Mängel bei der Ernennung von Führungspersonen in Regionalbanken aufgedeckt
Der Office of Inspector General (OIG) der Federal Reserve hat in einem Bericht erhebliche Defizite bei der Berufung von Vorständen und Führungskräften in zwölf regionalen Federal Reserve Banks aufgezeigt. Die Untersuchung, die Praktiken von 2021 bis 2024 umfasst, ergab mangelnde Offenlegung von Interessenskonflikten sowie eine zu starke Einbindung von Direktoren aus Mitgliedsbanken bei der Auswahl von Community Board-Mitgliedern. Dies führte zu inkonsistenten Abläufen und fehlender Transparenz zwischen den Regionalbanken.
Konkret gestatteten neun der regionalen Banken, dass Direktoren, die von Mitgliedsbanken entsandt wurden, an der Empfehlung von Kandidaten für Community Directors mitwirkten. Dies birgt das Risiko, dass Geschäftsbanken überproportionalen Einfluss auf die Regionalbankvorstände gewinnen, was dem Unabhängigkeitsprinzip der Community-Vertretung gemäß dem Federal Reserve Act widerspricht.
Der OIG-Bericht betont, dass dem Board der Federal Reserve formelle schriftliche Leitlinien zur Ernennung von Vorständen und Führungskräften fehlen, was zu uneinheitlichen Verfahren auf Ebene der Regionalbanken führt. Zudem wurde die Aufsicht durch das Fed-Sekretariat als unzureichend bewertet. Der Bericht empfiehlt daher die Einführung einheitlicher Richtlinien zur Steuerung von Ernennungen und zur Offenlegung von Interessenkonflikten.
Zusammensetzung der Vorstände und Interessenskonflikte bei der Auswahl
Die Vorstände der Regionalbanken bestehen aus neun Direktoren in drei Klassen: Klasse A Vertreter der Mitgliedsbanken, Klasse B Vertreter der Gemeinschaftsinteressen und Klasse C Community Directors, die vom Federal Reserve Board ernannt werden. Gewöhnlich werden Klasse C Kandidaten durch die Regionalbanken vorgeschlagen, bevor sie in Washington genehmigt werden – ein Verfahren, das Bedenken hinsichtlich mangelnder Transparenz und erschwerter Überwachung potenzieller Interessenkonflikte aufwirft.
Der Bericht weist darauf hin, dass die Teilnahme von Klasse A Direktoren an der Auswahl der Klasse C Community Directors die Dominanz der Mitgliedsbanken über die Vorstände verstärken könnte, was dem Ziel des Federal Reserve Act zur unabhängigen Community-Vertretung widerspricht. Zwar wird diese Praxis nicht ausdrücklich verboten, jedoch fordert der Bericht das Board in Washington auf, die damit verbundenen Governance Risiken zu prüfen. Insbesondere sollte die Rolle des für Bankangelegenheiten zuständigen Vorstandsausschussvorsitzenden – derzeit Vizevorsitzender Christopher Waller – klarer definiert werden.
Transparenzdefizite bei Personalberatungen und Konfliktoffenlegungen
Der Bericht beleuchtet außerdem fehlende Offenlegungen zu Verbindungen zwischen Personalberatungen und Kandidaten. Ein prominentes Beispiel aus 2023 betrifft Austin Goolsby, den neu ernannten Präsidenten der Federal Reserve Bank von Chicago. Seine Ehepartnerin war Managing Director bei Diversified Search, der führenden Personalberatung für diese Stelle. Diese Beziehung wurde dem Federal Reserve Board nicht zeitnah mitgeteilt und kam erst Monate nach Goolsbys Ernennung ans Licht. Obwohl dem Chicago Fed die Verbindung bekannt war, wurde sie nicht an das Board weitergegeben.
Das Ethikbüro der Federal Reserve kam später zu dem Schluss, dass kein Verstoß vorlag, da die Ehepartnerin nicht aktiv in die Suche eingebunden war. Dennoch zog dieser Umstand mediale Kritik auf sich. Der Bericht empfiehlt daher strengere Offenlegungspflichten für derartige Interessenskonflikte und fordert, dass Regionalbanken solche Beziehungen unverzüglich ihren Vorständen melden.
Ziel: Einheitliche Standards und verbesserte Kontrolle bis Mitte 2027
Über Interessenskonflikte hinaus spricht sich der Bericht für eine verbesserte Prüfung der Qualifikationen von Community Directors und strengere Investitionsbeschränkungen aus. Zudem sollen klarere Standards für Ernennungen in Führungspositionen wie CFO, Chief Audit Executive und leitende Compliance-Verantwortliche geschaffen werden.
Das Federal Reserve Board hat die Empfehlungen des OIG weitgehend akzeptiert und plant die Umsetzung der meisten Maßnahmen bis zum zweiten Quartal 2027. Im Umgang mit den Bedenken zur möglichen Vertraulichkeitsgefährdung durch Klasse C Direktoren bleibt das Board vorsichtig, stimmt jedoch zu, die Auswahlverfahren zu verbessern, um Risiken zu minimieren.
Diese Reform verdeutlicht den Willen der Federal Reserve, die Governance in ihrem regionalen Bankensystem zu stärken, die Transparenz zu erhöhen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu festigen. Einheitliche Ernennungsstandards sollen zukünftige Interessenskonflikte verringern und eine einheitliche Governance-Praxis gewährleisten.