachungsaufnahmen aus Stockholm zeigen ein zerstörtes Dorf oder eine Forschungsstation und erinnern an den antarktischen Außenposten, den in „The Thing“ ein außerirdisches Wesen überrennt.
Ein neuer Mitarbeiter der Anlage heißt Truman – möglicherweise eine Anspielung auf „The Truman Show“. Wie Truman wissen auch die fünf jungen Menschen nicht, dass sie beobachtet und manipuliert werden. Doch als Curt mit seinem Motorrad gegen das Kraftfeld fährt und stirbt, unterscheidet sich sein Schicksal deutlich von Trumans späterer Flucht. Sigourney Weaver spielt die Leiterin der namenlosen Organisation. Auch ihre Besetzung setzt einen Akzent: In den „Alien“-Filmen verkörperte Weaver Ellen Ripley, die wiederholt einem Konzern gegenübersteht, der seine Interessen über Menschenleben stellt.
Tafel, Maskenmörder und Besetzung ergänzen die Genreverweise
Zu Filmbeginn erklären Mitarbeiter, das vorherige Ritual sei 1998 gescheitert, weil die „Chemieabteilung“ einen Fehler gemacht habe. Einige Fans lesen darin eine mögliche Anspielung auf „The Faculty“ aus demselben Jahr. In diesem Film entpuppt sich die zunächst unschuldig wirkende Marybeth als Mörderin. Delilah überlebt, obwohl sie nicht dem üblichen Muster des Final Girls entspricht. Abgesehen von der Gegenspielerin sterben auch dort nicht alle fünf Schüler, wie es das Ritual in „The Cabin in the Woods“ verlangt.
Die maskierten Mörder erinnern an „The Strangers“ von 2008, in dem drei Maskierte ein Paar scheinbar ohne Grund terrorisieren. Auch die ähnlich maskierten Figuren in „The Cabin in the Woods“ sprechen kaum. Eine weitere Kreatur, Fornicus, trägt den Titel „Lord of Bondage and Pain“ und ähnelt Pinhead aus „Hellraiser“. Pinhead führt die Cenobiten an und wird häufig mit der Puzzlebox Lament Configuration in Verbindung gebracht.
Jodelle Ferland spielt Patience Buckner. Zu ihren früheren Rollen zählen Auftritte in „Silent Hill“, „They“, „The Messengers“, „Seed“ und „Case 39“ sowie in der TV-Adaption von „Carrie“. Außerdem spielte sie Bree Tanner in „The Twilight Saga: Eclipse“. Als Zombie-Mädchen erhält ihre Rolle so einen weiteren Bezug zu Ferlands Horrorfilmkarriere.
Von der Titelkarte und den Requisiten bis zu Besetzung und Kreaturen auf den Überwachungskameras bündelt „The Cabin in the Woods“ Horrorverweise aus unterschiedlichen Jahrzehnten und Ländern. Das Ritual treibt die Handlung voran und nimmt zugleich Slasher-Typen und vertraute Genre-Konventionen aufs Korn.