Breite, aber begrenzte KI-Integration in US-Berufen
Eine gemeinsame Studie der Vanderbilt University, Harvard University und der Federal Reserve Bank of St. Louis zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) zwar in rund 20 % der US-Berufsgruppen eingesetzt wird, die tatsächliche Nutzung jedoch meist oberflächlich bleibt. Zwar geben etwa 20 % der Beschäftigten in betroffenen Berufen an, KI-Tools in ihre Arbeitsabläufe einzubeziehen, doch nur in etwa 16 % der Jobs nutzen mehr als 70 % der Mitarbeiter regelmäßig KI-Anwendungen.
Der Ökonom Adam Blandin von der Vanderbilt University erklärt dazu: „Die Verbreitung von KI ähnelt einem großen, aber flachen See – viele Mitarbeiter arbeiten noch in Bereichen, in denen der Einfluss von KI gering ist.“
Überdurchschnittlicher KI-Einsatz bei Baugeräteführern und Wäschereimitarbeitern
Im Gegensatz zu gängigen Annahmen zeigt die Studie besonders bei handwerklichen Tätigkeiten eine unerwartet hohe KI-Affinität. Über 60 % der Baugeräteführer setzen KI ein, deutlich mehr als die prognostizierten 19,5 %. Auch im Bereich Wäscherei und chemische Reinigung nutzen fast 49 % der Beschäftigten KI, was mehr als dem Doppelten der erwarteten 20,6 % entspricht.
Hohe KI-Anteil wurde zudem bei Computer- und Bürotechnik-Reparaturdienstleistern festgestellt, wo über 70 % KI-Tools verwenden – deutlich über den vorherigen Schätzungen.
Blandin führt dies auf die Fähigkeit von KI zurück, technische Informationen und Hilfestellungen schnell bereitzustellen. Baugeräteführer könnten so etwa rasch auf Sicherheitsvorschriften oder Montageanleitungen zugreifen, während Wäschereimitarbeiter KI für Arbeitsoptimierung und Entscheidungshilfen nutzen.
Geringe KI-Nutzung bei administrativen Tätigkeiten
Demgegenüber bleiben Büroberufe mit administrativen und unterstützenden Aufgaben hinter den Erwartungen zurück. So geben lediglich 7,6 % der Empfangspersonen an, KI einzusetzen – weit unter der prognostizierten Spanne von 46 bis 54 %. Auch medizinische Sekretärinnen und Verwaltungsassistenten zeigen nur eine rund 17-prozentige KI-Nutzung.
Die Studie führt dies vor allem auf regulatorische Hürden zurück, insbesondere strenge Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften im Gesundheitswesen. Darüber hinaus limitiert die komplexe Fachkompetenz dieser Berufe die Fähigkeit der KI, menschliches Urteil und Erfahrung zu ersetzen.
Einfluss von Regulierungen und Marktgegebenheiten auf die KI-Akzeptanz
Die Untersuchung betont die Befürchtungen hinsichtlich einer durch KI bedingten Arbeitsplatzverdrängung. Microsoft-Mitbegründer Bill Gates warnte vor erheblichen Marktverwerfungen und der Entstehung von „Mensch-exklusiven Rollen“. Im Gegensatz dazu sieht Meta-CEO Mark Zuckerberg in der KI allerdings einen Motor für neue Jobprofile, auch wenn Unternehmensgrößen schrumpfen.
Experten heben hervor, dass die schnelle technologische Weiterentwicklung der KI nicht automatisch zu einer tiefgreifenden und flächendeckenden Integration führt. Vielmehr bestimmen die jeweiligen regulatorischen Rahmenbedingungen sowie die Anforderungen im Arbeitsalltag, wie zügig und umfangreich KI eingesetzt wird.
Insgesamt zeigt sich im US-Arbeitsmarkt eine selektive KI-Adaption mit starker Differenzierung. Unerwartete Vorreiter wie Bau- und Wäschereibereiche verdeutlichen spezielle Anwendungsmöglichkeiten, während regulierungs- und fachlich geprägte Berufsgruppen zurückliegen. Die künftige Entwicklung der KI am Arbeitsplatz wird wesentlich von technologischem Fortschritt, Brancheneigenheiten und regulatorischen Anpassungen abhängen.