Sinkende Ölpreise treiben Börsenaufschwung
Nach vier Verlusttagen meldeten sich die US-Aktienmärkte am Freitag mit deutlichen Gewinnen zurück. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 509 Punkte beziehungsweise rund 1,0 % auf 52.573 Zähler. Auch der S&P 500 gewann 0,9 % auf 7.656 Punkte, während der Nasdaq Composite um 1,0 % auf 26.333 Punkte zulegte. Entscheidend für die Erholung war der Rückgang bei den Ölpreisen, der zusammen mit verstärktem Schnäppchenkauf das Anlegerinteresse belebte.
Inflationsdaten im August entsprechen Erwartungen, Kerninflation verlangsamt sich leicht
Das US-Arbeitsministerium veröffentlichte einen Anstieg des Verbraucherpreisindex (VPI) im August um 0,4 % im Monatsvergleich – ein Tempo, das gegenüber Juli (0,1 %) deutlich zunahm, jedoch den Prognosen entsprach. Auf Jahresbasis blieb die Inflation mit 3,4 % stabil gegenüber Juli. Vor allem die Benzinpreise trieben die Entwicklung mit einem monatlichen Plus von 3,9 % und einem Jahresanstieg von 27,4 %.
Die Kerninflation, die Nahrungsmittel und Energie außen vor lässt, stieg im August moderat um 0,3 % gegenüber Juli (0,2 %). Im Jahresvergleich verringerte sie sich leicht von 2,5 % auf 2,4 %, was den Erwartungen von Ökonomen entsprach. Bill Adams, Chefökonom bei Fifth Third Commercial Bank, kommentierte, dass diese vergleichsweise stabile Entwicklung eine Zinserhöhung in der kommenden Woche nicht ausschließe – insbesondere falls die Energiepreise im September weiter steigen.
Ölpreisvolatilität beeinflusst Zinserwartungen
Die Preise für den kurz laufenden West Texas Intermediate (WTI) Rohöl-Future gaben um 2,7 % auf 99,68 US-Dollar je Barrel nach, obwohl der Monat einen Anstieg von mehr als 16 % verzeichnete. Diesel überschritt erstmals die Marke von 6 US-Dollar pro Gallone.
Die Entwicklung der Energiepreise und die Inflationsdaten haben die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung der US-Notenbank um 25 Basispunkte im September weiter befeuert. Das CME FedWatch-Tool erhöhte die Quote für eine Zinserhöhung in den Tagen vor dem Treffen von 71 % auf 86 %.
Technologiewerte zeigen sich stark – Dell und Cisco im Fokus
Unter den Einzelwerten zog Dell Technologies mit einem Kurssprung von 12 % besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Analyst David Page von der Royal Bank of Canada stufte die Aktie mit einem Kursziel von 640 US-Dollar zum Kauf hoch – was ein Potenzial von rund 13 % gegenüber dem Rekordschluss bei 567,75 US-Dollar bedeutet. Das Wachstum führt Page vor allem auf Investitionen in KI-Infrastruktur und eine funktionierende Lieferkette zurück.
Dell berichtete zudem bessere als erwartete Zahlen für das zweite Fiskalquartal 2027 und erhöhte die Jahresumsatzprognose deutlich von 167 auf 192 Milliarden US-Dollar. Die Aktie legte in diesem Jahr kräftig um etwa 350 % zu und gehört damit zu den stärksten Unternehmen im S&P 500.
Cisco Systems gewann 4,4 % und führte die Dow-Komponenten prozentual an, mit einem Plus von 45 % seit Jahresbeginn. Allerdings beeinflussen geopolitische Spannungen in der Region aktuelle Projekte, darunter das geplante KI-Datenzentrum in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das in Zusammenarbeit mit mehreren US-Technologiefirmen realisiert werden sollte, und nun überarbeitet wird.
Oracle verbuchte trotz eines starken Starts in das Fiskaljahr 2027 mit 30 % Umsatz- und Gewinnwachstum sowie einem 62%igen Anstieg im Cloud-Geschäft einen Kursrückgang von 1,7 %, was auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen ist.
Anleger fokussieren sich auf Inflationsentwicklung und Fed-Entscheidungen
Die Marktentwicklung stand im engen Zusammenhang mit den Bewegungen bei Ölpreisen und Inflationszahlen. Investoren bleiben wachsam hinsichtlich der Auswirkungen der Energiepreisentwicklung im September auf die Geldpolitik der Fed. Auch wenn führende Technologiewerte solide Quartalszahlen liefern, sorgen geopolitische Risiken für eine unsichere Lage. Für Anleger bleibt die Volatilität damit ein bestimmender Faktor, während sie die wirtschaftlichen Indikatoren und Signale der Zentralbank genau beobachten.