RBNZ hebt Leitzins auf 2,75 % an
Am 2. September erhöhte die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) den offiziellen Leitzins (OCR) um 25 Basispunkte auf 2,75 %. Dies wurde vom geldpolitischen Ausschuss einstimmig beschlossen. Die Entscheidung folgt auf einen Anstieg der Inflation im zweiten Quartal auf 4,1 %, was oberhalb der Zielspanne der RBNZ von 1 % bis 3 % liegt. Die Notenbank führt den Inflationsanstieg vor allem auf höhere Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten zurück, die sie als temporäre Preisverzerrung einstuft.
Kerninflation zeigt Abschwächung bei uneinheitlichem Wirtschaftswachstum
Abzüglich der Treibstoffpreise sank die Kerninflation im zweiten Quartal auf eine Jahresrate von 2,9 %, wobei die meisten Kernindikatoren nahe dem Zielbereich liegen. Dies deutet darauf hin, dass der zugrunde liegende Inflationsdruck geringer ist als die Gesamtinflationsrate vermuten lässt. Das Gremium erklärte, dass Lohnwachstumserwartungen und mittelfristige Inflationsprognosen eine Rückkehr der Inflationsrate ins Zielband bis Mitte 2027 wahrscheinlich machen, möglicherweise knapp unter 2 % am Jahresende.
Die RBNZ bewertet die neuseeländische Wirtschaft nach einem schwachen zweiten Quartal als auf moderatem Erholungskurs. Exportstarke Regionen auf der Nord- und Südinsel profitieren von stabiler Auslandsnachfrage und gestiegenen Exportpreisen. Dagegen stehen wirtschaftsabhängige Gebiete wie Auckland und Wellington vor Herausforderungen durch langsames Einkommenswachstum, Beschäftigungsunsicherheit und stagnierende Immobilienpreise, was Konsum und Wohnungsinvestitionen belastet.
Unterschiedliche Einschätzungen im geldpolitischen Ausschuss
Innerhalb des geldpolitischen Ausschusses gibt es divergierende Einschätzungen der Inflationsrisiken. Mitglieder wie Hayley Gourley, Karen Silk, Prasanna Gai und Anna Breman betonen mögliche Aufwärtsrisiken, die von steigenden Energie- und Petrochemiepreisen ausgehen und eine Preisverharrung begünstigen könnten. Sie warnen auch vor der Gefahr, dass Unternehmen Preise stärker erhöhen könnten als die Importkosten und dass gleichzeitig administrative Gebühren schrittweise ansteigen.
Demgegenüber vertreten Paul Conway und Carl Hansen einen ausgewogeneren Standpunkt und erkennen zwar Inflationsrisiken, weisen aber auf wirtschaftliche Schwächen hin, etwa einen gedämpften Immobilienmarkt und vorsichtiges Verbraucherverhalten, die das Wachstum limitieren könnten. Das Komitee stimmt darin überein, dass weitere Leitzinserhöhungen möglich sind, die künftigen Entscheidungen werden jedoch differenzierter anhand von Inflations- und Wirtschaftsdaten getroffen und nicht automatisch erfolgen.
Behutsame Zinserhöhungen zur Inflationskontrolle ohne Überhitzung
Die RBNZ betont, dass der vorsichtige geldpolitische Kurs darauf abzielt, abrupte oder größere Zinssprünge zu vermeiden und Inflationsimpulse aus dem Ölpreisanstieg nicht auf andere Sektoren übergreifen zu lassen. Damit soll die Produktion, die Beschäftigung und der Wechselkurs vor zu starken Schwankungen geschützt werden. Die Finanzierungskosten haben sich zuletzt verschärft, insbesondere durch gestiegene Großhandelszinsen, was die Kreditkonditionen für Hypotheken und Unternehmen verteuert und den Neuseeland-Dollar gegen wichtige Währungen leicht stärkt. Die Notenbank weist allerdings darauf hin, dass die Erhöhungen bei Termingeldzinsen der Banken begrenzt sind, wodurch es zu einer gewissen Diskrepanz bei der Finanzierungskostenübertragung kommt.
Externe Unsicherheiten erschweren geldpolitische Entscheidungen
Das Gremium verweist auf weiterhin bestehende Unsicherheiten zur künftigen geldpolitischen Entwicklung, die mit mittelfristigen Inflationsrisiken verbunden sind. Neben den inländischen und externen Wirtschaftsindikatoren belasten geopolitische Instabilität, steigende Staatsschulden, defizitäre Haushalte und unsichere Bewertungen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz die Lage. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die RBNZ zuversichtlich, dass das globale Umfeld mittelfristig den neuseeländischen Exportsektor unterstützt. Gleichwohl hängen die endgültigen Fortschritte bei wirtschaftlichen Strukturreformen von Faktoren ab, die über die Geldpolitik hinausgehen.