Nasdaq stärkt Marktüberwachung durch strategische Investition in Payward
Nasdaq hat angekündigt, dass seine Venture-Capital-Sparte 100 Millionen US-Dollar in Payward investieren wird, die Muttergesellschaft der Krypto-Börse Kraken. Mit dieser Kapitalzufuhr soll die Marktüberwachungstechnologie von Nasdaq auf ein breites Spektrum von Vermögenswerten ausgeweitet werden, darunter Kryptowährungen, traditionelle Aktien, tokenisierte Aktien sowie Futures und Optionen. Obwohl der Deal noch nicht abgeschlossen ist, zeigt die Investition Nasdaqs Engagement zur Verbesserung der Aufsicht in aufstrebenden Märkten mit Fokus auf Perpetual Contracts und tokenisierte Equity-Produkte.
Citadel Securities fordert erweiterte Regulierung für aktienbasierte Derivate
Im Anschluss an Nasdaqs Ankündigung hat Citadel Securities bei den US-Regulierungsbehörden Stellungnahmen eingereicht, in denen eine Ausweitung der Aufsicht für Finanzinstrumente gefordert wird, die an börsennotierte Unternehmen gebunden sind. Dabei stehen eventgetriebene Kontrakte sowie unbefristete Derivate auf Aktien im Vordergrund. Citadel betont die Notwendigkeit regulatorischer Rahmen, die sowohl Derivatemärkte als auch den Kassamarkt gemeinsam überwachen. Insbesondere warnte das Unternehmen davor, dass Händler durch den Handel mit Perpetual Contracts vor wichtigen Unternehmensmeldungen von nicht öffentlichen, wesentlichen Informationen profitieren könnten, was eine koordinierte, marktübergreifende Überwachung erforderlich macht.
Rechtliche Einstufung entscheidet über Zulassung und Aufsicht
Trotz der fortschrittlichen Überwachungstechnologie von Nasdaq für Payward bleibt die rechtliche Klassifizierung der Finanzinstrumente ein wesentlicher Faktor für die Zulassungsprozesse und den Anlegerschutz. In den USA bestimmt die Unterscheidung zwischen Wertpapieren und Warenderivaten, welche Behörde zuständig ist und welche Prüfverfahren gelten. So folgt die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) einem Selbstzertifizierungsverfahren bei der Vertragszulassung, während die Securities and Exchange Commission (SEC) strengeren Prüfungen unterliegt. Im Fokus steht die Frage, welche Behörde für Perpetual-Equity-Derivate verantwortlich ist und wie eine einheitliche Überwachung von Kassamarkt und Derivaten erreicht wird.
Zulassungen unterscheiden sich von Markteinführung und Anlegerzugang
Die CFTC hat bereits mehrere unbefristete Futures auf Aktienindizes genehmigt, darunter QCEX KPI-Verträge und verschiedene COIN-codierte Indexkontrakte. Die Zertifizierung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese Produkte breit verfügbar sind oder von Anlegern aktiv genutzt werden können. Gleichzeitig befindet sich der SEC-Regulierungsprozess für binäre Optionen und eventbezogene Wertpapiere, die an Aktienbewertungen gekoppelt sind, noch in der öffentlichen Konsultation und weiteren Gesetzgebungsverfahren. Die Markteinführung solcher Produkte bleibt daher vorbereitet, aber noch nicht abgeschlossen.
Nasdaq-Pilotprojekt für tokenisierte Aktien in Anfangsphase
Am 18. März 2026 genehmigte die SEC Nasdaq, den Handel mit tokenisierten Aktien im Rahmen des Depository Trust Company (DTC) Systems zu testen. Für den Pilotversuch müssen tokenisierte Aktien vollständig mit ihren traditionellen Gegenstücken austauschbar sein, dieselben Rechte und Symbole besitzen und über ein gemeinsames Orderbuch gehandelt werden. Die technische Integration und das Meldesystem der DTC sind jedoch noch nicht abgeschlossen, was den vollständigen Markstart verzögert. Die geplanten Nasdaq Equity Tokens (NETs), die in Zusammenarbeit mit Payward entwickelt werden, sollen im zweiten Quartal 2027 eingeführt werden und befinden sich aktuell noch in der Planungsphase.
SEC-Rundtisch zur Vorbereitung auf verlängerte Handelszeiten
Die SEC plant für den 17. September 2026 eine Fachrunde zur Vorbereitung von Börsen und Brokern auf erweiterte Handelszeiten. Besprochen werden dabei kontinuierliche Marktüberwachung, Abschlusskursmechanismen, Clearing und Abwicklung, Anlegerschutz sowie Systemstabilität. Diese Diskussionsrunde zielt vor allem auf die Ausweitung der traditionellen Handelszeiten auf 24-Stunden-Betrieb ab, weniger auf die Klärung regulatorischer Grenzen für Perpetual Contracts oder tokenisierte Aktien. Der dauerhafte, sieben Tage wöchentlich laufende Handel bleibt eine separate, noch offene Debatte.
Herausforderungen durch Technik, Regulierung und Rechtsfragen
Die Kooperation zwischen Nasdaq und Payward verdeutlicht den Trend in der Branche zu anspruchsvollen Überwachungslösungen. Gleichzeitig unterstreichen Marktteilnehmer wie Citadel, dass wirksame Regulierung nur durch Zusammenarbeit zwischen Derivate- und Kassamärkten sowie durch gemeinsamen Datenaustausch gelingen kann, um Insiderhandel und Marktmanipulation zu verhindern. Der Marktzugang für tokenisierte und unbefristete Produkte hängt somit nicht nur von technologischer Innovation ab, sondern auch von klaren rechtlichen Definitionen und regulatorischen Genehmigungen.
Insgesamt steht Nasdaqs Investition für einen vorsichtigen, aber offensiven Schritt in Richtung Tokenisierung und erweiterte Handelszeiten. Die Regulierungsbehörden achten hierbei besonders auf ein Gleichgewicht zwischen Innovation und Risikomanagement, um Transparenz und Compliance bei neuen Finanzprodukten zu gewährleisten.