Blockchain-Kreditscores könnten traditionelle FICO-Bewertungen in den Schatten stellen
Coinbase-CEO Brian Armstrong hat jüngst die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass kreditwürdigkeitssichernde On-Chain-Daten aus der Blockchain eines Tages die in den USA dominierenden FICO-Scores ersetzen könnten. Derzeit stützen sich etwa 90 % aller bedeutenden Kreditentscheidungen auf FICO-Werte, die zwischen 300 und 850 liegen und auf dem Zahlungsverhalten sowie den bestehenden Verbindlichkeiten der Kreditnehmer basieren. Diese Bewertungen werden allerdings von privaten Kreditagenturen kontrolliert, was eine begrenzte Transparenz für Verbraucher bedeutet.
Armstrong äußerte sich dazu im Rahmen einer Diskussion, die Jesse Pollak von Coinbase Base angestoßen hatte, wobei es um die schnelle Entwicklung kreditwürdiger, unbesicherter On-Chain-Kredite ging. Das Blockchain-Ledger speichert nachvollziehbar alle relevanten Daten zu Wallet-Zahlungshistorie, Alter der Adresse und Verhalten der Transaktionspartner. Das eröffnet einheitliche Kreditinformationen, die allen Kreditgebern offenstehen können.
Krypto-Kredite bleiben trotz Innovationen meist besichert
Obwohl das Konzept der On-Chain-Kreditwürdigkeit vielversprechend klingt, ist das gegenwärtige Krypto-Kreditgeschäft weiterhin stark auf Sicherheiten angewiesen. Laut Galaxy Research sanken die ausstehenden Krypto-Kredite im zweiten Quartal 2024 um 17 % auf 56,16 Milliarden US-Dollar. Coinbase baut sein Angebot besicherter Krypto-Darlehen konsequent aus und verlangt für alle Kreditvergaben Vermögenswerte als Sicherheit. Gleichzeitig entwickeln dezentrale Finanzplattformen (DeFi) immer komplexere Risikomanagementstrukturen, die Kreditrisiken auf gesicherte Asset-Pools und Verwahrungskonten verteilen.
Erste Ansätze für on-chain basierte Kreditmodelle gewinnen an Bedeutung
Innovativen Ansätzen im Bereich der Krypto-Kreditvergabe zufolge entstehen zunehmend Kreditmodelle, die allein auf der Reputation in der Blockchain basieren. Das Credifi-Projekt etwa bietet unbesicherte Kredite von bis zu 3.000 US-Dollar für Wallets mit einem Ethos-Kreditscore von mindestens 1800 an. Diese Modelle nutzen öffentlich zugängliche Blockchain-Daten, um ein Kreditrisiko ohne Hinterlegung von Sicherheiten zu bewerten.
Der weitere Ausbau von Blockchain-Datenanalysen und Scoring-Modellen könnte konventionelle Kreditbewertungsverfahren allmählich ersetzen. Die vollständige Umsetzung von On-Chain-Kreditbewertungen hängt jedoch wesentlich von technologischer Reife, regulatorischer Akzeptanz und der Bereitschaft der Marktteilnehmer ab. Investoren und Branchenexperten beobachten daher intensiv, wie diese Entwicklungen die Kreditvergabe im Krypto-Sektor sowie das gesamte Finanzökosystem beeinflussen werden.