Fed-Chef Walsh sieht Stabilität am Arbeitsmarkt
Kevin Walsh, Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve, betonte auf dem Jackson Hole Symposium die anhaltende Stabilität des US-Arbeitsmarktes. Die Arbeitslosenquote bleibt unverändert bei 4,1 Prozent und befindet sich damit nahe historischen Tiefstständen. Obwohl die jüngsten Beschäftigungszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben, erklärte Walsh, dass eine natürliche Verlangsamung des Jobwachstums typisch sei, wenn sich der Arbeitsmarkt der Vollbeschäftigung nähere.
Rückgang der Juli-Beschäftigungszahlen nach Revisionen
Die Zahlen der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung für Juli zeigten überraschend einen Rückgang um 23.000 Stellen, deutlich unter der prognostizierten Zunahme von 85.000 Jobs. Zudem führten Anpassungen der Daten für Mai und Juni zu einer gemeinsamen Absenkung der Beschäftigungszahlen um rund 103.000. Dieses Muster deutet auf eine stärker ausgeprägte Abkühlung des Beschäftigungswachstums hin als bislang angenommen und veranlasst die Märkte, die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes neu zu bewerten.
ADP-Bericht signalisiert leichte Schwäche im privaten Sektor im August
Der mittwochs veröffentlichte ADP National Employment Report meldete für August nur 38.000 Arbeitsplätze im privaten Sektor, weniger als die 46.000 Stellen im Juli sowie die von Ökonomen erwarteten 47.000. Zuwächse verzeichneten vor allem die Bereiche Bildung, Gesundheitswesen, Freizeit und Gastgewerbe sowie Baugewerbe, während die Industriebranche Rückgänge hinnehmen musste.
Offizielle August-Arbeitsmarktzahlen am 4. September erwartet
Das US Bureau of Labor Statistics veröffentlicht die August-Daten zur nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung und Arbeitslosenquote am Freitag, dem 4. September, um 14:30 Uhr MESZ. Analysten gehen durchschnittlich von einem moderaten Beschäftigungsplus von 58.000 Stellen aus, bei unveränderter Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent. Diese Zahlen sind für die geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve in den kommenden Wochen von zentraler Bedeutung.
Unterschiedliche Einschätzungen aus der Finanzbranche
Bill Adams, Chefvolkswirt der Fifth Third Bank, führt das schwächere Jobwachstum auch auf das Auslaufen des Temporary Protected Status (TPS) für haitianische Staatsangehörige im Juli zurück, was auf einen womöglich schwächeren oder sogar negativen Bericht für August hindeutet. Trotz einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung wird eine stabile Arbeitslosenquote erwartet.
Wirtschaftsexperten von Wells Fargo rechnen nach saisonbedingten Einbußen im Juli mit einer Erholung der Beschäftigungszahlen im August auf etwa 80.000 Neueinstellungen. Sie betrachten den Stellenabbau im Freizeit- und Regierungssektor als vorübergehend und sehen das Beschäftigungswachstum als stabilisierend an.
BeiChen Lin, Senior Investment Strategist bei Russell Investments, prognostiziert für die bevorstehenden Berichte eine moderate Arbeitsmarktentwicklung, die aus Sicht der Fed positiv bewertet wird, da zu hohe Beschäftigungs- oder Inflationszahlen die Zinsentscheidungen beeinflussen könnten.
Ökonomen von Bank of America Securities erwarten im August einen Zuwachs von rund 40.000 Stellen, unter dem Konsens, aber passend zu saisonalen Trends. Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,1 Prozent verbleiben, könnte bei erhöhter Erwerbsbeteiligung auf 4,2 Prozent ansteigen. Lohnwachstum und Verbraucherpreisindex bleiben wichtige Faktoren für die Fed.
Michael Landsberg, Chief Investment Officer bei Landsberg Bennett Private Wealth Management, weist auf die relative Stabilität der Arbeitsmarktdaten und die historisch niedrige Arbeitslosigkeit hin. Er empfiehlt Investoren, die Rohstoffmärkte als Absicherung gegen anhaltend hohe Zinssätze im Auge zu behalten.
Forscher des BlackRock Investment Institute betonen, dass die nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigungszahlen weiterhin von Angebotsbeschränkungen am Arbeitsmarkt beeinflusst werden. Eine langsame Ausweitung der Erwerbsbevölkerung bedeutet nicht zwangsläufig eine geringere Nachfrage. Investitionen in künstliche Intelligenz bleiben ein wesentlicher Wachstumstreiber, der Lohn- und Inflationsdruck weiter stützen könnte.
Wichtige Aspekte für Anleger
Der kommende August-Arbeitsmarktbericht ist ein entscheidender Indikator für die Gesundheit des US-Arbeitsmarktes und wird die Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Fed-Politik maßgeblich prägen. Angesichts der anhaltenden Inflationsrisiken werden Beschäftigungswachstum, Erwerbsbeteiligung und Lohnentwicklung genau beobachtet. Anleger sollten unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts die Marktreaktionen und weitere Wirtschaftsdaten verfolgen, um ein umfassenderes Bild der Arbeitsmarktentwicklung zu erhalten.