- Die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone fielen am Montag auf den niedrigsten Stand seit etwa einem Monat, hauptsächlich aufgrund der optimistischen Erwartungen, dass die USA und der Iran eine Einigung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus erzielen könnten, was den durch Ölpreise verursachten importierten Inflationsdruck direkt abschwächte.
- Die internationalen Ölpreise fielen angesichts der Entspannungserwartungen im Konflikt um 5,5%, was den europäischen Rentenmärkten eine umfassende Senkung der Wetten auf eine Straffung der Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank bis zum Jahresende ermöglichte.
- Die Markterwartungen für den Einlagensatz der Europäischen Zentralbank im Dezember sanken von 2,67% am Freitagabend auf nahe 2,6%, und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung fiel von 80% auf 75%.
Neubewertung der Kreditkosten mit starkem Rückgang der Ölpreise
Getrieben von der Hoffnung auf eine Entspannung der geopolitischen Lage im Nahen Osten fielen die Ölpreise heute um 5,5%, was dem zuletzt unter Druck stehenden Markt für Staatsanleihen der Eurozone einen starken Auftrieb verlieh. Obwohl die USA und der Iran bei den entscheidenden Streitpunkten noch keine wesentlichen Durchbrüche erzielt haben und sogar die Möglichkeit einer baldigen Einigung heruntergespielt haben, reicht der diplomatische Fortschritt aus, um eine Neubewertung der zuvor hoch bewerteten Energiepreise zu bewirken. Aufgrund der hohen Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von externen Energiequellen führt der Rückgang der Ölpreise direkt zu einer Abkühlung der mittelfristigen Inflationserwartungen, was wiederum die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone sinken lässt. Sollte es zu einem erneuten Stillstand in den diplomatischen Verhandlungen kommen, könnte die Ölpreisprämie die Anleiherenditen wieder steigen lassen.
Marginale Verschiebung der Zinserwartungen in Richtung Tauben
Kurzfristig zinssensitive Instrumente reagierten am stärksten. Die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen fiel um 11,7 Basispunkte auf 2,52%, den niedrigsten Stand seit dem 7. Mai. Diese Rendite hatte Ende März aufgrund der Eskalation des Konflikts 2,771% erreicht, den höchsten Stand seit Juli 2024. Gleichzeitig lockerten sich die Markterwartungen für den Kurs der Europäischen Zentralbank deutlich. Derivate-Markt-Daten zeigen, dass Händler die Enderwartung für den Einlagensatz der Europäischen Zentralbank im Dezember von zuvor 2,67% auf nahe 2,6% gesenkt haben, während der aktuelle Einlagensatz bei 2% liegt. Die Wahrscheinlichkeit einer ersten Zinserhöhung bei der bevorstehenden Sitzung im Juni sank von zuvor 80% auf 75%, was darauf hindeutet, dass der kurzfristige Druck auf eine aggressive geldpolitische Straffung vorübergehend nachgelassen hat.
Renditekurve und Kernanleihen erholen sich gemeinsam
Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen, ein Indikator für die langfristigen Kreditkosten in Europa, fiel um 10,5 Basispunkte auf 2,9302%, den niedrigsten Stand seit dem 8. April. Im Vergleich dazu hatte dieser Indikator Ende März 3,13% erreicht, den höchsten Stand seit Juni 2011. In den Randstaaten fiel die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen noch stärker, um 12,5 Basispunkte auf 3,6425%, den niedrigsten Stand seit dem 18. März. Der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen verringerte sich auf 70 Basispunkte. Analysten weisen darauf hin, dass trotz Anzeichen einer Entspannung der geopolitischen Krise die jüngsten Äußerungen von Yannis Stournaras, Mitglied des EZB-Rats und Gouverneur der griechischen Zentralbank, weiterhin vorsichtig bleiben. Er betonte, dass die Geldpolitik in eine straffere Richtung angepasst werden sollte, wenn die Inflation vorübergehend, aber deutlich über dem Ziel liegt, was darauf hindeutet, dass die Anleihemarkt-Bullen trotz der Erleichterung weiterhin die langfristige Inflationspersistenz im Auge behalten müssen. Sollte die Kerninflation wieder ansteigen, könnte die Marktbewertung neu bewertet werden.