Inflationsschäden auf Pesosparguthaben bleiben erheblich
In den vergangenen zehn Jahren hat Argentinien eine dramatische Entwertung der in Pesos gehaltenen Spareinlagen erlebt. Der reale Wert solcher Ersparnisse beträgt heute nur noch etwa 44 % des ursprünglichen Betrags. Zum Beispiel entspricht eine Summe in Pesos, die einst einem Gegenwert von 10.000 US-Dollar hatte, aktuell nur noch ungefähr 114 US-Dollar Kaufkraft. Diese chronisch hohe Inflation hat den US-Dollar für viele Argentinier zur zentralen Absicherungsstrategie gegen Kaufkraftverluste gemacht.
Der Ökonom Martín Tetaz vergleicht die Dollarnachfrage mit dem Abschluss einer Versicherung: Ein fest verankertes Verhalten, das so schnell nicht verschwindet. „Dollar zu halten ist wie eine Versicherung abzuschließen, ähnlich der Autoversicherung – es ist eine eingeprägte Gewohnheit. Das Vertrauen in den Peso wiederherzustellen wird viel Zeit benötigen“, erläutert er.
Inflation auf 33,8 % gesunken – Dollarnachfrage bleibt robust
Unter der Regierung von Präsident Javier Milei fiel die jährliche Inflationsrate Argentiniens im Juli 2024 deutlich auf 33,8 %. Dies ist ein starker Rückgang gegenüber dem Spitzenwert von fast 290 % im April 2024. Trotzdem stieg die monatliche Inflation leicht auf 2,1 %, was auf anhaltenden Inflationsdruck hinweist.
Tetaz warnt, dass dieser Rückgang nicht zu einer schnellen Reduktion der Dollarnachfrage führen dürfte. Er geht davon aus, dass eine Vertrauenswende in den Peso sieben bis acht Jahre dauern könnte, sofern die Bevölkerung nicht davon überzeugt ist, dass die Inflationsverbesserungen auch über politische Wechsel hinaus Bestand haben. Ohne dieses Vertrauen werden langfristige Investitionen in Pesoanlagen voraussichtlich ausbleiben.
Schrumpfende Differenz zwischen offiziellen und Parallelmarkt-Wechselkursen senkt Kosten
Im Juli reduzierte sich der Aufschlag zwischen dem offiziellen Dollarwechselkurs und dem Parallelmarkt-Kurs von über 150 % im Jahr 2023 auf etwa 2 %. Diese starke Verengung senkte die Kosten für den Kauf von US-Dollar deutlich. Die Nachfrage nach Dollarvermögen blieb jedoch weiterhin stabil hoch.
Daten der Plattform Deel zeigen, dass der Anteil argentinischer Freelancer, die den US-Dollar-Stablecoin USDC verwenden, seit dem Inflationsrückgang zurückging und sich stabilisierte. Zwar ist dies kein umfassender Indikator für landesweite Trends, deutet aber auf eine leichte Entspannung bei der Absicherung mit Dollar hin.
Dollaranlagen übertreffen Pesoinvestments deutlich
Im vergangenen Jahrzehnt bewahrte Bargeld in US-Dollar etwa 74 % der Kaufkraft, kurzfristige US-Treasury-Anleihen sogar etwa 94 %. Im Vergleich verzeichneten brasilianische Festgeldanlagen, die an den CDI gebunden sind, rund 50 % Zuwachs bei der Kaufkraft. Diese Zahlen unterstreichen die bessere Entwicklung von in Dollar oder in Nachbarländern denominierten Anlagen gegenüber Pesosparguthaben.
Die anhaltend hohe Inflation hat den US-Dollar fest als bevorzugtes Wertaufbewahrungsmittel in Argentinien etabliert. Trotz jüngster Inflationsberuhigung bleibt der Dollar unerlässlich, um die Kaufkraft zu schützen. Ein kurzfristiger Rückgang der Dollarnachfrage ist nicht zu erwarten, womit der Aufbau von Vertrauen in den Peso eine zentrale Herausforderung für die wirtschaftliche Zukunft کشور
Argentiniens bleibt.