- Die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone stiegen in einem volatilen Handel auf mehrwöchige Höchststände, da die Unsicherheit im Nahen Osten weiterhin zu Positionsanpassungen führte. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen stieg auf etwa 3,06 %.
- Obwohl Iran und Israel andeuteten, auf Drängen von US-Präsident Donald Trump die gegenseitigen Angriffe einzustellen, erschwerten die zusätzlichen Bedingungen Teherans zur Lage im Libanon das vollständige Verschwinden der geopolitischen Risikoprämie. Auch der Rohstoffmarkt war betroffen, und der Ölpreis stieg an diesem Tag um 1,5 %.
- Der Geldmarkt beschleunigte die Preisbildung für den Straffungskurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Händler erwarten allgemein, dass die Zinssätze auf der politischen Sitzung in dieser Woche um 25 Basispunkte angehoben werden und der Einlagensatz bis Ende des Jahres von derzeit 2 % auf etwa 2,69 % steigen könnte.
Geopolitische Unsicherheit dominiert die Marktstimmung
Am Montag war die Stimmung am Anleihemarkt der Eurozone inmitten von Volatilität vorsichtig. Obwohl offizielle Stellen aus Iran und Israel erklärten, dass sie auf US-amerikanische Aufforderung hin die gegenseitigen Angriffe eingestellt hätten, betonte Teheran, dass militärische Aktionen wieder aufgenommen würden, falls Israel weiterhin die Hisbollah im Libanon angreift. Dieser fragile inoffizielle Waffenstillstand konnte die Sorgen des Marktes über Engpässe in der Energieversorgung durch die Straße von Hormus nicht vollständig zerstreuen. Sollte der geopolitische Konflikt erneut eskalieren und die Lieferketten stören, könnte der importierte Inflationsdruck das Zeitfenster für eine Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank weiter einschränken.
Renditen deutscher Anleihen unter Druck
Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen (DE10YT=RR), die als Benchmark der Eurozone gilt, erreichte im Tagesverlauf mit 3,072 % den höchsten Stand seit dem 22. Mai und schloss schließlich bei 3,06 %, was einem Anstieg um 2 Basispunkte entspricht. Die Rendite der 2-jährigen deutschen Staatsanleihen (DE2YT=RR), die empfindlicher auf Leitzinsänderungen reagiert, erreichte ebenfalls mit 2,734 % ein mehrwöchiges Hoch und lag zuletzt bei 2,70 %. Analysten weisen darauf hin, dass die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen kurzfristig möglicherweise nicht unter die psychologische Marke von 3,00 % fallen wird, da sich die Preise für Rohstoffe wie Öl stabilisieren und wieder anziehen, was eine Neubewertung des gesamten Anleihemarktes erforderlich macht.
Angebotsdruck und makroökonomische Daten im Einklang
Kenneth Broux, Leiter der Abteilung für Devisen und Zinsen bei der Société Générale, erklärte, dass neben dem Anstieg der Ölpreise auch der vorübergehende Druck durch das umfangreiche Angebot an deutschen Staatsanleihen in dieser Woche die Renditen in der Eurozone stützt. Darüber hinaus konzentrieren sich globale Händler auf die am Mittwoch anstehenden US-Verbraucherpreisindexdaten (CPI), und die Marktteilnehmer passen ihre Positionen vor der Veröffentlichung wichtiger makroökonomischer Indikatoren aktiv an, was die Volatilität der Euro-Anleiherenditen verstärkt.
Zinserhöhungspfad der Europäischen Zentralbank neu verankert
Investoren bereiten sich derzeit umfassend auf die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank später in dieser Woche vor. Derzeit zeigen die Swaps am Geldmarkt, dass die Wahrscheinlichkeit einer ersten Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die EZB in diesem Monat über 90 % liegt, und es wird erwartet, dass im September eine zweite Zinserhöhung erfolgt. Sollte die Kerninflation in der Eurozone angesichts von Störungen in den Lieferketten widerstandsfähig bleiben, könnten die Erwartungen an eine zukünftige geldpolitische Straffung weiter gestärkt werden. Gleichzeitig kam es auch bei den Renditeabständen der Peripherieländer zu Schwankungen. Die Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihen (IT10Y) stieg am Montag um 3 Basispunkte auf 3,84 %, während der Spread zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen bei 76,21 Basispunkten blieb, was das Bewusstsein des Marktes für die Risiken in einem strafferen Umfeld unterstreicht.