Deutlicher Kursrückgang bei PG&E und anderen kalifornischen Versorgern nach Waldbrandgesetz
Die Aktien von Pacific Gas & Electric (PG&E) brachen am Montag um 20 % ein – der stärkste Tagesverlust seit fast sechs Jahren. Auch die Papiere von Edison International und Sempra Energy verloren erheblich an Wert. Hintergrund ist ein neuer Gesetzesentwurf in Kalifornien, der die Haftung für Waldbrandschäden betrifft und bei Investoren erhebliche Verunsicherung auslöste.
Gesetzesentwurf konzentriert sich auf Opferentschädigung – Investoren bleiben ungeschützt
Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, hatte zuvor versucht, die Haftung für Waldbrandschäden von den Versorgungsunternehmen auf Versicherungen abzuwälzen, scheiterte jedoch an der fehlenden Unterstützung. Der nun vorgelegte Entwurf stellt den Schutz der Opferrechte in den Vordergrund, sieht jedoch keine speziellen Schutzmechanismen für Investoren vor. Eine Analyse von Mizuho betont, das Gesetz verzichte auf neue Investorenschutzmaßnahmen und erhöhe damit die Unsicherheit bezüglich der finanziellen Belastung der Versorger.
Analysten senken Ratings aufgrund wachsender Risiken
Diverse Investmenthäuser nahmen ihre Einschätzungen zu PG&E, Edison International und Sempra zurück und stuften die Aktien von „Kaufen“ auf „Halten“ herab. BMO-Analysten wiesen darauf hin, dass die Nachhaltigkeit der Waldbrandschadensfonds derzeit nicht garantiert sei, wodurch Anleger einem potenziell unbegrenzten finanziellen Risiko ausgesetzt blieben. PG&E kündigte an, bei einer Investorenkonferenz am Mittwoch Anpassungen in der Kapitalallokation zu präsentieren – darunter eine mögliche Reduzierung der Investitionen, Erhöhung der Dividenden, Schuldentilgung und verstärkte Gespräche mit kalifornischen Entscheidungsträgern im kommenden Jahr. Die politische Unsicherheit bleibt jedoch bestehen, da der Gouverneur Anfang 2025 aus dem Amt scheidet.
Anhaltende Altlasten belasten PG&E und das Vertrauen der Anleger
Ein Sprecher von PG&E kritisierte das neue Gesetz als keine nachhaltige Lösung zur Absicherung der finanziellen Risiken durch Waldbrände in Kalifornien. Zugleich werde die Finanzierung notwendiger Sicherheitsmaßnahmen weiterhin erschwert. Seit dem Ende des Insolvenzverfahrens im Jahr 2020 trägt PG&E weiterhin erhebliche Altlasten, insbesondere durch die Waldbrände von 2018. Der verheerende Camp Fire, ausgelöst durch einen Leitungsfehler, forderte 85 Todesopfer und zerstörte mehr als 18.000 Gebäude, darunter rund 9.000 Wohnhäuser. Dieses Ereignis prägt die Debatte um Entschädigungen in Kalifornien maßgeblich. Die fehlenden Regelungen zur Entlastung dieser Altverbindlichkeiten bleiben ein wesentlicher Belastungsfaktor für das Anlegervertrauen.